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Das ist der neue Südpol-Vorstand
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Der neue Vorstand des Südpol: Marc Schwegler, Nina Laky, Selina Beghetto, Samuel Konrad, Thomas Duss und Patrick Zumbühl (v. l.). (Bild: jav)

Schwermütiger Aufbruch im Luzerner Kulturhaus Das ist der neue Südpol-Vorstand

4 min Lesezeit 29.08.2018, 21:51 Uhr

Sie sollen’s richten: Sechs neue Vorstandsmitglieder um den Veranstalter Marc Schwegler übernehmen im Südpol das Ruder. Der Übergang der Ämter ging am Mittwochabend ziemlich schnell vonstatten. Doch nun kommt der grosse Brocken Arbeit.

Südpol, 19.00, Aussentemperatur 22 Grad, die gefühlte Innentemperatur schwankt zwischen 15 und 30 Grad. Die Stimmung ist gedrückt und angespannt.

Es ist Mittwochabend und an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung im Kulturhaus Südpol wird ein neuer Vorstand gewählt. Die Versammlung findet im Keller statt. Über den Köpfen gedämpft elektronischer Sound. 65 Mitglieder des Vereins sind anwesend.

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Nach der offiziellen Begrüssung, der Wahl des Stimmenzählers und Tagespräsidenten Olivier Dolder, tritt der aktuelle Vorstand nun definitiv und endgültig zurück.

Es muss gespart werden

Doch bevor der neue Vorstand gewählt werden kann, muss der aktuelle Vorstand durch den Verein entlastet und der Halbjahresabschluss präsentiert werden.

Die Präsentation des Halbjahresabschlusses der Leitung, Patrick Müller und Dominique Münch, ist kurz gehalten. Man merkt den Beiden an, wie sehr sie mit der aktuellen Situation zu kämpfen haben, die Stimmung wird immer gedrückter. Sparen ist Thema, denn 60’000 Franken fehlen. Man werde mit der Werbung runterfahren, die Praktikantenstelle und die beiden Leitungspositionen bleiben erst mal vakant.

Die Frage eines Vereinsmitglieds, «Wie kommt das?», versuchen die Beiden zu beantworten. Der Markt werde härter, die Bands wollten in Zürich spielen und nicht in Luzern. Mit den Erklärungen tauchen mehr Fragen auf, als beantwortet werden.

Hohe Erwartungen an den neuen Vorstand

Die Luzerner Tänzerin und Choreografin Irina Lorez übernimmt nun das Mikrofon. Sie stellt im Namen der Findungsgruppe den neuen Vorstand vor.

«Es gibt keinen neuen Südpol, aber vielleicht eine neue Geschichte.»
Irina Lorez

Viel sei geschrieben und geredet worden, beginnt sie. «Wir wollen das nicht mehr aufwärmen, sondern uns auf die Zukunft konzentrieren.» Man wolle den Südpol unter einer offenen, engagierten und vernetzten Leitung sehen. Als Ort einer breiten und lebendigen Kulturszene.

Dafür seien konstruktive und lösungsorientierte Personen gesucht worden, die breit abgestützt die aktuell hohen Anforderungen erfüllen könnten. Und sie sei überzeugt, diese Leute seien nun gefunden.

Die neuen Sechs

Als Präsident stellt sie Marc Schwegler vor. Der Mitherausgeber des Magazins «Zweikommasieben» und freischaffende Veranstalter kenne das Haus bereits aus der Zeit unter Philippe Bischof gut.

Als Vizepräsidentin wird Selina Beghetto vorgeschlagen. Die Dramaturgin und Produktionsleiterin wird als Sprachrohr der Tanz- und Theaterszene für den Vorstand fungieren.

Zur Situation im Südpol

Nach rückläufigen Besucherzahlen und der Kündigung des künstlerischen Leiters Patrick Müller zeigten sich im Frühling einige Baustellen im Südpol (zentralplus berichtete).

Im Juni kam es dann zum Eklat: Der komplette Vorstand trat zurück. «Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit» zwischen Vorstand, Leitung und Mitarbeitern sei nicht mehr gegeben, hiess es (zentralplus berichtete). Es kamen kritische Voten aus der Freien Szene (zentralplus berichtete), zugleich erhielt das Team auch viel Rückendeckung.

Hinter den Kulissen wurde derweilen mobilisiert, um möglichst bald einen neuen Vorstand stellen zu können, der das Haus in die Zukunft führt und im September mit der Stadt den neuen Subventionsvertrag aushandelt.

Am 5. Juli, bei der ausserordentlichen Mitgliederversammlung unter sehr angespannter Stimmung, wurde der Rücktritt des Vorstands vertagt. Die knappe Zeit hatte nicht gereicht, um einen Übergangsvorstand zu formieren. Zudem überraschte der Vorstand mit einer weiteren Bombe: Der betriebliche Leiter Dominique Münch hat auf Ende Jahr ebenfalls seinen Rücktritt eingereicht (zentralplus berichtete).

Als weitere Vorstandsmitglieder stellen sich Nina Laky (Redaktionsleiterin, Projektkoordinatorin und freischaffende Journalistin), Samuel Konrad (Journalist und ausscheidender Redaktionsleiter des Radio 3fach) und Thomas Duss (selbständiger Unternehmer und engagiertes Mitglied der IKU Boa). Dazu kommt Patrick Zumbühl, Steinbildhauer, ein Künstler, der über die Spartengrenze hinaus denke und lebe, so Irina Lorez.

Sie dankt den Sechsen für ihre Bereitschaft und den Mut, die grosse Arbeit, die auf sie zukomme, nicht zu scheuen. «Es gibt keinen neuen Südpol, aber vielleicht eine neue Geschichte», so Lorez. Der Verein wählt den Vorstand als Ganzes einstimmig.

Dank und Kritik

Unter «Varia» wird der ehemalige Vorstand von Seiten des Vereins, aber auch von Rosie Bitterli, Chefin Kultur und Sport, im Namen der Stadt verdankt. Und Marc Schwegler, der neue Präsident, informiert noch kurz über den Prozess der kommenden Monate.

Das Kernanliegen sei nun, dafür zu sorgen, dass das Haus und der Betrieb breiten Rückhalt gewinnen. Dazu müsse transparent gearbeitet werden. Bis Ende Oktober werde das neue Betriebskonzept erarbeitet und dann dem Verein vorgelegt. Anschliessend werde mit den Subventionsverhandlungen gestartet und auf Grundlage des Konzepts die neue Leitung ausgeschrieben.

Diskussionsbedarf für die Zukunft

Im Mai werde dann voraussichtlich die neue Leitung mit der Arbeit beginnen. Die Frage aus dem Plenum, ob bis dahin ein Plan für die künstlerische Leitung besteht, kann vom neuen Vorstand zu diesem Zeitpunkt nur mit einem Nein beantwortet werden. Auch Patrick Müller, der aktuelle künstlerische Leiter, kann dazu nicht mehr sagen. Die Pläne, den Posten mit der aktuellen Dramaturgin zu besetzen, seien fehlgeschlagen.

Doch Patrick Müller nutzt den Moment am Ende der Versammlung ebenfalls, um sich zu bedanken. Für die Unterstützung des Teams in dieser harten letzten Zeit, in welcher der Südpol und die Leitung vieles hätten über sich ergehen lassen müssen. Seine emotionale Wortmeldung hallt nach.

Und obwohl daraufhin noch eine Diskussion darüber entbrennen will, ob im kommenden Frühjahr der Verein oder der Vorstand die neue künstlerische und betriebliche Leitung wählen soll, bleiben Müllers Worte und die gedrückte Stimmung des zurückgetretenen Vorstands noch etwas hängen. Erst beim Apéro im Regen wird der Druck abgeschüttelt und auf die Zukunft angestossen. Eine arbeitsreiche nahe Zukunft für die neuen sechs Vorstandsmitglieder.

Übrigens: Am 14. September startet die neue Saison wiederum mit einem Festival – es ist das Jubiläumsjahr zum zehnjährigen Bestehen des Hauses.

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