«Das ist ein harter Schlag für die Mitarbeiter der Horwer Firma»
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Die Reaktionen auf die Firmenschliessung von Edwards in Horw sind deutlich. (Bild: zvg)

Grosse Betroffenheit wegen Schliessung von Edwards «Das ist ein harter Schlag für die Mitarbeiter der Horwer Firma»

3 min Lesezeit 1 Kommentar 19.09.2017, 17:43 Uhr

Edwards Lifesciences, der amerikanische Hersteller von Herzklappen, macht dicht in Horw. 250 Mitarbeiter, darunter viele Frauen, verlieren ihren Job. Was sagt die lokale Wirtschaft zu diesem Aderlass? Und wie betroffen macht die Schliessung die Gemeinde Horw? Die Reaktionen sind deutlich.

Das amerikanische Unternehmen Edwards Lifesciences will seinen Produktionsstandort in Horw schliessen – 250 Vollzeitmitarbeiter sind betroffen (zentralplus berichtete). Das kleine, ehemalige Schulgebäude werde den Anforderungen einer modernen Medizintechnikanlage nicht länger gerecht, teilte das Unternehmen am Dienstag überraschend mit.

«Das sind natürlich schlechte Nachrichten», sagt Walter Stalder, Chef der Luzerner Wirtschaftsförderung. Man habe alles versucht, den US-Herzklappenhersteller in Horw zu halten. «Ich bin zwei Mal in die USA gereist, habe insgesamt mit drei Chefs in Horw zu tun gehabt», erzählt Stalder von den vielseitigen Bemühungen seinerseits.

«Der Standort in Horw ist von Edwards Sciences immer eher stiefmütterlich behandelt worden.»

Walter Stalder, Luzerner Wirtschaftsförderung

Hauptproblem für die Firma seien die eingeengten Produktionsverhältnisse in Horw gewesen. «Wir von der Wirtschaftsförderung zusammen mit der Gemeinde Horw, waren deshalb seit 2011 im Kontakt mit der Firma, um einen neuen Standort zu finden – in Rothenburg, in Littau und zuletzt, Anfang Mai, in Kriens.» Man habe auch versucht, den Standort in Horw zu erweitern und zu optimieren, so Stalder. Den Fertigungsstandort in Horw habe Edwards Lifesciences durch den Aufkauf eines anderen Unternehmens übernommen.

«Der Standort in Horw ist von Edwards Sciences immer eher stiefmütterlich behandelt worden», ist der Luzerner Wirtschaftsförderer überzeugt. Andererseits gebe es natürlich für eine internationale Firma wie Edwards, die auch Standorte in Südamerika und in Singapur habe, die Möglichkeit, Herzklappen zu tieferen Arbeitskosten herzustellen.

«Wir haben uns wirklich sehr dafür eingesetzt, die Firma in Luzern halten zu können.»

Walter Stalder

Was die 250 Mitarbeiter, vor allem Frauen, angeht, die nun ihren Job bei Edwards verlieren, ist Stalder trotzdem zuversichtlich, dass diese einen anderen Job finden könnten. «Es handelt sich Jobs mit viel Handarbeit», sagt Stalder. Die Frauen würden Häute per Hand an Metallringe der Herzklappen annähen. «Wir haben uns wirklich sehr dafür eingesetzt, die Firma in Luzern halten zu können.»

Gemeinde wurde überrumpelt

Hans-Ruedi Jung, Finanzdepartements-Vorsteher der Gemeinde Horw, ist total überrascht von den Schliessungsplänen des Herzklappenherstellers. «Es wurden von der Firma zwar immer räumliche Probleme am hiesigen Standort bemängelt, aber der Standort Horw ist selbst nie zur Debatte gestanden.»

«Wir verfügen hier ja sowieso nicht über so wahnsinnig viele Arbeitsplätze in der Gemeinde.»

Hans-Ruedi Jung, Vorsteher Finanzdepartment, Gemeinde Horw

Die Gemeinde Horw, die rund 14’000 Einwohner zählt, habe sich in regelmässigem Austausch mit der Firma befunden. «Wir haben immer versucht, behilflich zu sein, um Lösungen zu finden.» Denn Edwards sei eine der grössten Unternehmen in Horw gewesen. «Und wir verfügen hier ja sowieso nicht über so wahnsinnig viele Arbeitsplätze in der Gemeinde», räumt Jung ein.

Der Horwer Finanzchef geht davon aus, dass das Management von Edwards in den USA eben eine Entscheidung über die Zukunft der Produktionsstandorte gefällt habe. «Und da muss sich Europa eben fügen – zumal Horw als Teilfabrikationsstandort zur Herstellung der Herzklappen kein grosses Gewicht gehabt habe.

Was die 250 Mitarbeiter des Herzklappenherstellers angeht, die nun ihren Job verlieren, will sich Jung sobald wie möglich mit dem Arbeitsamt und Sozialdienst zusammensetzen. «Um Möglichkeiten zu eruieren, was man in diesem Fall tun kann. Das ist ein harter Schlag für die Mitarbeiter der Firma und ist schlecht für die heimische Wirtschaft.»

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1 Kommentare
  1. Bernhard Frei, 19.09.2017, 19:52 Uhr

    Den hochspezialisierten, fähigen MitarbeiterInnen von Edwards Horw wünsche ich guten Mut und viel Kraft. Sie haben mein Mitgefühl, ich bin in Gedanken gerade jetzt bei Ihnen! Dieses Schicksal haben Sie tatsächlich nicht verdient! N.B. „Damals“ von 1980-82 durfte ich als ausführender Mitarbeiter die von Edwards California „abgesprungenen“ Kaderleute (zu einem durchaus bescheidenen Salär) mit grossem Engagement & Freude dabei unterstützen, Xenomedica (an der Haldenstrasse in Luzern domiziliert) zu implementieren. Als das Geschäft mit den Xenomedica-Herzklappen zu „brummen“ begann, zögerten diese jene nicht lange! Edwards hat sich die lästige Konkurrenz dann schon bald wieder „einverleibt“ und die ehemaligen, abgesprungenen USA-Edwards-Spezialisten haben sich finanziell mehr als schadlos gehalten. Als junger Mensch wollte ich damals einen sinnvollen Job machen, den Menschen dienen. 35 Jahre später zeigt der Kapitalismus wieder sein wahres Gesicht. Selbstverständlich ist immer alles Rechtens. … – Das ist doch alles nur noch ganz ganz traurig! Frei Bernhard [email protected] Facebook: „Emmenbaum RIP“ – Gedanken sind frei, mein Name ist Frei, ich bin so frei!

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