Darum sprach das Kantonsgericht Luzern den Bademeister frei
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Der Mann war 2014 vom Steg im Lido gesprungen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Nach schwerem Unfall im Strandbad Lido Darum sprach das Kantonsgericht Luzern den Bademeister frei

2 min Lesezeit 23.10.2020, 10:41 Uhr

Der Bademeister und der Geschäftsleiter des Lidos sind nicht schuld daran, dass ein Familienvater heute querschnittsgelähmt ist. Grund: Der Mann ist aus «eigenverantwortlicher Selbstgefährdung» vom Steg in den See gesprungen.

Das Kantonsgericht Luzern hat die Badi-Verantwortlichen vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen (zentralplus berichtete). Nun liegt das begründete Urteil vor.

Demzufolge geht das Kantonsgericht davon aus, dass der Familienvater vom Steg aus mehrere Kopfsprünge gemacht und sich beim letzten durch den Aufprall im Wasser einen Halswirbelbruch zugezogen hat. Damit liege eine schwere Körperverletzung vor.

Das Gericht prüfte, ob diese durch eine pflichtwidrige Sorgfaltspflichtverletzung des Badmeisters oder des Geschäftsführers verursacht wurde. Gemäss Bundesgericht müssen die Betreiber eines öffentlichen Bades die Einrichtungen in einem Zustand halten, dass der Badegast bei deren Benützung weder an Körper noch an Gesundheit Schaden erleidet. Neben der Sicherheit der Installationen ist dabei die Überwachung der Benutzer und deren Verhalten entscheidend.

Bademeister konnte den Unfall nicht voraussehen

Die Anklage warf dem Badmeister vor, er habe nicht die notwendigen Massnahmen zur Sicherheit des Familienvaters getroffen. Dieser sei nicht vor der Gefahr von Kopfsprüngen gewarnt worden – und der Bademeister sei nicht eingeschritten, als der Mann kopf voran ins Wasser sprang.

Das Kantonsgericht sieht das anders. Seiner Meinung nach ist der Familienvater in «eigenverantwortlicher Selbstgefährdung» vom Steg in den See gesprungen, wie es im Urteil heisst. Dem Bademeister könne keine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden.

Angesichts des unauffälligen Verhaltens des Mannes und seiner Familie war der Bademeister nicht zu erhöhter Aufmerksamkeit verpflichtet. Er konnte daher auch nicht voraussehen, dass der Mann den fatalen Kopfsprung machen würde – auch wenn dieser bereits zuvor Kopfsprünge machte, die der Bademeister nicht gesehen hatte.

Verbotsschild ist nicht vorgeschrieben

Die Anklage wirft dem Geschäftsführer vor, er habe es unterlassen, beim Steg Verbotstafeln für Kopfsprünge anzubringen. Das Kantonsgericht hält fest, dass es Gesetze gibt, die ein Verbotsschild von Kopfsprüngen seitlich vom Steg eines Naturbades oder Mindesttiefen vorsehen.

Der Familienvater, der das erstinstanzliche Urteil angefochten hatte, muss die Hälfte der Gerichtskosten des Berufungsverfahren übernehmen und seine Anwaltskosten in erster und zweiter Instanz selber tragen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann beim Bundesgericht angefochten werden.

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