Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Das Hotel Palace enthüllt ein 80-Meter-Kunstwerk
  • Kultur
  • Hotellerie
Vor dem neuen Panoramabild: Peter Durrer, Direktor Hotel Palace (links), Monika Sigrist und Gàbor Fekete, «Kunstmetzgerei». (Bild: jwy)

Riesenfotos zieren Baustelle am Luzerner Quai Das Hotel Palace enthüllt ein 80-Meter-Kunstwerk

3 min Lesezeit 19.10.2018, 12:32 Uhr

Das Hotel Palace ist zwar derzeit geschlossen, aber trotzdem um eine Attraktion reicher: Zur Seeseite hin beglückt seit Freitag ein 80 Meter langes Panoramabild die Spaziergänger. Das Künstlerpaar Gàbor Fekete und Monika Sigrist hat die Collage umgesetzt – und dabei auch den chinesischen Investor nicht vergessen.

Statt grau und öde können Baustellen auch schick, reizvoll und bunt sein. Das haben das Himmelrich und jüngst die Zentral- und Hochschulbibliothek vorgemacht. Kunstwerke peppen dort die öden Baustellenwände auf und ziehen viel Publikum an.

Auf diesen Zug springt auch das Hotel Palace auf, das seit diesem Sommer renoviert wird. Jetzt beginnen die intensiven Arbeiten. Darum braucht’s eine Baustellenwand und diese will man nutzen. «Zuerst dachten wir an Werbung für unsere Hotels», sagt Peter Durrer, Direktor des Palace. Zur Kooperation gehören auch die Frutt-Lodge und das Palace Engelberg.

Aber eine Baustellenwand vollgepackt mit Logos – das fand er schliesslich zu plump. Also kam die Idee einer künstlerischen Gestaltung. «Wir sind schliesslich Teil eines kulturellen Ortes», sagt der Hoteldirektor. Das werde in Zukunft noch wichtiger werden.

Inspiriert wurde das Künstler-Duo von chinesischen Landschaftsmalereien.

Inspiriert wurde das Künstlerduo von chinesischen Landschaftsmalereien.

(Bild: jwy)

Zusammen mit der Kulturabteilung der Stadt Luzern ist das Palace beim Künstlerpaar Gàbor Fekete und Monika Sigrist gelandet. Er ist seit 1983 freischaffender Illustrator, Fotograf und Dozent an der «Kunsti», sie freischaffende Fotokünstlerin. Zusammen betreiben sie das Atelier «Kunstmetzgerei».

Hoteldirektor Peter Durrer steht an diesem nebligen Herbstmorgen mit den Künstlern am Quai und betrachtet das 80 Meter lange Bild – das «5-Sterne-Panorama», wie sie es nennen. Die grossformatige Collage vereint Fotomotive aus Luzern, von der Melchsee-Frutt und Engelberg. Gipfel, Bergseen, Kühe, Touristen, die Seebadi. «Das ist total gut herausgekommen», sagt Durrer zufrieden.

«Das Auge setzt das Bild zusammen.»

Gàbor Fekete, Künstler

80 Meter sind zwar beeindruckend, aber das längste Panoramabild in Luzern ist es dennoch nicht: Mit 112 Metern ist das Rundbild im Bourbaki-Panorama noch immer unerreicht.

Spiel mit den Perspektiven

Die Vorgabe des Hotels war, dass die drei Landschaften einbezogen werden, sonst liessen sie dem Künstlerduo freie Hand. Über drei Monate hinweg haben Fekete und Sigrist am Riesenbild gearbeitet. «Das war eine einmalige Herausforderung», sagt Sigrist. Man kann vor der Wand stehen und sich in Details verlieren. Oder daran vorbeigehen und das Ganze wird szenisch. «Es hat eine filmische Komponente, die Orte verbinden sich», sagt sie. Nun sind die beiden gespannt, wie Spaziergänger auf das Werk, das ein Jahr lang stehen bleibt, reagieren werden.

Das Panoramawerk spielt mit Kombinationen und Perspektiven, setzt bewusst Irritationen und Brüche. Seen, die nicht zusammengehören, fliessen ineinander. Ein kleiner Erdwall wird zur Konkurrenz der mächtigen Berggipfel. «Das Auge setzt im Bild zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört», erklärt Fekete. Inspiriert wurden die beiden von den chinesischen Rollenbildern und den traditionellen Landschaftsmalereien, genannt Shan Shui (Berge und Wasser). Dies ist eine Hommage an den chinesischen Palace-Besitzer Yunfeng Gao, der 100 Millionen Franken ins Hotel investiert.

Die Riesen-Fotos beim Palace fügen sich gut in die herbstliche Szenerie am Quai.

Die Riesenfotos beim Palace fügen sich gut in die herbstliche Szenerie am Quai.

(Bild: jwy)

Fotos sehen aus wie gemalt

Die beiden Künstler waren an den drei Orten mit der Kamera unterwegs, hatten Glück mit perfekten Wetterbedingungen auf der Frutt, aber auch Pech, als in Engelberg das Fotomaterial gestohlen wurde.

Die Fotos wurden anschliessend direkt auf die robusten Spanplatten geplottet. Die grobe Struktur des verleimten Holzes ist gut zu sehen, dadurch erhalten die Fotos einen malerischen Charakter wie bei einem Gemälde.

Fekete und Sigrist haben ihr Atelier ganz in der Nähe, so hatten sie einen direkten Bezug. Und was Gàbor Fekete besonders freut: Er hat vor 40 Jahren, damals noch als Pressefotograf, auf dem Balkon des Palace den grossen Pianisten Artur Rubinstein fotografiert. «Darum war es besonders schön, für diese Arbeit hierher zurückzukommen», sagt er. Und so würde er am liebsten das Porträt von damals ebenfalls in Grossformat ans Hotel hängen. Eine Idee, die zurzeit noch diskutiert wird.

Mehr Bilder in der Galerie:

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare