«Das ist keine Feierabendbier-Idee»
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André Egli, Präsident von «LU − Luzerner Unternehmen», im Sinnlicht an der Industriestrasse, wo der Verein sein Domizil hat. (Bild: lru)

So tickt der alternative Wirtschaftsverband «Das ist keine Feierabendbier-Idee»

4 min Lesezeit 09.05.2016, 05:15 Uhr

Links-liberalen Gewerblern und Politikern ist der bürgerliche Luzerner Wirtschaftsverband zu rechts. Kleingewerbler haben deshalb ihren eigenen Verband gegründet: «LU Luzerner Unternehmen». Im Interview kontert Präsident André Egli die harsche Kritik der etablierten Wirtschaftsorganisationen. Und er erzählt, wie sich der neue Verband beweisen will.

Der Aufschrei bei den etablierten Wirtschaftsverbänden war gross, als eine Gruppe von Kleingewerblern ankündete, ihre eigene Vereinigung zu gründen. Die Gewerbevertreter wollten sich zu einer eigenständigen, neuen Kraft für Unternehmen zusammenschliessen, weil ihnen die bestehenden Verbände zu konservativ und rechtsbürgerlich waren. Als «wirtschaftsschädigend» bezeichnete Heinz Bossert, Präsident des Detaillistenverbandes, die neue Vereinigung gar (zentralplus berichtete).

Der Kritik zum Trotz: Anfang April hat sich «LU − Luzerner Unternehmen» nun gegründet. Der Verein will sich für die Interessen der Gewerbler einsetzen. Im Vorstand von «LU» sitzen unter anderem SP-Stadtparlamentarier Daniel Furrer, der neugewählte Juso-Grossstadtrat Yannick Gauch und Heinz Marti vom Beleuchtungsgeschäft Sinnlicht. Präsident ist André Egli (49). Der Chemiker hat kürzlich ein Unternehmen für Galvanik, Beratung und Prozessentwicklung in Rothenburg gegründet. Wir haben ihn nach einem ersten Fazit gefragt.

zentralplus: Anfang April haben Sie «LU − Luzerner Unternehmen» gegründet. Wie ist der erste Monat verlaufen?

André Egli: Im ersten Monat hat eine gewisse Konsolidierung stattgefunden. Zudem bauen wir gerade das Vereinssekretariat auf und erstellen Dokumentationsmaterial. Das braucht natürlich eine gewisse Zeit. Ebenfalls in Planung sind regelmässige Treffen, damit unsere Mitglieder Erfahrungen austauschen können.

zentralplus: Wer ist beim neuen Interessenverband alles dabei?

Egli: Mittlerweile sind wir rund 30 bis 40 Personen und Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie Metallverarbeitung, Handwerk, Eventmanagement, Kommunikation, Direktmarketing, Hotellerie, Laden, Gastronomie usw.

zentralplus: Wie ist der Stand der Dinge? Was steht und was fehlt noch?

Egli: Es fehlt noch so einiges. Wir haben uns jetzt konstituiert und die Grundzüge unserer Idee skizziert, mehr noch nicht. Jetzt gilt es einerseits, die Organisation aufzubauen, und andererseits, vor allem an den Inhalten zu arbeiten.

zentralplus: Welche Inhalte sollen das sein?

Egli: Wir sehen uns nicht nur als Lobbyorganisation für Klein- und Kleinstunternehmen. Wir möchten gemeinsam Mehrwert erarbeiten, Synergien und Inspirationen schaffen und nutzen, Erfahrungen austauschen und vieles mehr. Es gibt viele Ideen, aber ich möchte noch nicht zu viel verraten, solange es nicht spruchreif ist. Die Vorstellungen gilt es irgendwie zu bündeln, Sinnvolles herauszukristallisieren und umzusetzen.

zentralplus: Welche Ideen geistern denn konkret herum?

Egli: Wir haben uns zum Beispiel überlegt, unter einem gemeinsamen Label aufzutreten. Also eine Art Gütesiegel für Produkte, die hier gemacht werden. Aber wie gesagt: Das ist erst eine Idee. Sicher ein zentrales Anliegen für uns ist günstiger Gewerberaum. Man spricht immer davon, dass es mehr bezahlbare Wohnungen braucht. Das stimmt. Aber auch günstiger Gewerberaum braucht eine Lobby. Unser Ideal sind Stadtquartiere, in denen gewohnt und gearbeitet wird.

zentralplus: Es gibt bereits den Luzerner Wirtschaftsverband. Wieso braucht es Ihren Verband auch noch?

Egli: Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zum Wirtschaftsverband. Wir vertreten die Interessen von Klein- und Kleinstunternehmen. Viele von uns sind Einzelkämpfer und haben wenig Zeit, sich nebst dem Tagesgeschäft auch noch für übergeordnete Interessen einzusetzen. In vielen Bereichen sind unsere Anliegen ähnlich gelagert wie der Wirtschaftsverband. Aber wir setzen andere Schwerpunkte. Zudem positioniert sich der Wirtschaftsverband klar politisch, und zwar bürgerlich. Das steht auch so in seinen Statuten. «LU – Luzerner Unternehmen» versteht sich bewusst als politisch unabhängig, also weder bürgerlich noch links.

zentralplus: Sie stören sich an der bürgerlichen Ausrichtung des Wirtschaftsverbands. Sind Sie alles Linke?

Egli: Nein, es sind nicht alles Linke. Der überwiegende Teil der Mitglieder gehört keiner politischen Partei an und würde sich auch nicht als links bezeichnen.

zentralplus: Die Wirtschaftsverbände finden den Neuling nicht toll, sie fürchten, die Interessen zu verzetteln. Warum haben Sie nicht versucht, beim städtischen Wirtschaftsverband anzudocken?

Egli: Ein Wirtschaftsverband kann nicht alle Interessen gleichwertig abdecken. Wir übernehmen einen Bereich, der nicht abgedeckt ist. Zu uns kommen vor allem auch Firmen und Personen, die nicht im Wirtschaftsverband sind. Wir können also Leute einbinden, die sonst nicht organisiert wären. Daraus ergibt sich eine einfache «Milchbüechli-Rechnung» und die lautet, dass zwei Verbände den Anliegen der Wirtschaft insgesamt mehr Gewicht verleihen. Es ist also eher eine Chance als eine Gefahr für den Wirtschaftsverband.

zentralplus: Aber falls Sie zu klein bleiben, fehlt Ihnen der Einfluss.

Egli: Natürlich braucht es eine gewisse Grösse, um auch Einfluss nehmen zu können. Wir sind aber überzeugt, ein grosses Bedürfnis abzudecken, und rechnen mittelfristig mit mehreren hundert Mitgliedern.

zentralplus: 150 bis Ende Jahr sollen es sein, schreiben Sie in einer Medienmitteilung. Mehr als ein Sturm im Wasserglas?

Egli: Wir arbeiten an dieser Idee nun schon seit fast einem Jahr. Die Gründung hat sich lediglich aus Ressourcengründen etwas lange hingezogen. Wir engagieren uns alle ehrenamtlich im Verein. Aber es ist keine Feierabendbier-Schnapsidee, sondern war schon lange ein Thema. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Verein etablieren wird.

André Egli ist Chemiker und hat in Rothenburg vor kurzem einen Galvanik-Betrieb gegründet.

André Egli ist Chemiker und hat in Rothenburg vor kurzem einen Galvanik-Betrieb gegründet.

(Bild: lru)

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