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Das gescheiterte Comeback der Luzerner Metro-Idee
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Zwei Parkhäuser im Gebiet Ibach/Reussegg sollen das Eingangstor zur Metro – und damit zum Stadtzentrum sein. (Visualisierung: zvg)

Günliberale geben bei Grossprojekt nicht auf Das gescheiterte Comeback der Luzerner Metro-Idee

6 min Lesezeit 2 Kommentare 03.11.2017, 17:44 Uhr

Unterirdisch innert Minuten von Ibach zum Schwanenplatz: Das verspricht die Metro. Lange war es ruhig um diese Idee. Nach dem Absturz des Musegg-Parkings hofft die GLP nun auf ein Revival. Doch der Luzerner Stadtrat lässt das Projekt erneut abblitzen. Einer gibt die Hoffnung aber nicht auf.

Totgesagte leben länger – oder doch nicht? Geht es nach den Grünliberalen, wird die Idee einer Metro vom Schwanenplatz nach Ibach wieder zum Leben erweckt. Zum einen taucht sie als Element im kürzlich publik gewordenen Verkehrskonzept der Kantonalpartei auf, zum anderen hievte die Fraktion im Stadtparlament die U-Bahn kürzlich wieder aufs politische Tapet. Aber das Comeback dürfte wohl von kurzer Dauer sein.

Zuerst ein Blick zurück: Private Initianten zauberten das Projekt vor rund vier Jahren aus dem Hut. Ein Parkhaus für rund 160 Cars und 2’000 bis 2’500 Autos im Gebiet Ibach/Reussegg sollte dafür sorgen, dass Touristen am Stadtrand auf die Metro umsteigen und die Innenstadt vom Verkehr befreit wird. Die Kosten wurden auf rund 400 Millionen Franken geschätzt.

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Doch bereits 2014 bugsierte die Stadt die von Privaten erarbeitete Metro-Idee aufs Abstellgleis. Damals entschied sich der Stadtrat für das Parking Musegg als überzeugendere Variante. Doch diesem Projekt erging es bekanntlich auch nicht besser (siehe Box).

Hoffen auf das Revival

Nach dem vorläufigen Aus für das Musegg-Parking hofft die GLP nun auf das Revival der Metro. «Der Stadtrat hat in seinem Entscheid 2014 die Risiken zu hoch gewichtet, die Chancen hingegen zu wenig beachtet», sagt Fraktionspräsident Jules Gut.

«Am Stammtisch spricht sich jeder Zweite für die Metro aus.»

Jules Gut, GLP-Fraktionschef

Damit wähnt er sich nicht allein, denn auf der Strasse höre er viele positive Stimmen. «Am Stammtisch spricht sich jeder Zweite für die Metro aus. Für die meisten ist das die überzeugendste Lösung», sagt Gut.

Auch Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) vernimmt solche Stimmen – «öfters mal und in verschiedenen Kreisen», wie er sagt. Das habe mit dem Reiz der Metro als vermeintlich einfache Lösung zu tun, glaubt er. «Die Metro-Idee hat auf den ersten Blick etwas Verlockendes, weil es scheint, als könnte man das Carproblem am Stadtrand lösen. Doch als Gesamtprojekt ist das trügerisch.»

Umstrittene Frage der Parkplätze

Der Stadtrat räumt zwar in einzelnen Punkten ein, dass eine Metro Positives bewirken kann. Insgesamt bleibt er aber bei seinem Fazit: «Das Projekt ist nicht zweckmässig, enthält zu hohe Risiken und ist zu teuer», bringt es Verkehrsdirektor Adrian Borgula auf den Punkt. Nebst den bereits erwähnten Nachteilen ist Borgula auch überzeugt, dass die Metro betriebswirtschaftlich nicht funktionieren würde. Denn für viele sei es während der meisten Zeit des Tages attraktiver, direkt in die Stadt zu fahren, solange dort nicht massenweise Parkplätze aufgehoben werden. «Und das wäre politisch sehr happig.»

«Teilweise hat der Stadtrat Recht», sagt Jules Gut. «Aber es gibt doch einige Fragezeichen, was seine Einschätzung betrifft.» Ob Parkplätze kompensiert werden müssten, ist laut GLP zum Beispiel fraglich. Denn das geplante Parkhaus läge auf dem Gemeindegebiet von Ebikon – ob das entsprechende städtische Reglement dort gilt, ist laut GLP nicht klar. «Wegen der Mall of Switzerland werden ja auch keine Parkplätze in der Luzerner Neustadt aufgehoben.»

Die Metro soll, so die Idee der Initianten, Ibach mit dem Schwanenplatz verbinden und allenfalls beim Kantonsspital halten.

Die Metro soll, so die Idee der Initianten, Ibach mit dem Schwanenplatz verbinden und allenfalls beim Kantonsspital halten.

(Bild: zvg)

Was die Kosten betrifft, ist Jules Gut überzeugt, dass sich im heutigen Tiefzinsumfeld Investoren finden würden. «Klar ist es eine visionäre Idee, aber in Lausanne und am Zürcher Flughafen hat es auch eine Metro – so unrealistisch kann das also nicht sein.» Eine Metro könnte auch eine Chance sein, um den «vergessenen Stadtteil» besser zu nutzen, zum Beispiel mit einem Business-Center in Ibach, so Gut.

Letzte Chance für das Parkhaus Musegg

Ende 2016 sagte die Öko-Allianz im Stadtparlament bekanntlich Stopp zu den Planungen für die Garage im Musegg-Hügel. Voraussichtlich im Herbst 2018 könnte die Stimmbevölkerung dem Musegg-Parking neuen Schub verleihen, dann stimmen die Stadtluzerner über die Initiative «Aufwertung der Innenstadt» ab. Das von den bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbänden lancierte Begehren verlangt, dass die Debatte zum Parkhaus Musegg wieder aufgenommen wird. Inzwischen sagt aber auch die Stadtregierung deutlich, dass das Musegg-Parking keine zukunftsfähige Lösung sei (zentralplus berichtete). Das Parlament hat die Initiative kürzlich ebenfalls deutlich abgelehnt. Der Stadtrat hat angekündigt, für die Carproblematik nochmals über die Bücher zu gehen.

Nicht zuletzt weist die GLP darauf hin, dass in Ibach ein Busterminal entstehen könnte und das Kantonsspital besser erschlossen würde.

Zwar baut das Kantonsspital LUKS zurzeit bekanntlich ein eigenes Parkhaus. Dennoch stösst das Metro-Projekt nach wie vor auf Anklang, sagt Marco Stücheli, Leiter Unternehmenskommunikation beim LUKS. Man beurteile es «als einen kreativen und interessanten Lösungsansatz für die Zukunft», sei kurz- und mittelfristig aber auf die Umsetzung eigener Massnahmen angewiesen.

Initiant hegt noch immer Hoffnung – und teilt aus

Zuletzt ist es indes sehr ruhig geworden um die Metro. Nicht nur politisch, auch vonseiten der Initianten. Die letzten Schlagzeilen machte das Projekt vor knapp zwei Jahren, als das Konkursverfahren über die Metro Luzern Holding AG eröffnet wurde. Sie sollte das Projekt finanziell zum Fliegen bringen. «Das war natürlich ein medialer Negativpunkt, hat aber mit dem Projekt selber nichts zu tun», versichert Marcel Sigrist, einer der Initianten.

«In der Politik verschliessen ausser der GLP von links bis rechts alle einfach die Augen.»

Marcel Sigrist, Initiant der Metro-Idee

Er glaubt nach wie vor an das Potenzial der Metro, auch die Suche nach einem Investor sei kein Problem. Er nimmt entsprechend kein Blatt vor den Mund, wenn es um den politischen Stillstand geht. «In der Politik verschliessen ausser der GLP von links bis rechts alle einfach die Augen.» Die Hoffnung gibt er deswegen aber nicht auf. «Sicher nicht», sagt Sigrist selbstbewusst. «Es gibt ja keine andere Lösung.»

Direkt am Schwanenplatz wäre der Ausgang der Metro, so die Idee. (Visualisierung: zvg)

Direkt am Schwanenplatz wäre der Ausgang der Metro, so die Idee. (Visualisierung: zvg)

Doch mit breiter politischer Unterstützung dürfte Sigrist vergebens rechnen. Die Bürgerlichen hoffen nach wie vor auf das Musegg-Parking und zeigten auch Offenheit für das kürzlich präsentierte Parking unter dem Schweizerhofquai (zentralplus berichtete). Und auf linker Seite war noch nie viel Euphorie für die beiden Grossprojekte zu spüren.

«Eine isolierte Metro von Ibach ins Stadtzentrum ist für uns keine Option», sagt Christian Hochstrasser, Grossstadtrat der Grünen. «Das würde nur Sinn machen, wenn sie in ein ÖV-System integriert wäre.» Hochstrasser hat sich gemeinsam mit SP und GLP genau für eine solche Vision eingesetzt (siehe Box am Textende).

Ähnlich klingt es bei der SP. «Wir sind generell skeptisch gegenüber solchen Monster-Infrastrukturprojekten», sagt Parteipräsident Claudio Soldati. Daran habe auch das vorläufige Aus des Musegg-Parkings nichts geändert. Er plädiert – genau wie Hochstrasser – für einen neuen Weg mit kleinen, aber schnell machbaren Schritten. «Aber zuerst muss klar werden, welche konkreten Ziele man überhaupt erreichen will, bisher fehlt eine sorgfältige Problemanalyse», sagt Hochstrasser. Eine Einsicht, die kürzlich auch im Stadtparlament die Runde machte (zentralplus berichtete).

Im öffentlichen Verkehr sind keine Revolutionen zu erwarten

Nicht nur die angedachte Metro zum Parkhaus Reussegg geniesst kaum Unterstützung. Auch in anderen Stadtteilen wird in Zukunft kaum je eine Metro verkehren. Denn der Luzerner Stadtrat will auf der bisherigen Schiene weiterfahren – und lehnt ein Postulat ab, das im öffentlichen Verkehr auf neue Ideen setzen wollte. 

SP, Grüne und Grünliberale forderten ein effizientes System mit einem eigenen Trassee wie beispielsweise eine Metro. Diese sollte das Stadtzentrum beispielsweise mit Kriens, Littau, Emmen, dem Kantonsspital, Würzenbach oder Schönbühl verknüpfen. 

Für den Stadtrat sind das aber zu hehre Träume. Ein neues Verkehrsnetz könne sich zurzeit weder die Stadt noch der Kanton leisten, schreibt er in seiner Antwort. Laut Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne) ginge ein U-Bahn-Netz, das auch Emmen und Kriens erschliessen würde, kostenmässig schnell in die Milliarden. Für ihn nicht zweckmässige und zu hohe Ausgaben. «Wir haben ein gutes Busnetz und ein S-Bahn-Netz, welche beide viele Bedürfnisse abdecken», sagt Borgula. «Jetzt noch eine zusätzliche Ebene dazwischenzuspannen und beispielsweise ein Metronetz zu bauen, finden wir nicht verhältnismässig.»

Doch das Geld ist nicht der einzige Grund für die konservative Haltung der Stadtregierung. Er verweist auch auf die rasanten Veränderungen im Bereich der Mobilität. So werde immer wieder betont, dass sich bald sehr vieles ändern und die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Verkehr verwischt werden könnten – Stichwort: Sharing-Economy und selbstfahrende Autos. Mit dem Durchgangsbahnhof hofft der Stadtrat ausserdem auf einen «Quantensprung», der auch für die S-Bahn von Bedeutung ist.

«Um die Verkehrsprobleme im Zentrum zu lösen, sind Busse zu langsam und zu wenig attraktiv», entgegnet GLP-Fraktionschef Jules Gut. «Aber der Stadtrat ist leider etwas gar mutlos.»

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2 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 04.11.2017, 15:00 Uhr

    mutlos, konservativ. Was hat der Stadtrat als Alternative zur Lösung der Park- und Stauprobleme mitverursacht durch Cars und platzfressende Busse vorzuschlagen ? Warten auf den Durchgangs-
    Bahnhof, der frühestens in 25 Jahren erstellt ist ?

  2. Hansjörg Kaufmann, 04.11.2017, 12:42 Uhr

    Die Verkehrsprobleme der Agglomeration Luzern sind einer Sackgasse festgefahren. Es braucht ein Befreiungsschlag. Weg vom Tiefbahnhof zu einem Bahnhof Luzern Nord mit einer Schnellverbindung zum Bahnhof am See. Auch mit dem Projekt Parkhaus Musegg wird ein Teilproblem angegangen, das die generellen Verkehrsprobleme nicht löst, gar verschärft.
    Das Projekt Musegg belastet die Quartiere vorwiegend auch im historischen Stadt- und engen Wohnbereich. Das Massen-Tourismus-Problem in der Innenstadt wird so nicht gelöst.
    Die Musegg-Mauer, ein Denkmal von nationaler Bedeutung, ist besonders gefährdet. Das finanzielle Risiko für den Steuerzahler ist sehr gross. Erstellen der Erschliessung, Ausfall von Gebühren wegen Parkplatzkompensation sowie Aufwand für Unterhalt und Defizitdeckung usw..
    Lösungen sind mit grossen Denkprozessen möglich. Stadt und Kanton müssen endlich gemeinsam grossräumig zukunftsgerichtete Mobilitäts- und Verkehrskonzepte entwickeln. z.B. Park and Ride für die Agglomeration.