«Das Feuerwerksverbot ist für uns absolut dramatisch»
  • Wirtschaft
Die Pyromantiker hoffen, dass dieses Jahr der Feuerzauber am Nationalfeiertag nicht ausfallen wird. (Bild: zvg / «Pyromantiker»)

Luzerner Pyrotechniker kritisiert Behörden «Das Feuerwerksverbot ist für uns absolut dramatisch»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 31.07.2018, 09:51 Uhr

Das absolute Feuerverbot für grosse Teile der Zentralschweiz bringt Feuerwerksproduzenten und Pyrotechniker in Not. Die Behörden reagierten übertrieben, so der Vorwurf. Denn: «Die Gefahr eines Brandes durch Feuerwerk tendiert heute gegen Null», sagt der Luzerner Pyrotechniker Peter Joder.

In der gesamten Zentralschweiz wurde am Montag ein absolutes Feuerverbot erlassen (zentralplus berichtete). Feuerwerk darf ausschliesslich noch auf dem Wasser mit einem Abstand von 200 Metern vom Ufer gezündet werden. Der Entscheid sorgt bei Pyrotechnikern und Feuerwerksproduzenten für Kopfschütteln und Existenzängste. Der anstehende Nationalfeiertag ist für deren Geschäftsgang essentiell.

«Die Behörden haben mit diesem Entscheid überreagiert», sagt der Krienser Peter Joder, Mitglied der «Pyromantiker Luzern». Der Luzerner Verein mit rund 26 Mitgliedern kreiert seit 1980 professionelle Grossfeuerwerke in der ganzen Schweiz. Für Joder bedeuten die Feuerwerksverbote erhebliche Umsatzeinbussen – 50’000 bis 100’000 Franken hätte allein das abgesagte Feuerwerk auf dem Gurten in Bern eingebracht. Auch auf dem Bürgenstock können die Pyromantiker nun kein Feuerwerk abfeuern.

Nationalfeiertag bringt viel Umsatz

Keine Freude haben auch die Feuerwerksproduzenten – betroffen ist unter anderem auch die Luzerner Firma Bugano mit Sitz in Neudorf. Mit zentralplus wollten die Verantwortlichen nicht sprechen, doch gegenüber «Blick» sagte Verkaufsleiter Daniel Bussmann vergangene Woche an die Adresse der Behörden: «Die haben doch einen Knall!» Diverse Bestellungen würden aufgrund des Verbots durch die Kunden storniert. Der Schaden könne nicht beziffert werden.

«Die Behörden entscheiden immer noch nach den gleichen Grundsätzen wie vor zehn Jahren.»

Peter Joder, Pyrotechniker

Und auch der «Pyromantiker» ist besorgt. «Dieses Verbot ist absolut dramatisch für Produzenten und Grossfeuerwerker in der Schweiz – gegen 70 Prozent Umsatz machen alleine der 1. August und Neujahr zusammen aus», sagt Joder. Dass aufgrund der längeren Trockenheitsphase in Luzern und Zug weder Einzelpersonen noch professionelle Grossfeuerwerker Feuerwerkskörper zünden dürfen, ist für Joder schwierig nachvollziehbar. «Die Gefahr eines Brandes durch Feuerwerk tendiert heute gegen Null», so der Pyrotechniker.

Behörden haben Vorgaben massiv verschärft

Was die Produktsicherheit betrifft, seien die Schweiz und ganz Europa gegenüber vor zehn Jahren sehr viel strenger. In den vergangenen zehn Jahren seien die Herstellerrichtlinien massiv verschärft worden, die Sicherheitsvorgaben für Feuerwerksmaterial seien immens. Mit 8 SN/EN-Normen mit über 300 Seiten an Auflagen müssten sich Importeure und Produzenten von Feuerwerksprodukten herumschlagen. Die Vorgaben gelten auch seit über 5 Jahren für Produkte im Detailhandel. «Es dürfen beispielsweise keine Funken mehr auf den Boden gelangen durch das Abfeuern von Feuerwerksrohren und Raketen.»

Kunden können Feuerwerk zurückbringen

Auch für den Detailhandel dürfte das Verbot für Umsatzeinbussen sorgen. Coop, Migros, Aldi und Lidl stellen in den betroffenen Zentralschweizer Kantonen den Verkauf von Feuerwerkskörpern ein. Wer in den vergangenen Tagen Feuerwerk bei Detaillisten eingekauft hat, kann dieses zurückbringen. Bei allen vier Grossdetaillisten erhält man den Kaufpreis bis zum 2. August zurückerstattet, falls sich die Produkte in einwandfreiem Zustand befinden.

Wie viele Leute ihre Böller, Vulkane und Raketen zurückbringen würden, sei derzeit noch schwer abschätzbar, erklärt Coop auf Nachfrage. Wie gross die finanziellen Einbussen sind, kommunizieren die Detaillisten aus Konkurrenzgründen grundsätzlich nicht.

Ausserdem bestünden inzwischen strenge Ausbildungsvorschriften, die laut Joder vergleichbar seien mit denjenigen von Sprengmeistern. Sein Vorwurf: «Die Behörden entscheiden immer noch nach den gleichen Grundsätzen wie vor zehn Jahren mit ungeprüftem Material.» Während die Regeln durch den Staat ständig verschärft würden, reagiere man im Hinblick auf Verbote pauschal und überängstlich. Damit gefährde man längerfristig Arbeitsplätze und eine ganze Branche. «Klar gibt es auch unvernünftige Leute, doch leider wird nicht differenziert zwischen dem Einzelhandel und professionellen Unternehmen», sagt Joder.

Bereits erster Waldbrand im Entlebuch

Urs Felder, Fachleiter Schutzwald beim Kanton Luzern, kann den Ärger verstehen. Doch trotz der rigiden Produktevorschriften fliege Feuerwerk in die Höhe und versprühe dort kleinere Funken. In den vergangenen zwei Wochen hätten die hohen Temperaturen und starken Winde nicht nur den Wald, sondern auch das Gras sehr trocken gemacht. «Derzeit genügt eine kleine Glut oder ein Funke und etwas Wind, damit ein Feuer ausbricht», sagt Felder. Und es sei im Kanton kürzlich schon zu einem grossen Flurbrand gekommen im Entlebuch (zentralplus berichtete). Das Feuer entfachte sich aus noch unbekanntem Grund auf einer Wiese und griff dann auf einen Wald über.

Die Waldbrand-Gefahrenkarte des Bundes am Montagnachmittag: Beinahe in der gesamten Schweiz wurde inzwischen ein vollständiges (schwarz) oder teilweises Feuerverbot (grau) erlassen.

Die Waldbrand-Gefahrenkarte des Bundes am Montagnachmittag: Beinahe in der gesamten Schweiz wurde inzwischen ein vollständiges (schwarz) oder teilweises Feuerverbot (grau) erlassen.

(Bild: zvg)

Weil sich die Situation derart verschärft habe in den vergangenen 14 Tagen, könne man auch kaum mehr zwischen verschiedenen Regionen differenzieren. «Überall im Kanton gibt es Südhänge, die extrem trocken sind – während an anderen Stellen die Gefahr noch geringer ist», sagt Felder. Doch derartig differenzierte Einschränkungen könne man gegenüber der Öffentlichkeit nicht kommunizieren – die Gefahr für Fehleinschätzungen sei zu gross.

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2 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 07.08.2018, 10:13 Uhr

    Und wenn auch, habe den ruhigen 1 August genossen und von mir aus dürfte dieser Schmarren eh ständig und überall verboten werden

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  2. Urs Eggler, 31.07.2018, 13:11 Uhr

    Die Berufsfischer wollen mehr Dreck in den Seen und die Pyromaniker wollen feuerwerken, wenn alles furztrocken ist, das überrascht nicht. Glücklicherweise erfolgt der Entscheid nach sachlichen Kriterien, Natur und Tiere und zahlreiche Menschen sind dankbar dafür.

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