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«Das ist Mickey Mouse-Tourismus»
  • Gesellschaft
Die Pilatus-Bahnen AG ist für die Beleuchtung des Berggipfels verantwortlich. (Bild: zvg)

Kritik an Pilatus-Gipfel-Beleuchtung «Das ist Mickey Mouse-Tourismus»

3 min Lesezeit 5 Kommentare 22.07.2015, 05:00 Uhr

Schön gell? Der Pilatus-Gipfel wurde letzte Woche hell beleuchtet. Doch was in der sternklaren Nacht so nett anzuschauen ist, gefällt nicht allen: Besonders Natur- und Landschaftsschützer haben Mühe mit der touristischen Attraktion. Das weiss auch derjenige, der den Knopf drückt.

Das Ereignis an sich war ja bezaubernd: In einer warmen klaren Sommernacht, genauer vom Donnerstag auf Freitag, strahlte eine massive Felswand hoch oben am Luzerner Himmel mit allen Sternen um die Wette. Der Gipfel des Pilatus wurde während gut zwei Stunden hell beleuchtet.

Ein aufmerksamer zentral+-Leser liess daraufhin unserer Redaktion das Titelbild zukommen. Allerdings war er vom Szenario weniger begeistert. Im E-Mail fügte er ein paar kritischen Fragen an, welchen wir gerne nachgegangen sind. 

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Erste Frage: Was soll das?

Es handelte sich um ein Ereignis, für das Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen AG, verantwortlich ist. Er hält quasi den Drücker in der Hand und kann per Handy die neun grossen Scheinwerfer aktivieren. Er braucht insgesamt neun Scheinwerfer für das Maximum an Lichtstrahlen. «Es gab keinen speziellen touristischen Anlass für die Einschaltung, sondern nur eine technische», sagt er auf Anfrage. 

Grund für die Beleuchtung in der Nacht auf Donnerstag seien Neueinstellungen der Scheinwerfer gewesen, sagt Koch.«Die Lampen wurden vor den Installationen der neuen Seilbahn ‹Dragonride› abmontiert und nun neu gerichtet.» Die Pilatus-Bahn-Gesellschaft beleuchtet seit 1991 zeitweise die beiden Pilatusgipfel «Esel» und «Oberhaupt» grossflächig. Spezielle Feiertage wie der 1. August oder ein Luzerner Fest können Anlass dafür sein. 

«Wir sind gegen diese Art der Zurschaustellung der Bergwelt. Das braucht es nicht.» 

Hans-Niklaus Müller, Geschäftsleiter LSV Vierwaldstättersee

Zweite Frage: Was sagen Naturschützer dazu?

Was am Nachthimmel so schön aussieht, ist allerdings nicht unumstritten. Die Beleuchtung wird von vielen kritisiert. Insbesondere Natur- und Landschaftsschützer sehen es nicht gerne, wenn die hellen Lampen auf rund 2’000 Meter über Meer angeknipst werden. Hans-Niklaus Müller, Geschäftsleiter des Landschaftsschutzverbands Vierwaldstättersee, macht da keinen Hehl draus: «Das ist Mickey Mouse-Tourismus und für unsere Region völlig artfremd und unerwünscht», meint er. Unerwünscht seien die Lichter aus landschaftsästhetischen, wie auch ökologischen Gründen. «Wir sind gegen diese Art der Zurschaustellung der Bergwelt. Das braucht es nicht.» 

Auch Pro Natura beobachtet solche Beleuchtungen ausserhalb von Siedlungen mit Skepsis. Am Gipfel des Pilatus leben etwa Bergdohlen, Steinböcke, Gämsen oder Rauhfusshühner. Man sollte die Tiere in der Nacht in Ruhe lassen, sagt Roland Schuler, Mediensprecher von Pro Natura. «Beleuchtungen beeinflussen das natürliche Verhalten von Wildtieren wie Fledermäusen oder Vögeln und verlängern die Störung durch menschliche Aktivität in die Nacht hinein. Andererseits stünden die Beleuchtungen besonders energiepolitisch komplett quer in der Landschaft, so Schuler weiter. Anstelle eines sorgsamen Umgangs mit der wertvollen Ressource Energie werde sie «verschwendet».

«Wir setzen die Beleuchtung zurückhaltend ein.»

Godi Koch, CEO Pilatus-Bahnen AG

Dritte Frage: Wird das jetzt öfters so sein?

Starker Tobak an die Adresse der Touristiker. Dass die Beleuchtung für die Natur- und für das Landschaftsbild als kritisch gilt, ist sich Pilatusbahnen-Chef Godi Koch bewusst. «Das Einschalten der Scheinwerfer ist heikel», so Koch. «Es liegt in unserem Ermessen, wann sie eingeschaltet wird und wir setzen sie sehr zurückhaltend ein.» Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen dürften die Gipfel eigentlich viel mehr, nämlich ganze zweimal pro Woche, beleuchtet werden.

In den Neunzigerjahren erzwang der Schweizer Heimatschutz vor Bundesgericht strickte Regeln für das Einschalten der Lampen. Der Nidwaldner Regierungsrat schrieb diese 1993 fest. Das entsprechende Gebiet gehört zur Gemeinde Hergiswil. So darf die Beleuchtung nur zwei Stunden pro Nacht dauern. Eine Veränderungen der Lichtstärke, Farbe, Intensität, oder Zeitdauer ist nicht erlaubt, oder muss wiederum raumplanerisch beurteilt werden.

Zwischen der Betriebseinstellung der Zahnradbahn, spätestens jedoch ab Ende November und bis Mitte März, darf die Beleuchtung nur an Samstagen und Sonntagen, sowie an einzelnen ausserordentlichen Anlässen betrieben werden. Diese Bedingungen schrieb die Baudirektion es Kantons Nidwalden 1993 fest. 

Was denken Sie über die Beleuchtung des Pilatus-Gipfels? Soll man das öfters machen oder nicht? Als Community-Mitglied können Sie uns Ihre Meinung mit der Kommentar-Funktion mitteilen.

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5 Kommentare
  1. Hubi Blättler, 22.07.2015, 19:47 Uhr

    Die Beleuchtung verdanken wir der Genossenkorperation Hergiswil. An der Abstimmung (mit Handmehr) war anno dazumal fast jeder der Anwesenden für die Beleuchtung. Insbesonders der allmächtige Präsident Josef Keiser Bauunternehmer. Die Einrichtung der Uerten, Korperationen, Allmende….oder wie immer sie heissen gehören endlich abgeschafft.

  2. Anne Mäder Beglinger, 22.07.2015, 17:40 Uhr

    Ich pflichte Marie Isabelle Bill vollumfänglich zu, ebenso GH.
    Es ist unfassbar, dass es im Ermessen der Pilatus Bahnen AG liegen soll, über eine solch einschneidende Massnahme zu verfügen, bar jeglicher Vernunft. “Zurückhaltend” würden die Scheinwerfer eingesetzt, meint Herr Koch; ich und bestimmt eine Mehrheit rund um den Pilatus findet jede Minute ist eine Minute zuviel. Ich bitte die Pilatus Bahnen AG sich umgehend die nötigen Kompetenzen anzueignen, damit ihnen klar wird, was sie hier anrichten.

  3. Marie-Isabelle Bill, 22.07.2015, 09:03 Uhr

    Wieder einmal beweist ein “Marketingstratege”, dass ihm Flora und Fauna gestohlen bleiben können, ausser er kann das gerade für sich und sein Ziel nutzen.
    Da ergiesst sich Häme über Marketingmenschen, die Produkte mit Verpackungsblödsinn in der Welt herumsenden, aber einen beleuchteten Pilatus findet man toll. Das macht dann Sinn. Für wen denn bitte? Etwa für die Touristen, die aus der ganzen Welt herkommen und sich überlegen, ob sie den Aufenthalt in “great Lucerne” verlängern wollen, damit sie ja nicht verpassen, wenn Herr Koch den Schalter umlegt? Oder die Luzerner und Nidwaldner, die es nicht erwarten können, dass die Drachen des Pilatus geweckt werden?

    Ich pflichte Herrn Müller bei: Ein ökologischer Landschaden! Disneyland liegt auf einem Kontinent, der bekannt ist für seine ökologischen Tiefflüge. Nicht jede Idee ist gut, nur weil sie das Portemonnaie füllen soll. Und ich gehe mal davon aus, dass der Strom für diese Aktion jeweils von begeisterten Velofahrern in der Talstation erstrampelt wird? Das alleine wäre schon eine Marketing-Strategie: “Fit mit Pilatuslicht”….

    Die Aussage Herrn Kochs, dass das Einschalten heikel sei, liegt auf der Hand, das muss er nicht noch betonen. Zumal es ja in seinem Ermessen liegt. Ja, bitte? Etwas wirr, oder? Schalten Sie doch bitte stattdessen Hirn und Herz ein und vermarkten den Pilatus mit Sonnenauf- und untergangsfahrten, vielleicht sogar Nachtfahrten in die Stille, oder ähnlichem, es gäbe vermutlich noch einige Ideen, die zeigen, dass man mit der Natur verantwortungsvoll umgehen kann.

  4. Tonino Bucherinsky, 22.07.2015, 07:14 Uhr

    Als Luzerner weiss ich, dass unser sog. Hausberg nicht im Kanton Luzern steht. Trotzdem sollte die “Europark” oder “Disney World” – Beleuchtung höchstens zweimal pro Monat (mit Vorankündigung, damit evtl. Touristen länger bleiben!?!) eingeschaltet werden!
    Ein Sonnenaufgang auf dem Pilatus erleben dagegen ist einmalig, beglückend und gut für die Tourismusbetriebe. Hier ein digitales Souvenir von meinem unvergessliches Erlebnis am 17.07.2015 um 05:51 Uhr auf dem Esel: https://flic.kr/p/vUJse3

  5. G. Hauf, 22.07.2015, 06:56 Uhr

    Die Beleuchtung ist unsinnig, nunnütz und rücksichtslos !