«Das ist ein Generationenprojekt»

3 min Lesezeit 16.05.2015, 18:20 Uhr

Der Zuger Architekt, Ruedi Zai, schreibt in seinem Leserbrief von der Zukunft der Stadt Zug und dem Stadttunnel. Die Bau- und Mobilitätswelt sei daran, sich radikal zu verändern.

Es ging nicht nur um den Höhenweg, als der Zuger Heimatschutz im Mai 2008, anlässlich der Vernehmlassung zur Richtplananpassung / Festsetzung Stadttunnel Zug, sich zu Wort meldete. Die Idee der Ingenieure, den Anschluss Ägeristrasse dreispurig und offen entlang der Stadtmauer beim Knopfliturm zu führen, drohte den äusseren Rand der Altstadt zu zerstören. Historische Bauten wie der Pulverturm oder das ehemalige Zeughaus sollten direkt unterfahren werden. Wir wollten nicht nur nein sagen, sondern suchten nach Alternativen, wie dieser bedrohliche Ägeristrasse Anschluss vermieden werden könnte. Siehe NZZ vom 8.Mai 2008 und NZZ vom 8.April 2010 (www.zugerheimatschutz.ch).

Es ist unserem engagierten Baudirektor zu verdanken, dass er diese Problematik und die drohenden Auseinandersetzungen mit dem Denkmalschutz erkannte. Er organisierte mit der Stadt zusammen das breit angelegte Mitwirkungsverfahren. Es war ein spannender Prozess in den Arbeitsgruppen und es gelang auch, die Diskussion von der Gestaltung der Tunnelportale auszuweiten auf die Frage was der Tunnel der Stadt bringen könnte.

Das Resultat kennen Sie: Zentrum Plus. Auch war es dem energischen Eingreifen von Heinz Tännler zu verdanken, dass die Ingenieure endlich von der alten Streckenführung liessen und zähneknirschend zugeben mussten, dass ein unterirdischer Kreisel möglich ist. Inzwischen sind etwa 4 Jahre vergangen und ich habe einiges dazu gelernt.

Die Bau- und Mobilitätswelt ist daran sich radikal zu verändern. So forscht der Lehrstuhl Architektur und digitale Fabrikation der ETH-Z z.B. beim Bauteil Wand an neuen Erstellungsweisen. Die Bewehrung wird von Robotern als komplexes feinmaschiges Raumgitter in Form gebracht und verschweisst, sie kann somit optimal dem Kräfteverlauf folgen, was eine Reduktion des Eisenverbrauchs bedeutet. Das Raumgitter ist so konzipiert, dass der Beton von den Maschen fest gehalten wird. Die Schalung wird überflüssig. Weil der Beton nun nicht mehr bis zur ebenen Tafel gefüllt werden muss, werden komplexe Oberflächen möglich und ca. ein Drittel des Betons kann eingespart werden. Im Zeitalter des knapp werdenden Sandes eine interessante Option. Die Schalungskosten machen heute ungefähr die Hälfte der Kosten aus. Rechne. Zur Lösung der noch offenen Fragen wird die Weiterentwicklung in einer interdisziplinären Forschungsgruppe (NCCR Digitale Fabrikation, www.dfab.ch) nun vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert. Möglicherweise ist die Bewehrung mal nicht mehr aus Eisen, sondern aus Kunstfasern 3 D gedruckt oder aus Bambusfasern.

Selbst diese Bauwerke werden altern und benötigen Unterhalt. Es ist nicht der schweizerische Perfektionismus, der im Gubristtunnel wenige Jahre vor der Totalsanierung eingebrochene Fahrbahnteile saniert, lose Schachtdeckelumrandungen auswechselt oder nicht mehr zuverlässige Rauchabzugsklappen ersetzt, es ist die Sicherheit, die das verlangt. Was ich erklären möchte, dass wir an der Schwelle einer neuen Zeit, einer digitalisierten Welt stehen, dass wir im 21. Jahrhundert angekommen sind.

Es geht nicht nur um die selbstfahrenden, elektrobetriebenen Fahrzeuge welche frei von CO2 oder Dieselpartikel Emissionen und ein wesentliches Element der neuen Mobiltät sind. Dass sich ihre Bewegungen praktisch nur noch durch die Rollgeräusche verraten, ist ein Segen für die Neugasse und alle andern Quartiere. Es geht um die Etablierung von neuen Systemen, welche zum Ziel haben, eine optimale Mobilität für alle, weitgehend auf dem ganzen bestehenden Strassennetz, nicht nur zwischen den vorgesehenen Tunnelportalen, anzubieten. Profitieren sollen u.a. die wackliger werdenden älteren Semester, die Jungen welche die Hände lieber am Smartphone als am Steuerrad halten oder die Gewerbler, welche arbeiten und nicht Staustehen wollen.

Auch Oldtimer werden auf unseren Strassen, die partiell erweitert werden müssen, noch verkehren können. Ich spreche vom Jahr 2032, dem mutmasslich frühesten Eröffnungstermin des Tunnels. Die neuen Möglichkeiten des Wissens, wer wann wohin will, miteinander zu verknüpfen und zu koordinieren, daran wird mit Hochdruck gearbeitet. Wir Zuger müssen das nicht alleine stemmen, jede Stadt weltweit hat die selben Sorgen mit den Verstopfungen. Das zu ändern, das ist ein Generationenprojekt.

 

Ruedi Zai, Architekt, Zug

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