Das ist die gefährlichste Velotour durch die Stadt Luzern
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Auch aufgrund des grossen Verkehrsaufkommens nicht ganz überraschend einer der Hotspots für Velounfälle in Luzern: Der Schweizerhofquai (Bild: ewi)

Unterwegs entlang der Unfall-Hotspots Das ist die gefährlichste Velotour durch die Stadt Luzern

6 min Lesezeit 5 Kommentare 28.09.2021, 17:11 Uhr

Vom Kreuzstutz über den Bahnhofplatz bis zur Eichhof-Kreuzung: Gemäss Unfalldaten des Bundes gibt es in der Stadt Luzern gleich mehrere Stellen, an denen das Unfallrisiko für Velofahrer besonders hoch ist. zentralplus hat die gefährlichsten Standorte auf zwei Rädern besichtigt – und verunfallte an einer Stelle tatsächlich beinahe.

Ein kleiner Nervenkitzel im Alltag gefällig? Dazu braucht es weder einen Fallschirm noch den Gang ins Casino. Ein Fahrrad – und idealerweise ein Helm – reichen schon. Mit im Gepäck die Unfallkarte des Bundesamts für Strassen (Astra). Sie stellt dar, auf welchen Strassen und Kreuzungen in Luzern das Unfallrisiko für Velofahrerinnen besonders hoch ist.

zentralplus ist wagemutig auf den Sattel gestiegen – zugegebenermassen ohne Helm – und hat die gemäss Unfallstatistik gefährlichste Veloroute der Stadt Luzern abgefahren. Und Milena Scherer, die Coleiterin des Mobilitätsbereichs der Stadt Luzern, um eine Einschätzung der Herausforderungen an den Unfall-Hotspots gebeten.

Kreuzstutz/Schweizerhofquai

Die Tour beginnt am Kreuzstutz-Kreisel. Dort haben sich in den letzten acht Jahren 14 Velounfälle ereignet. Kaum vor Ort, werden wir beinahe Zeuge eines 15. Unfalls: Eine Velofahrerin und ein Motorradfahrer, beide von der Bernstrasse her in den Kreisel einfahrend, kollidieren fast miteinander.

Der Vorfall zeigt die Problematik des Kreisels: Von der Bern- und Baselstrasse her kommend fährt man mit hoher Geschwindigkeit in den unübersichtlichen Kreisel, von der St. Karlibrücke her hingegen schleicht man per Velo den Berg hinauf in den Kreuzstutz.

Diese Wahrnehmung bestätigt auch Milena Scherer: «Zu den Unfällen tragen die ungünstige Kreiselgeometrie und das hohe Verkehrsaufommen bei.» Velofahrerinnen seien aber nicht überproportional betroffen.

Hier am Kreuzstutz hätte es beinahe «geklöpft», als die Velofahrerin und das Motorrad in den Kreisel einbogen.

Die Velotour führt uns weg vom Kreuzstutz durch die Altstadt in Richtung Schweizerhofquai. Diese Strasse steht wohl nicht ganz überraschend auf der Liste der Luzerner Unfall-Hotspots. Einer davon befindet sich an der Stelle vor der Hofkirche, wo die Haldenstrasse in den Schweizerhofquai übergeht. Die Passage war unter Velofahrern lange besonders gefürchtet, weil hier Autos den Velostreifen überqueren, um Richtung Zürichstrasse abzubiegen.

Vor zwei Jahren hat die Stadt Verbesserungen vorgenommen und gewährt den Velofahrerinnen einen kleinen Vorsprung. So können die Fahrräder einige Meter weiter vorne losradeln als die Autos und sind somit schneller aus der Gefahrenzone. Gemäss Scherer hat sich dies gelohnt: «Durch verschiedene Velomassnahmen konnten seit 2019 die Unfallzahlen deutlich reduziert werden.»

Beinahe unter die Räder gekommen

Ist diese Stelle schadlos überstanden, lauert nach wenigen Metern entlang des Schweizerhofquais bereits die nächste Herausforderung: Die Ein- und Ausfahrt des Schweizerhof-Parkhauses, wo die Autos ebenfalls die Velospur überqueren müssen. «Es gibt eine Unfallhäufung mit Velobeteilung im Bereich der Ausfahrt Schweizerhof», bestätigt Scherer.

«Der Bahnhofplatz ist nicht nur ein Velounfall-Hotspot, sondern auch ein Unfallschwerpunkt für alle Verkehrsarten.»

Milena Scherer, Stadt Luzern

Leider kommt ihre Warnung aber zu spät, denn unsere Velotour findet hier beinahe ein jähes Ende. Exakt auf der Höhe der Einfahrt zum Parkhaus schneidet uns ein Autofahrer, der ins Parkhaus will, den Weg ab. Ohne scharfes Bremsmanöver unsererseits hätte das Astra hier einen weiteren Unfall verzeichnen müssen.

Tatsächlich hat die Stadt Luzern Massnahmen geplant, um diese Ein- und Ausfahrt sicherer zu gestalten. Zu den Hauptverkehrszeiten soll die Ausfahrt über die Töpfer- und Gotthardstrasse erfolgen, verrät Milena Scherer.

An dieser Stelle wären wir beinahe unter die Räder gekommen, als ein Auto in Richtung Parkhaus abbog.

Wir fahren etwas geschockt, aber munter weiter in Richtung Bahnhofplatz. Hier sind die Herausforderungen für Velofahrer bekanntlich zahlreich, egal aus welcher Richtung man kommt und wohin man will.

Die Mobilitätsfachfrau der Stadt anerkennt das Problem und relativiert zugleich: «Der Bahnhofplatz ist nicht nur ein Velounfall-Hotspot, sondern auch ein Unfallschwerpunkt für alle Verkehrsarten. Dies ist dem zur Verfügung stehenden Platz in Kombination mit der Komplexität und der hohen Verkehrsbelastung geschuldet.» Auch hier beobachten wir innert Kürze gleich zwei heikle Situationen mit Velobeteiligung, die zum Glück ebenfalls unfallfrei ausgehen.

«Horrorkreisel» Bundesplatz

Eine Stelle, die auf unserer Tour auf keinen Fall fehlen darf, ist der Bundesplatz. Rund um den gesamten Kreisel verzeichnete das Astra in den letzten zehn Jahren rund 30 Unfälle. Als geübter Velofahrer hat man sich an diesem Kreisel zwangsweise gewisse Überlebensstrategien erarbeiten müssen. Immerhin haben die baulichen Massnahmen der Stadt zumindest gefühlt eine Verbesserung der Verkehrssicherheit mit sich gebracht.

Milena Scherer verweist zudem auf die geplante Route, auf der Velofahrerinnen den «Horroskreisel», wie der Bundesplatz bei zentralplus schon genannt wurde, in Zukunft umfahren sollen (zentralplus berichtete). Mit punktuellen Verbesserungen scheint hingegen nicht viel mehr möglich zu sein. «Für eine nachhaltige Sanierung des Unfallschwerpunkts wird eine grundlegende Neukonzeption und -gestaltung des Bundesplatzes notwendig sein», bestätigt Scherer.

Am Bundesplatz muss man sich als Velofahrerin mit deutlichen Armzeichen behaupten.

Zuletzt führt uns unsere Tour zu zwei Stellen, die weniger offensichtliches Unfallpotenzial für Velofahrer haben. Zunächst zur Kreuzung beim Steghof/Sternmattstrasse. Wieso hier viele Velounfälle passieren, erschliesst sich aus unserer Besichtigung nicht. Zwar müssen auch hier Autos den Velostreifen überqueren, um in die Sternmattstrasse abzubiegen. Zudem braust man von der steilen Sternmattstrasse her im vollen Schuss auf die Kreuzung zu, was gewiss auch nicht zur Sicherheit beiträgt.

Doch die Kreuzung ist übersichtlich und die Autos fahren relativ langsam. Da die Unfallstatistik aber nicht lügt, unternahm die Stadt Luzern im Jahr 2018 bauliche Verbesserungen, um die Verkehrssicherheit auf der Kreuzung zu erhöhen. «Die Wirkung auf das Unfallgeschehen muss noch detailliert geprüft werden», sagt Scherer dazu. Eine erste Sichtung zeige indes eine Reduktion der Unfallzahlen.

An der Obergrundstrasse sind Massnahmen nötig

Es verbleibt der Unfall-Hotspot vor dem Restaurant Eichhof, wo die Arsenal- und die Steinhofstrasse in die Obergrundstrasse einmünden. Wer in Kriens lebt oder arbeitet, kann sich vielleicht ausmalen, wieso hier überdurchschnittlich viele Velounfälle passieren. Jeden Morgen und Abend ziehen regelrechte Ströme von Velofahrern über diese Wege und die Verbindung Taubenhausstrasse – Freigleis von Luzern nach Kriens und umgekehrt.

Gerade von Kriens her kommend nutzen viele das sanfte Gefälle der Strasse aus, um in horrendem Tempo zur Arbeit oder nach Hause zu brausen. Von den E-Bike-Fahrern in ihrer Kampfmontur inklusive heruntergefahrenem Visier ganz zu schweigen.

An der Einmündung der Steinhof- in die Obergrundstrasse kommt es überdurchschnittlich oft zu Velounfällen.

Die Stadt Luzern ist sich der unsicheren Situation an dieser Stelle bewusst: «Bei der Einmündung der Arsenal- und der Steinhofstrasse in die Obergrundstrasse zeigt sich eine klare Häufung von Unfällen mit Veloverkehrsbeteiligung.», sagt Milena Scherer. Weil die Bedeutung des Freigleises und der Taubenhausstrasse als Velostrassen steige, wachse auch der Veloverkehr. Und: «Ohne Massnahmen ist von einer Steigerung der Unfallzahlen auszugehen.»

Wir hingegen kommen unfallfrei über die Passage und haben die gefährlichste Velotour der Stadt Luzern somit schadlos überstanden. Insgesamt beobachteten wir auf unserer Tour drei Fast-Velounfälle und waren bei einem vierten sogar selbst involviert.

Offensichtlich lügt die Statistik also nicht. Das soll aber niemanden davon abhalten, weiterhin mit dem Velo in der Stadt unterwegs zu sein. Milena Scherer rät: «Man soll als Velofahrer nichts erzwingen. Wenn man sich im Verkehr rücksichtsvoll verhält, ist schon sehr viel gewonnen.»

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5 Kommentare
  1. hegard, 29.09.2021, 05:34 Uhr

    Zugegeben vor 40-50 Jahren hatte es viel weniger Autos,Die Fussgänger und Velofahrer hatten wenig rechte, dazumal waren die Pw Fahrer noch rücksichtsloser.Heutzu Tage latschen viele Fussgänger einfach in die Strasse,weil sie sich im recht Fühlen.Bei den rücksichtslosen Pw und Velofahrer gleichts sich in etwa auf.das ist Charakter Sache.Aber es wäre schon von Vorteil,wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen und mitdenken würden.Übrigens waren vor 40 J noch viele Tramschienen offen die auch velounfälle verursachten.
    Nicht nur zB Schweizerhof-Bahnhof wurde viel für die Fahrradfahrer getan,auch allgemein in der Stadt.Aber eben ,die Linken möchten lieber eine ÖV/ Velostadt,als eine Autostsadt.

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    1. Sandra Bucher, 29.09.2021, 09:32 Uhr

      Genau meine Meinung! Und auf dem Bild ist erkennbar, dass die velofahrende Person nicht korrekt in der Mitte eingespurt hat vor dem hineinfahren in den Kreisel!
      Wer sich an Verkehrsregeln hält lebt länger und mit weniger Ärger!

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      1. Velo Fahrer, 29.09.2021, 10:37 Uhr

        Häh? Die Vofahrerin soll daran schuld sein, dass der Töffahrer beim Kreisel zu überholen versucht?

        Ja, es ist besser mittig einzuspuren – aber wer überholt
        muss auch das Gehirn einschalten – und in diesem Fall ist der überholende schuld.

        Und auch wenn ich als Velofahrer mittig einspure hat es immer noch Autos und Töffs die mich zu überholen versuchen (u.o. Hupen).

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  2. Karl Sebastian Hensen Baettig, 28.09.2021, 18:20 Uhr

    Wer muss heutzutage noch in den Europa-Park, wenn man stattdessen mit dem Velo im Bundesplatzkreisel fahren kann? Da hat die ÖV-Planung der Stadt Luzern wieder tolle Arbeit geleistet :/

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    1. Milena Graf, 29.09.2021, 09:35 Uhr

      Ich hab echt Mal nachgefragt bei der Stadt. Von einem Polizisten kam die Antwort, dass Radfahrer dann halt absteigen sollen und wie Fussgänger gehen sollen.. nach dem Motto, wir haben schon alles probiert, jetzt soll jede/r selbst schauen!

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