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«Das Crypto Valley in Zug ist kein Zufall»
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Mitautor und Konferenzleiter Thomas Ankenbrand präsentiert dem Publikum die Ergebnisse der Studie. (Bild: lob)

Hochschul-Professor über die rasante Entwicklung «Das Crypto Valley in Zug ist kein Zufall»

4 min Lesezeit 28.02.2018, 18:17 Uhr

Zum dritten Jahr in Folge erstellte das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) eine Studie zur Schweizer FinTech-Branche. Die letztjährige Entwicklung ist erstaunlich – und in einem Sektor residieren 17 von 29 Schweizer Firmen in Zug.

Ein Gesamtvolumen von 400 Millionen Franken an Kapitalinvestments und ICO’s war 2017 in der Schweiz vorhanden – 2016 waren es noch knapp 20 Millionen: Die FinTech Branche wächst in der ganzen Schweiz wie nie zuvor. Das generiere auch laufend Arbeitsplätze: «Das klassische Fintech-Unternehmen in der Schweiz hat fünf bis 15 Mitarbeiter», erklärt Thomas Ankenbrand. Er ist Konferenzleiter und Mitautor der dritten Studie zur FinTech-Branche, die das IFZ am Mittwoch präsentierte. Dass sich gerade in Zug das «Crypto Valley» bilde, sein kein Zufall.

Technologen werden angezogen

Unterschieden werden verschiedene Unternehmen im FinTech-Bereich: Darunter Analyse, Banken-Infrastruktur und das sogenannte «Distributed Ledger Technology» – also der Blockchain-Bereich. In letzterem Bereich tätige Unternehmen scheinen Zug zum Liebling erkoren zu haben: Von 29 Firmen residieren 17 im Kanton. «Zug ist aktuell das Zentrum für Distributed Ledger Technology», bestätigt auch der Referent Thomas Ankenbrand. Will heissen: Wer mit Blockchain arbeitet, bevorzugt das Crypto Valley.

Die FinTech Unternehmen (Total 220) verteilt nach Kantonen. Geht es um Blockchain, ist Zug mit Abstand am beliebtesten.

Die FinTech Unternehmen (Total 220) verteilt nach Kantonen. Geht es um Blockchain, ist Zug mit Abstand am beliebtesten.

(Bild: IFZ FinTech Study 2018)

Was umfasst «FinTech»?

FinTech ist die Abkürzung für Finanztechnologie und umschreibt Softwarelösungen für innovative digitale Produkte, Dienstleistungen und Prozesse in der Finanzbranche. FinTech-Lösungen verbessern, ergänzen oder ersetzen bestehende Finanzdienstleistungen. Zu den Teilgebieten gehören Big Data, Künstliche Intelligenz, Crowdfunding, Mobile Payment, API Banking, Robo Advisory, Blockchain und Kryptowährungen.

Das Geheimnis? «Die exzellenten Rahmenbedingungen haben, zusammen mit der Ansammlung von innovativen Unternehmern, den proaktiven Behörden und führenden Forschungsinstituten, zum Aufblühen des sogenannten Crypto Valley geführt», schlussfolgert HSLU-Professor Ankenbrand aus den Studienergebnissen.

Ist Zug doch weit abgeschlagen?

Präsentiert wird auch eine Grafik, welche die weltweit führenden Städte und Länder und deren Eignung als FinTech Hub bewertet. Zürich und Genf rangieren dort auf Platz zwei und drei – von Zug jedoch keine Spur. Wie kommt es?

Dies hätte vor allem methodische Gründe: «Zug ist im Vergleich zu klein», sagt Thomas Ankenbrand. Die Stadt mit den anderen, grossen Städten und Ländern ins Verhältnis zu setzen, sei schlicht zu abwegig. Das selbe hätte auch für Schwyz gegolten. «Deshalb ist Zug miteinberechnet in der ‹Greater Zurich Area›», erklärt der Konferenzleiter weiter.

Schweizer Städte sind als FinTech-Standort ganz oben angesiedelt – Zug fehlt aufgrund seiner Grösse.

Schweizer Städte sind als FinTech-Standort ganz oben angesiedelt – Zug fehlt aufgrund seiner Grösse.

(Bild: IFZ FinTech Study 2018)

Rückstand bei der öffentlichen Hand

Obwohl Schweizer Städte sehr gut dastehen würden, hinke man beim Indikator Technologie noch nach. So sei es beispielsweise noch nicht möglich, online Firmen zu Gründen. Auch Systeme für etwa E-Voting würden fehlen, sowie oft auch die Möglichkeit, Kryptowährungen als Zahlungsmittel einzusetzen.

Es fällt auf, dass die Stadt Zug in letzter Zeit versucht hat, genau dort anzusetzten – indem eine Digitale ID für die Bevölkerung eintwickelt wurde, welche künftig auch E-Voting ermöglichen soll (zentralplus berichtete). Auch, wenn es bei der Durchführung und Enwticklung einige Streitpunkte gab (zentralplus berichtete). Ebenfalls akzeptiert die Stadt Zug Bitcoin als Zahlungsmittel. Für interessierte Firmen würde dies die richtigen Signale aussenden, sagt Ankenbrand: «Dass Zug Bitcoins akzeptiert, war keine weltbewegende Handlung, aber ein wichtiges Zeichen für die Community.»

Crypto Hub als Vorzeige-Projekt

Als sehr gelungenes Projekt wurde auch das «Crypto Valley Labs» hervorgehoben, das in Zug seine Töre geöffnet hat. An der Dammstrasse ist ein grosser Crypto-Hub entstanden, aus aller Welt strömen vor allem Blockchain-Firmen nach Zug (zentralplus berichtete). Das generiere natürlich Arbeitsplätze in ganz neuen Sektoren – ausserdem werde die Anziehung stärker, je mehr Unternehmen sich niederlassen.

Man könnte auch sagen, je nahmhater die Unternehmen sind. Und an Namen mangelt es Zug – zumindest augenscheinlich – nicht. Hinter dem Lab stehen neben dem Initator Lakeside Partners zum Beispiel die Cardano Stiftung, welche hinter der Top 5-Cryptowährung «Ada» steht. Auch die Ethereum Foundation hat in Zug ein Domizil, genauso wie die Stiftung von Bancor. Die Firma mit Hauptsitz in Tel Aviv erzielte eines der höchsten ICO’s überhaupt – rund 153 Millionen Dollar wurden offeriert.

«IFZ FinTech-Studie 2018»

In der Studie erstellt das Projektteam einen umfassenden Überblick über den Schweizer FinTech-Sektor. Der erste Teil der Studie beschreibt das Ökosystem von FinTech: Einerseits wird das politische und rechtliche, ökonomische, soziale sowie technologische Umfeld besprochen, andererseits werden Auswertungen über die Geschäftsmodelle der 220 Schweizer FinTech-Unternehmen aufgeführt. Im zweiten Teil der Studie werden 108 Schweizer Unternehmen, welche an der Studie teilgenommen haben, genauer vorgestellt. In den Übersichten sind unter anderem Informationen zu Zielmärkten, Vertriebskanälen und Ertragsmodellen sowie verschiedene Unternehmenskennzahlen zu finden. An der IFZ-Konferenz wurden die Ergebnisse präsentiert.

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