Das Abenteuer vor der Haustüre
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Ein bisschen wie Indiana Jones spielen: eine Reusstour auf dem Gummiboot. (Bild: mal)

Boottour auf der Reuss Das Abenteuer vor der Haustüre

6 min Lesezeit 02.08.2014, 05:00 Uhr

Wenn im Sommer die Sonne scheint, dann zieht es die Menschen hinaus in die Natur. Nebst Wandern, im See planschen oder einer Velotour bietet die Zentralschweiz eine Ausflugsmöglichkeit für Abenteuerlustige: Eine Tour mit dem Gummiboot auf der Reuss. zentral+ ging auf den Fluss.

Vorneweg: Wer sich einen wilden Fluss vorstellt, den man in Rafting-Manier bezwingen muss, der findet sein Glück nicht auf der Reuss. Der Fluss ist auf der Wildwasserschwierigkeits-Skala in die Stufe 1 eingeteilt. Also ruhig und mit freier Sicht. Dennoch befindet man sich auf einem Fluss und die starke Strömung hat durchaus ihre Tücken. Trotzdem: Wer die Reise mit gesundem Menschenverstand antritt, hat nichts zu befürchten und kann für gut vier bis sechs Stunden seine Seele baumeln lassen, je nach dem, ob die kleine Tour (bis Unterlunkhofen) oder die Grosse (bis Bremgarten) in Angriff genommen wird.

Einstieg in Gisikon-Root

Der ideale Einstiegsplatz für die Boottour findet sich in Gisikon-Root hinter dem Gasthof Tell, welchen man bequem per Bus oder Bahn erreicht. Es gibt aber auch viele Böötler, die ihre Tour mit Autos planen: Mit zwei Fahrzeugen fährt man entweder nach Unterlunkhofen oder eben Bremgarten und stellt eines davon ab, mit dem anderen fährt man nach Gisikon zurück. Wobei vom Parkieren beim Gasthof Tell abzuraten ist: Oft findet man auf seiner Windschutzscheibe eine Busse, da die Parkplätze ausschliesslich den Gästen vorenthalten sind. Aber eigentlich kann man sich den ganzen Aufwand mit dem Autostellen sparen: Sowohl in Unterlunkhofen, wie auch in Bremgarten kann man die Rückreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln antreten.

Zur Ausrüstung gehören natürlich ein Gummiboot, eine Pumpe, zwei Paddel, Schwimmwesten, genügend Getränke, Sonnencreme und eine Kopfbedeckung. Boote findet man in grösseren Sportgeschäften oder im Detailhandel. Abzuraten ist von Discount- oder Gratismodellen, da diese entweder nach oder im Notfall sogar während der ersten Tour kaputt gehen. Ebenfalls sollte man darauf achten, dass das Boot mehrere Luftkammern besitzt. So kann man auch mit einem beschädigten Boot weiterfahren oder schafft es zumindest ans Ufer. Die Paddel sollten aus Aluminium hergestellt sein, solche aus Plastik brechen bei kräftigem paddeln relativ rasch. Sonnencreme und Hut sind unverzichtbar, da man doch Stunden auf dem reflektierenden Wasser verbringt.

Hat man etwas mehr Zeit, kann man an unzähligen Stellen entlang der Reuss eine Pause einlegen und grillieren. Und wer gerne ein bisschen Unterhaltung dabei haben möchte, kauft sich ein kleines Batterien-Radio oder Lautsprecher, um auf der Tour Musik zu hören. Doch Achtung: Ohne wasserfesten und schwimmenden Beutel geht man das Risiko ein, das Mitgebrachte auf dem Reussgrund zu versenken oder es durch Wasser zu beschädigen.

Vorsicht vor den Brückenpfeilern

Auch wenn eine Reusstour vor allem gemütlich ist, gibt es doch einige Dinge zu beachten, damit der Ausflug zum Erfolg wird. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hat dazu sechs Regeln verfasst, welche es auf einem Fluss zu beachten gibt. Wichtig dabei: Das Zusammenbinden von Booten stellt das grösste Sicherheitsrisiko dar. Während mit einem einzelnen Boot die Brückenpfeiler ohne grosse Mühe umfahren werden können, lassen sich zusammengebundene Boote kaum mehr manövrieren. Der Klassiker: Die Boote sind mit einem Seil verbunden, das eine Boot geht links, das Andere rechts vom Pfeiler vorbei.

Wichtig ist auch, den Wetterbericht genau zu studieren. Gerne gibt es an heissen Sommertagen gegen Abend ein Gewitter. Befindet man sich dann auf der Reuss, gibt es nur zwei ungünstige Varianten: Man bleibt auf dem Boot oder sucht am Ufer unter Bäumen Unterschlupf. Beides ist eher ungünstig. Darum ist eine Reusstour nur an gewitterfreien Tagen zu empfehlen.

Brillenträgern bevorzugen während dem Ausflug Linsen. Ob beim Einstieg oder Ausstieg ins Boot kann man schon einmal ins Wasser fallen und aufgrund der Strömung ist die Brille null Koma nichts weg. Oder man vergisst schlicht, dass man die Brille aufgesetzt hat und springt ins Wasser. Weg ist sie. Dasselbe gilt auch für Sonnenbrillen. Daher ist es von Vorteil, ein billiges Modell oder ein Werbegeschenk mit zu nehmen.

Bis Unterlunkhofen oder Bremgarten?

Ist alles bereit, kann es losgehen. Die Tour vor Gisikon-Root zu starten, macht keinen Sinn, da bei Buchrain ein Reusswehr steht, welches nur durch einen gefährlichen Strudel passierbar ist. Ebenso versperrt zuvor in Emmen ein Wasserwerk der CKW die freie Durchfahrt. Nach Gisikon-Root schlingelt sich die Reuss zwischen Oberrüti und Hünenberg nach Sins. Der Aufenthalt im Kanton Luzern ist also nur von kurzer Dauer. Weiter geht es dann nach Mühlau und Richtung Obfelden. Nach Ottenbach, Jonen und Oberlunkhofen erreicht man schlussendlich Unterlunkhofen. Die metallene Rottenschweiler-Brücke ist eine gut sichtbare Erinnerung, an dieser Stelle die Reuss zu verlassen, wem man nicht weiter Richtung Bremgarten gehen will. Da man auf dem Fluss relativ schnell die Orientierung verliert, wo man gerade ist, empfiehlt es sich, das Bild der Brücke gut einzuprägen. Links von der Rottenschweiler-Brücke kann man per Bus bequem nach Muri/AG fahren, die anschliessende Zugfahrt nach Luzern dauert dann noch knapp 40 Minuten.

Die Fahrt von Gisikon-Root bis Unterlunkhofen dauert gut vier Stunden und führt die meiste Zeit durch naturbelassenes Gebiet. Wer sich dazu entschliesst, bis nach Bremgarten weiterzufahren, bekommt dann noch mehr Natur und Ruhe geliefert. Die Strecke nach Unterlunkhofen führt in den Flachsee. Aufgrund des Wehrs in Bremgarten-Zufikon staut sich das Wasser rund sieben Kilometer Fluss aufwärts. Der Flachsee ist ein von Menschenhand geschaffenes Biotop und Naturschutzgebiet, welches seltenen und gefährdeten Vögeln eine Heimat bietet.

Während man auf dem Flachsee noch ohne Ruderarbeit voran kommt, gilt es spätestens ab Hermetschwil-Staffen für knapp eine Stunde die Paddel in die Hand zu nehmen. Auf der Höhe Zuffikon ist man dann gewungen, die Reuss wegen einem Wehr zu verlassen. Das tut man auf der linken Seite, wo es einen idealen Anlegeplatz gibt. Das Wehr kann dann in einem fünfminütigen Fussmarsch umgangen werden. Wieder eingewassert, dauert es knapp zehn Minuten, bis man Bremgarten erreicht. Übrigens ein Highlight: Auf der rechten Seite die wunderschöne Altstadt, vor einem die Reussbrücke. Den Fluss verlässt man zwingend auf der linken Seite. Allgemein empfiehlt es sich, nach dem Wehr auf der linken Seite zu halten, um für den Ausstieg bereit zu sein.

Die Reussbrücke in Bremgarten sollte auf keinen Fall mit dem Gummiboot passiert werden: Die obere Wehranlage lässt nur einen schmalen Streifen offen, der passierbar ist. Nicht selten sieht man da Kajakfahrer oder Surfer durchgehen – aber niemals Gummiboote. Gut zehn Minuten von der Anlegestelle weg, kann man mit der Strassenbahn nach Wohlen reisen. Von dort erreicht man mit dem Zug in 45 Minuten Luzern. Wer nach der langen Flussfahrt hungrig ist, kann sich übrigens in der sehr schönen Bremgartner Altstadt bestens verpflegen: Zwischen Anlegeort und Strassenbahn findet man einen Imbiss-Stand, eine Bar mit diversen Snacks oder direkt am Fluss diverse Restaurants mit Fischspezialitäten.

Wer jedoch in Bremgarten noch nicht genug vom Bootfahren hat, kann unterhalb der Reussbrücke wieder einsteigen und von Bremgarten bis Geberstorf eine weitere, vier stündige Fahrt auf sich nehmen, welche zwar immer noch gemütlich ist, aber durchaus mehr Zug hat als die erste Strecke. Wichtig ist, den Fluss in Geberstorf zu verlassen, da das folgende Stauwehr sehr gefährlich ist. Der Ausstieg ist gut gekennzeichnet und liegt direkt neben einer Bushaltestelle.

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