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Das Funk am See hat sich schön-geschrumpft
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Mit Stinkefinger: Die Möped Lads rockten das Funk am See.   (Bild: lwo)

Menschenauflauf auf der Luzerner Lidowiese Das Funk am See hat sich schön-geschrumpft

4 min Lesezeit 19.08.2018, 11:10 Uhr

Geht doch: Das Funk am See hat dieses Jahr einiges anders – und vieles richtig – gemacht. Das Publikum ist zahlreich erschienen, das Programm war breit und überzeugend.

Das diesjährige Funk am See – bereits die zwölfte Ausgabe des Gratis-Open-Airs – war eine Bewährungsprobe. Nachdem die letzte Ausgabe vor zwei Jahren floppte, hat man das Konzept notgedrungen umgekrempelt (zentralplus berichtete).

Wer auf das Gelände schritt, bemerkte die Neuerungen sofort: Das Festival war kleiner, ums Gelände hatte es keine Gitterzäune mehr und dekorativ hat man die Ansprüche nach oben geschraubt. Man kann es vorwegnehmen: Es hat prima funktioniert und das Publikum ist am Samstag je später, desto zahlreicher erschienen.

Schon am Nachmittag tummelten sich etliche Besucher auf der Lidowiese am See, viele mit Kindern, es gab Workshops, eine Tombola, ein DJ-Orchester der Luzerner Kulturhäuser und auch das Wetter spielte diesmal mit. Das Ganze wirkte einladender, übersichtlicher und die vielen bunten Dekorationen luden zum Schlenderspaziergang über die Wiese. Da hat das Team der Wiese vor dem Verkehrshaus etwas B-Sides-Feeling eingehaucht.

Bereits am Nachmittag war das Gelände bevölkert.

Bereits am Nachmittag war das Gelände bevölkert.

(Bild: jwy)

Ein Zirkuszelt statt Riesenbühne

Statt einer grossen Hauptbühne gab es zwei kleinere Bühnen – eine Holzkonstruktion und ein Zirkuszelt. Es eröffnete am frühen Abend Stereo Luchs. Der Zürcher Dancehall-Künstler liess diesen Sommer kaum eine Festivalbühne aus und es war ein kluger Schachzug, mit ihm den Samstag zu starten. Eine ahnsehnliche Menschenmenge versammelte sich bei strahlender Sonne vor der Bühne, und der Sänger liess keine Gelegenheit aus, das Publikum anzupeitschen. Nur schade, ist er nicht mit der famosen Band The Scrucialists aufgetreten wie an anderen Festivals, sondern mit einem DJ im Rücken. So wollte der Funke nicht so richtig zünden.

Im Zelt machten sich nach ihm Alois parat, die Luzerner Band, die mit ihrem Debüt «Mints» das Indie-Album des Jahres 2017 veröffentlichte (zentralplus berichtete). Die Band um Sänger Martin Schenker ist inzwischen eine prima eingeübte Truppe, sie spielten sich mit traumwandlerischer Sicherheit und viel Spielfreude durch ihr luftig-leichtes Set aus jazzigen, poppigen und elektronischen Tönen.

Mit Autotune und Charme

Mavi Phoenix aus Österreich sorgte für einen ersten Höhepunkt des Abends. Man hätte der Sängerin einen Platz später am Abend gegönnt, denn das Publikum wollte nicht so richtig einsteigen in ihre Tracks mit ordentlich Schmiss. Mit reichlich Autotune in der Stimme und angetrieben von einem famosen DJ rappte sie sich durch ihre Songs. Ist das jetzt noch Hip-Hop oder schon Pop?

Auftritt der Österreicherin Mavi Phoenix bei schönster Stimmung.

Auftritt der Österreicherin Mavi Phoenix bei schönster Stimmung.

(Bild: jwy)

Marlene Nader aus Linz, wie die Frau heisst, liess sich durch das zögerliche Publikum kaum verunsichern. Sie war gut gelaunt, punktete mit viel Charme und netten Geschichten und legte einen absolut überzeugenden Auftritt hin. Beeindruckt vom weissen Gütsch-Schloss ob Luzern, leitete sie in ihren Hit «Janet Jackson» über – oder sie erzählte von der verflossenen Liebe, die wie ein Tattoo lebenslänglich haften bleibt. Grosse Klasse.

Mut zur Grösse

Die Sonne neigte sich dem Horizont zu, und die Zeltbühne war für Klangstof aus Amsterdam parat. Und das, was die vier jungen Herren boten, erforderte anfangs etwas Geduld. Man musste sich einlassen auf ihre sich langsam aufbauenden Songs. Doch wie sie ihre epischen Hymnen über das Set hinweg immer mehr steigerten, wie sie abrupt mit den Erwartungen brachen und dabei schelmisch grinsten, es war ein Genuss. So zauberte die bestens gelaunte Band das erste Mal richtig gute Stimmung ans Funk am See. Klangstof holten das Publikum mit Mut zur Grösse, mit unkonventionellen Songstrukturen und einer guten Portion Spielfreude ab.

Ein Höhepunkt des diesjährigen Funk am See: Klangstof aus Amsterdam.

Ein Höhepunkt des diesjährigen Funk am See: Klangstof aus Amsterdam.

(Bild: jwy)

Was für den Rest des Abends folgte, war ein Abbild von Radio 3fach, welches das Festival mit all den freiwilligen Helfern auf die Beine stellt. Punkrock alter Schule, Hip-Hop mitten in den Nerv der Jugend und eine ungewöhnliche Party. Grösser könnte der Kontrast kaum sein.

Klare Messages zum Schluss

2018 ist auch das Jahr, in dem das erste Jugendradio Europas 20 Jahre alt wird, und da spielten als Headliner kurz vor 22 Uhr die Sedel-Urgesteine Möped Lads auf. 26 Jahre hat die Band auf dem Buckel, und Sänger Martin Gössi führte gewohnt hart, witzig und spritzig durch die brachialen Nummern wie «Alles Doble». Was die Möped Lads für die Kick-Ass-Rock-Fraktion, waren danach die Berner Hip-Hopper S.O.S. für die junge Generation: An einen Platz im Zelt war um 23 Uhr kaum mehr zu denken, die Hände waren oben, die Menge hüpfte und feierte die Berner mit ihrer klarer Message.

Viel Aufwand wurde dieses Jahr in die Dekoration gesteckt.

Viel Aufwand wurde dieses Jahr in die Dekoration gesteckt.

(Bild: jwy)

Fazit: Das zahlreiche Publikum war erfreulich gut durchmischt an diesem Samstagabend. Viele 3fach-Veteranen tummelten sich auf dem Platz und schmissen eine Bar, und man kam sich auch als Ü30 nicht fehl am Platz vor.

Das Konzept hat funktioniert, es scheint, als hätte das Radio 3fach einmal mehr einen guten Riecher gehabt. Die Party ging dann im Verkehrshaus weiter bis in die frühen Morgenstunden. Geht doch.

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