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Roger Harstall ist uneingeschränkt als Luzerner Kantonsarzt tätig, aber kaum noch in den Medien präsent. (Bild: zvg)

Im Gegensatz zu seinem Zuger Amtskollegen Darum ist es um den Luzerner Kantonsarzt so still

4 min Lesezeit 2 Kommentare 25.11.2021, 05:00 Uhr

Von manchen Kantonsärzten ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie täglich zu hören. Von anderen wiederum fast nie, wie beispielsweise vom Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall. Warum ist das so? zentralplus hat nachgefragt.

Hand aufs Herz: Wer hat schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gewusst, dass es in jedem Kanton einen sogenannten Kantonsarzt gibt? Zugegeben: Der Autor nicht. Seit März 2020 hat sich das jedoch schlagartig verändert. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich irgendein Kantonsarzt in irgendeinem Kanton der Schweiz in den Medien zum Verlauf der Pandemie äussert.

Prominentes Beispiel aus der Zentralschweiz ist der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri, der in den lokalen wie auch nationalen Medien omnipräsent ist. Anders sieht die Situation im Kanton Luzern aus. Hier ist kaum etwas vom Kantonsarzt Roger Harstall zu hören. Nachdem er sich zu Beginn der Pandemie noch regelmässig in den Medien geäussert hatte, ist es seit Juni 2021 ruhig geworden um den Mediziner. zentralplus hat bei Roger Harstall nachgefragt: Warum ist es um den Luzerner Kantonsarzt so still?

Reorganisation im Departement

Vorneweg: Harstall geht seiner Tätigkeit als Kantonsarzt uneingeschränkt nach. «Ich bin nach wie vor hier und es geht mir gut», sagt der Kantonsarzt etwas überrascht auf unsere plakative Frage, was mit ihm passiert sei. Für sein mediales Abtauchen gebe es einen einfachen Grund: «Die Dynamik der Pandemie hat uns gezwungen, uns innerhalb des Departements und der Dienststelle Gesundheit und Sport neu zu organisieren.»

«Viele unserer Mitarbeitenden mussten sich von aussen viel und vor allem auch persönliche Kritik anhören, die häufig unter der Gürtellinie lag.»

Roger Harstall, Luzerner Kantonsarzt

Doch was heisst das? Seit Beginn der Pandemie wird das kantonale Gesundheitsdepartement mit Medienanfragen überhäuft. Weil diese Situation für das Departement neu war, waren die internen Abläufe bei dieser Fülle von Anfragen zu wenig effizient. Harstall und die anderen Mitarbeiterinnen im Departement mussten täglich nebst der eigentlichen Arbeit diverse Anfragen beantworten. Die ohnehin durch die Pandemie bedingte erhebliche Arbeitsbelastung wurde dadurch weiter gesteigert.

Personal im Gegenwind

Gleichzeitig stieg auch die mentale Belastung. Denn weil die einzelnen Mitarbeiter des Departements jeweils individuell und mit ihrem Namen öffentlich Auskunft gaben, exponierten sie sich stark. «Viele unserer Mitarbeitenden sind ständig einem starken Gegenwind ausgesetzt. Sie mussten sich von aussen viel und vor allem auch persönliche Kritik anhören, die häufig unter der Gürtellinie lag», berichtet Harstall. Teilweise waren die Mitarbeitenden sogar Drohungen ausgesetzt. «Das ist das Letzte, was wir wollen. Es geht hier auch darum, unsere Mitarbeitenden zu schützen», erklärt Harstall die Reorganisation.

Darum gibt das Departement seither auf die meisten Fragen als Auskunftsperson den Dienststellenleiter David Dürr oder Departementsvorsteher Guido Graf an. Administrativ unterstehen sowohl der Kantonsarzt als auch der Kantonsapotheker, Stephan Luterbacher, dem Dienststellenleiter Dürr. Dieser sei somit «endverantwortlich» für die verschiedenen Tätigkeiten der Dienststelle – auch im Hinblick auf die Pandemie.

«Es ist nicht der Kantonsarzt oder der Kantonsapotheker, die eine Entscheidung treffen. Es ist die Dienststelle.»

Roger Harstall, Luzerner Kantonsarzt

Medienanfragen laufen über die Kommunikationsstelle des Gesundheitsdepartements. Diese werden an die zuständigen Fachpersonen weitergeleitet. «Da ich grundsätzlich den ‹medical lead› in der Dienststelle habe, werde ich selbstverständlich ebenfalls konsultiert und gebe meinen fachlichen Input ab», erklärt Harstall. Doch die Person, die in den Medien letztlich häufig zitiert wird, ist Dienststellenleiter David Dürr.

«Es ist nicht der Kantonsarzt oder der Kantonsapotheker, die eine Entscheidung treffen. Es ist die Dienststelle», erklärt Harstall. Dass Dürr als Dienststellenleiter in den Medien zitiert wird, mache darum Sinn und sei ein bewusster Entscheid.

Der omnipräsente Rudolf Hauri

Doch warum ist Harstalls Pendant in Zug, Rudolf Hauri, dermassen präsent in den Medien? Dies hänge vorwiegend mit Hauris Funktion als Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte der Schweiz zusammen. In dieser Rolle informiert Hauri wöchentlich an den Medienkonferenzen des Bundesamtes für Gesundheit – aus dem Bundeshaus. Somit tritt der Zuger Kantonsarzt national in Erscheinung.

Gleichzeitig ist Hauri in Zug als Kantonsarzt auch Leiter des kantonalen Gesundheitsamts. Das ist möglich, weil Zug ein vergleichsweise kleiner Kanton ist – mit entsprechend kleinerem Gesundheitsamt. So deckt Hauri beide Funktionen im Kanton Zug ab. Und gibt als Amtsleiter – analog zu David Dürr in Luzern – regelmässig öffentlich Auskunft über die Corona-Situation im Kanton Zug (zentralplus berichtete). Das erklärt seine im Vergleich zum Luzerner Kantonsarzt höhere Präsenz in der regionalen Berichterstattung.

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2 Kommentare
  1. Oliver Heeb, 25.11.2021, 14:20 Uhr

    Die Leute in den Spitälern und im Gesundheitsdepartement leisten eine hervorragende und solide Arbeit. Und dies unter konstant angespannten Bedingungen. Die unerfreulichen Nebengeräusche in Form von Anfeindungen und Drohungen dokumentieren auf fatale Weise, aus welcher Richtung die Situation zusätzlich erschwert wird. Gerade auch deshalb ein grosser Dank an all jene, die tagtäglich an ihre Grenzen gehend, die Lage stabil zu halten suchen. Kompliment und Respekt!

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  2. Fabrizio, 25.11.2021, 09:00 Uhr

    Weil er einfach seinem Job nachgehen will ohne sich ständig in den Mittelpunkt zu stellen wie gewisse Kantonsärzte.

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