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Das Coronavirus ist da: So wappnen sich Zuger Ärzte dagegen
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Ärzte halten derzeit zu ihren Patienten einen Sicherheitsabstand von zwei Metern. (Symbolbild: Adobe Stock)

Hände schütteln ist verboten Das Coronavirus ist da: So wappnen sich Zuger Ärzte dagegen

4 min Lesezeit 28.02.2020, 05:03 Uhr

Nachdem das Coronavirus die Schweiz erreicht hat, ergreifen auch Arztpraxen in Zug Massnahmen. Hände werden nicht mehr geschüttelt und es gilt ein Mindestabstand von zwei Metern.

Arzt Peter Gerritsen schüttelt seinen Patienten seit diesem Mittwochmorgen nicht mehr die Hand. Und er hält beim Gespräch mit seinen Patienten einen Sicherheitsabstand von zwei Metern, wie er uns erzählt. Ist das nicht komisch? «Natürlich», entgegnet Gerritsen. «Normalerweise gebe ich jedem Patienten die Hand. Immer wieder müssen wir erklären, weshalb das so ist.»

Dass in Arztpraxen keine Hände mehr geschüttelt werden sollen, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwochmorgen empfohlen. Das Coronavirus ist in der Schweiz angekommen, insgesamt acht Fälle wurden bestätigt. Am Dienstag verkündete das BAG, dass die ursprünglich in China aufgetretene Erkrankung bei einem 70-jährigen Tessiner nachgewiesen wurde (zentralplus berichtete). Weitere sieben Fälle wurden bis Freitagmorgen bestätigt: In den Kantonen Aargau, Basel, Genf, Waadt, Graubünden (2) und Zürich, wie «watson» berichtete.

«Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen», beruhigt Peter Gerritsen. Er hat eine Praxis in Zug und ist Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zug. Die Bedrohungslage sei im Kanton Zug «noch leicht», wie Gerritsen uns am Mittwochabend sagte.

Wer den Verdacht hat, soll zu Hause bleiben

Nur schon am Mittwoch (Stand 16 Uhr) habe das BAG drei Mal seine Merkblätter aktualisiert, so Gerritsen weiter.

«Wenn tatsächlich ein Verdachtsfall besteht, warnen wir das Kantonsspital vor.»

Peter Gerritsen, Arzt und Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zug

«Am besten ist es, wenn ein Patient, der vermutet, vom Virus betroffen zu sein, gar nicht erst zu uns in die Praxis kommt.» Wer aus einem betroffenen Gebiet wie China, Italien, Iran oder Südkorea kommt und Grippesymptome wie Husten und Fieber hat, soll sich nämlich zuerst telefonisch bei seinem Hausarzt melden. «Wenn tatsächlich ein Verdachtsfall besteht, warnen wir das Kantonsspital vor.» Der Transport werde sichergestellt. Denn die betroffene Person soll Menschenmengen meiden und nicht im öffentlichen Verkehr oder mit einem Taxifahrer zum Spital fahren.

Gerritsen wurde in seiner Praxis noch mit keinem Patienten konfrontiert, der den Verdacht hegte, vom Corona-Virus infiziert worden zu sein. Vom Zuger Kantonsarzt weiss Gerritsen allerdings, dass dieser am Mittwochmorgen 13 Telefonate erhielt. Doch Gerritsen beruhigt: «Es war kein einziger ernsthafter Verdacht.»

Nasenrachen-Abstrich gibt Klarheit

Äusserlich kann man den Coronavirus nicht von einer normalen Grippe unterscheiden. Erst durch einen Nasenrachen-Abstrich, der im Labor getestet wird, kann das Virus diagnostiziert werden. Gerritsen meint, dass das Coronavirus «wahrscheinlich nicht viel gefährlicher» als ein Influenza-Virus sei. «Wir haben jedes Jahr auch Grippetote.»

Auch die «NZZ» schrieb Anfang der Woche: «Alle starren wie gebannt auf die Zahl der Corona-Fälle. Dabei sterben allein in der Schweiz in einer schweren Grippesaison etwa 2’500 Personen an Influenza-Viren.»

Zu denken gibt die rasche Ausbreitung

Auch der Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall sagte am Mittwoch in einem Interview, dass das Coronavirus gemäss aktuellem Wissensstand nicht gefährlicher sei als eine saisonale Grippe (zentralplus berichtete). Das hat bei einigen Leserinnen und Lesern Fragen aufgeworfen, weil die Sterblichkeit bei der Grippe bei 0,1 Prozent liegt, während sie beim Coronavirus noch unklar ist.

«Die Mortalität liegt nur in Wuhan über 2 Prozent, im Rest von China liegt sie deutlich unter 1 Prozent.»

David Dürr, Leiter der Luzerner Dienststelle Gesundheit und Sport

Das BAG geht davon aus, dass sie unter 3 Prozent liegt. «Die Mortalität liegt nur in Wuhan über 2 Prozent, im Rest von China liegt sie deutlich unter 1 Prozent», sagt David Dürr, Leiter der Luzerner Dienststelle Gesundheit und Sport, auf Nachfrage. «Da die meisten Fälle in Wuhan waren und die dortigen Spitäler überlastet waren, sind vermutlich mehr Patienten gestorben als bei uns mit einem guten Gesundheitswesen zu erwarten wäre.» Zudem gehe die Mehrheit der Experten davon aus, dass sich viele erkrankte Personen gar nicht gemeldet hätten. «Je höher diese ‹Dunkelziffer› ist, desto tiefer die effektive Mortalität», so Dürr. 

Der Zuger Arzt Peter Gerritsen fügt an: «Es gibt uns aber zu denken, dass sich der Corona-Virus sehr schnell ausbreiten kann.» Er habe keine Angst, sich selbst anzustecken. «Aber ich werde sicher wachsam sein und alle Vorsichtsmassnahmen treffen.» Wenn jemand unangekündigt einfach in der Praxis stehe, wüssten seine Mitarbeiter, was zu tun sei.

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