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Das Getöse war nicht vergebens

2 min Lesezeit 21.12.2015, 11:20 Uhr

Das Podium 41 hat seine Gegner Schachmatt gesetzt, hat der Kritik der letzten Monate standgehalten und geht am Abstimmungssonntag als Sieger aus der Runde. Ohne jegliche Blessuren. Man fragt sich: War das ganze Theater denn nötig? Durchaus. Nötig und auch gut.

Da gibt es nichts zu verleugnen. Nichts schönzureden. Nichts abzustreiten: Zug will ein Podium 41. Zug will einen Platz für Menschen, die sich in einer etwas anderen Welt bewegen. Vielleicht in einer, in der Drogen eine wichtigere Rolle spielen als Instagram-Updates. Vielleicht in einer, in welcher der Tag um 12 Uhr mit einem Anker-Bier beginnt. Vielleicht aber auch in einer, die gar nicht so weit entfernt ist von jener von Otto Normalverbraucher und Max Muster.

Das Podium 41 erhält also Rückendeckung. Überwältigende 70.5 Prozent. Was sagt das über die Stadtzuger aus? Hinter diesem Sieg verbirgt sich viel Vertrauen. Vertrauen in die Stadtregierung, welche mit dem Podium 41 erfolgreich einen Ort schafft, wo sein darf, wer sich abseits des produktiven 8-bis-5-Arbeitslebens befindet. Man spricht von Leuten, «die es weniger gut haben im Leben.»

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Zug stellt seine «Randständigen» eben nicht an den Rand. Lässt sie mitten drin sein, zwischen gehobenem Restaurant, teuren Wohnungen, Seepromenade und Skatepark. Dort, wo alle Zugang haben.

Das nimmt dem Lokal Spannung weg und verhindert Stigmatisierung. Mit der Lage des Podiums hat der Gründer Marco Kunz vor 25 Jahren einen verwegenen Schachzug gewagt. Einen Schachzug, der die Gegner, wie sich am Sonntag erbarmungslos zeigte, noch heute Schachmatt setzt.

Das Getöse, das die Gegner ausgelöst haben, ist dennoch nicht vergebens. Es ist wichtig, dass hinterfragt und diskutiert wird. Auch wenn das unbequem ist, zeit- und schlussendlich auch geldaufwändig wird. Nur hat das Gegnerkomitee, bestehend aus der SVP-Fraktion und einzelnen FDP-Politikern, gleich von Beginn an zu dick aufgetragen und mit wüsten Horrorszenarien aufgewartet.

Von «offener Drogenszene» und «massiver Gewalt» war da die Rede. Äusserungen, die jedem, der je einmal im Podium 41 zu Gast war, im besten Fall ein Schmunzeln entlockten.

Dass man sich mit den massiven Übertreibungen selbst den Wind aus den Segeln nahm, hat die SVP wohl selber realisiert. Aus dem Slogan «NEIN zur offenen Drogenszene im Podium 41» wurde «Nein zu 4 Jahren und 1,3 Millionen ohne Auflagen». Eigentlich kein schlechter Move, ist doch das unnötige Geldverschwenden derzeit für die Zuger das Schreckgespenst schlechthin.

Böse sein dürfen wir der SVP und den paar FDP-Köpfen nicht. Es braucht sie, die unangenehmen Zeitgenossen, die aufmüpfigen, welche (fast) alles hinterfragen. Und das immer und immer wieder. Wir sind schliesslich offen. Und in einer offenen Gesellschaft finden alle Platz. Ob im Podium 41 oder im Parlament.

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