Darum warten Luzerner Fussgänger am Rotlicht so lange
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Die Wartezeiten an Fussgängerstreifen in der Stadt Luzern sind lang, die Grünphasen kurz. Die Lichtsignalanlagen werden dem Verkehrsaufkommen entsprechend gesteuert und können von Bussen und Notfallfahrzeugen beeinflusst werden. (Bild: mag)

ÖV hat bei den Ampeln Priorität Darum warten Luzerner Fussgänger am Rotlicht so lange

3 min Lesezeit 1 Kommentar 11.12.2018, 16:04 Uhr

Eine gefühlte Ewigkeit stehen Fussgänger vor roten Ampeln. Auch die Stadt Luzern will kürzere Wartephasen, sieht aber keine schnelle Lösung. Dazu muss zuerst der Verkehr auf der Strasse abnehmen.

Rütligasse/Hirschengraben: 56 Sekunden. Hallwilerweg: 1 Minute. Pilatusstrasse/Astoria: 1:05. Pilatusplatz: 1:30.

Solange haben wir bei einer Stichprobe am Dienstagmittag vor den Fussgängerstreifen gewartet. Zu lange, wenn es nach den SP-Politikern Mario Stübi und Yannick Gauch geht. Sie forderten in einem Postulat maximale Wartezeiten von 50 Sekunden.

Keine der getesteten Ampeln vermochte das zu erfüllen, die gefühlte Wartezeit ist oft noch höher. Die beiden Stadtparlamentarier stören sich zudem daran, dass Fussgängerampeln oft Rot anzeigen, selbst wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Sie fordern darum, dass Grün der Grundzustand ist. Erst wenn sich der Motorverkehr ankündigt, würden sie auf Rot wechseln.

Der Stadtrat hat das Problem erkannt: Kürzere Wartezeiten und mehr Grünphasen für Fussgänger seien ihm ein grosses Anliegen, schreibt er in seiner Stellungnahme am Dienstag. Heute betrage die Warterei auf Hauptachsen zwischen 70 und 90 Sekunden, was sich mit unserer Stichprobe deckt.

Die Stadtregierung ist darum bereit, die Grünphasen an sämtlichen Fussgängerstreifen auf den Gemeindestrasse zu überprüfen und wo möglich zu verbessern. Auf den Kantonsstrassen werde er sich bei der kantonalen Stelle dafür einsetzen.

So lange wartet man an Luzerner Fussgängerstreifen:

 

Die Stadtregierung nimmt also das SP-Postulat entgegen. Das klingt gut, dürfte aber kaum schnelle Erfolge für Fussgängerinnen zeigen. Zu komplex ist die Steuerung der Lichtsignale, zu vernetzt das Verkehrssystem in der Stadt.

Zudem ist der Handlungsspielraum der Stadt auf den Kantonsstrassen begrenzt: Zwar ist die Stadt für Steuerung und Koordination der Lichtsignale zuständig, der Betrieb der Rotlichter wurde vom Kanton an die Stadt delegiert. «Bewilligungsbehörde bleibt aber die kantonale Dienststelle Verkehr und Infratstruktur (vif)», so der Stadtrat.

Immerhin das: Auf der Tribschenstrasse kündigt der Stadtrat für 2019 einen Text mit einer neuartigen Steuerung an: An zwei Ampeln wird mit Sensoren das Verkehrsaufkommen gemessen – und so die optimalen Grünphasen berechnet. Das könnte unnötiges Anhalten und lange Wartezeiten vermeiden.

Die Aufgabe ist komplex

Ansonsten bleibt die Steuerung und Koordination der Grünzeiten schon für eine einzige Hauptstrasse eine komplexe Aufgabe. «Um ein Vielfaches schwieriger ist die Koordination von Lichtsignalanlagen in einem vernetzten Verkehrssystem wie der Stadt Luzern», heisst es vom Stadtrat.

Es gebe auf der Strasse «widersprüchliche und konkurrierende Anforderungen» an die Koordination und Steuerung der Lichtsignale: Fussgänger, Velofahrerinnen, ÖV und Autos – niemand soll allzu lange warten müssen. Zudem müssen die Grünphasen auch für ältere Fussgänger genügend lang sein.

Und bei aller Rücksichtnahme für die Schwächsten: «Priorität bei der Steuerung der Lichtsignalanlagen in der Stadt Luzern geniesst der öffentliche Verkehr», so der Stadtrat. Möglichst flüssig soll dieser von Haltestelle zu Haltestelle kommen und so den Fahrplan einhalten. Auf Strassen mit vielen Buslinien erhöhe sich dadurch die Wartezeit für den Fussverkehr. Das erklärt, wieso es für Fussgängerinnen bei der Kantonalbank oder auf dem Pilatusplatz so lange dauert.

Es gibt nur eine Lösung

Einfache Lösungen gibt es also nicht: Kürzere Wartezeiten bedeuten kürzere Zyklen. Kürzere Zyklen führen zu einer geringeren Leistungsfähigkeit auf der Strasse. Darum führt eine Verbesserung für Fussgänger – aber auch für Velofahrerinnen – nur über eine Verkehrsreduktion.

Sowohl der kantonale Richtplan 2015 als auch die städtische Mobilitätsstrategie wollen den Fussverkehr fördern. Ziel im Gesamtverkehrskonzept Agglomerationszentrum Luzern ist zudem eine Reduktion des Autoverkehrs auf Hauptachsen um 5 Prozent. Dies würde ermöglichen, die Zyklen der Lichtsignale zu verkürzen.

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1 Kommentare
  1. walter ludin, 12.12.2018, 18:47 Uhr

    «Priorität bei der Steuerung der Lichtsignalanlagen in der Stadt Luzern geniesst der öffentliche Verkehr», so der Stadtrat. Einverstanden. Doch: Vorhin wartete unser Bus – besetzt mit wohl fast 40 Personen – an einer Ampel, bis etwa 20 Autos mit durchschnittlich kaum mehr als 1 Person durchgefahren war…..

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