Darum fliegen derzeit  russische Brummer durch die Luft
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Gestatten: Eine Iljuschin-Il-76-TD, welche diese Woche ab Emmen in den Kosovo gestartet ist. (Bild: zvg Swissint)

Zuger und Luzerner staunen über Riesenflugzeug Darum fliegen derzeit russische Brummer durch die Luft

3 min Lesezeit 4 Kommentare 14.05.2020, 15:05 Uhr

Das Dröhnen von Flugzeugmotoren ist derzeit ein sehr seltenes Phänomen. Umso erstaunter waren Zuger und Luzerner dieser Tage, dass über dem Reusstal riesige Transportflugzeuge kursieren. Wir haben die Spur der Riesenvögel aufgenommen – und sind beim Corona-Virus gelandet.

Die Herzen von Flugzeugfreunden schlugen in der Reussebene in den letzten Tagen immer wieder höher. Andere ärgerten sich über den vermehrten Fluglärm, dem Luzerner und Zuger sporadisch ausgesetzt waren.

Mehrere Male nämlich brummten riesige Flugzeuge scheinbar tief über die Bevölkerung hinweg. Grund genug, dass sich in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Hüneberg …» eine Diskussion entspann. Während einige die Erscheinungen fasziniert zur Kenntnis nehmen, sind andere Hünenberger Anwohner empört.

Doch was ist eigentlich los am Himmel? Edi Scherer, Leiter Sicherheit beim Militärflugplatz Emmen, erklärt: «Tatsächlich gab es in den letzten Tagen eine Häufung. Wir hatten einige Transportflüge, welche im Zusammenhang mit der Coronasituation stehen.» Was der Zweck und die Destination der Flüge ist, darf er nicht verraten, nur so viel: «Es handelt sich in allen Fällen um eine Iljuschin-Il-76-TD, welche im Einsatz steht.»

Kein Wunder also, fiel der Flieger vielen Menschen auf. Das russische Transportflugzeug, das noch in der Sowjetunion entwickelt worden war, ist ein ziemlicher Brummer. Mit einer Flügelspannweite von 50,5 Metern und einer Nutzlast von maximal 48’000 Kilogramm würde es so manches Quartettduell für sich entscheiden.

Wohin des Wegs?

Doch was trägt sie in ihrem Bauch? Beim Bundesamt für Verteidigung werden wir weiterverwiesen an die Armee, diese schickt uns zurück in die Zentralschweiz, konkret nach Stans zum Kompetenzzentrum Swissint.

Der dortige Chef Kommunikation Mirco Baumann sagt denn sogleich: «Sie sind nicht die Erste, die sich bei uns meldet. Vor allem sogenannte Planespotter sind begeistert von den aktuellen Transportflügen.» Viele würden sich vor Abflug und Ankunft in Emmen versammeln, um das kolossale Flugzeug zu filmen und zu fotografieren.

Solche russischen Flugzeuge statteten dem Emmer Flugplatz mehrere Besuche ab. (Bild: zvg Swissint)

Weil die Grenzen zu sind, wird geflogen

Doch warum hat Emmen derzeit so regen russischen Besuch? «Es handelt sich um Flüge zur Versorgung unserer Leute im Kosovo, welche im Einsatz der Swisscoy stehen», sagt Baumann. «Normalerweise läuft die Versorgung mittels Konvoi. Dies ist jedoch im Moment wegen der Corona-Krise und der geschlossenen Grenzen nicht möglich. Deshalb mussten wir frühzeitig planen und den Luftweg einschlagen.»

Die Iljuschin-Maschinen würden insbesondere Fahrzeuge sowie Container mit dem am dringendsten benötigten Material in den Kosovo liefern. «Das müssen wir, um unseren Auftrag gewährleisten zu können. Wir können ja nicht einfach aufhören mit der Missionserfüllung vor Ort», so der Kommunikationschef von Swissint.

Insgesamt waren es fünf beladene Flüge nach Pristina und zwei Flüge zurück, welche dieser Tage für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Pro Jahr gebe es etwa 20 Konvois in den Kosovo, erklärt Baumann. Das Nötigste davon wurde nun mittels Flugzeug transportiert.

Letzte Chance für Planespotter am Freitag

Sowohl Flugzeugfreunde als auch Lärmbelästigte dürfen aufatmen. Letztere, weil morgen der letzte Flug stattfindet. Aviatik-Fans, weil am Freitagvormittag noch einmal die Möglichkeit besteht, in Emmen einen Abflug zu beobachten. «Wann genau, können wir jedoch nicht sagen. Sonst stehen beim Flugplatz plötzlich 500 Leute», so Baumann schmunzelnd.

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4 Kommentare
  1. Müller, 14.05.2020, 16:10 Uhr

    es gibt ja noch andere Flughäfen, Tausende mal wurde Gesagt, Versprochen, weniger Fluglärm über Emmen und was wird Gemacht nichts wird gemacht die können ja tun und lassen was sie wollen, das letzte so was,

    1. Peter, 15.05.2020, 13:02 Uhr

      „Lieber St. Florian, bitte verschone unser Haus und zünde andere an!“

    2. Sonja Scherer, 15.05.2020, 22:29 Uhr

      Es ist Ihnen ja freigestellt an einem andern Ort zu wohnen.

    3. M. Moser, 16.05.2020, 10:10 Uhr

      Herr oder Frau Müller, noch ist Emmen ein Militärflugplatz. Da ist es naheliegend, dass militärische Logistikoperationen nicht über Unique abgewickelt werden. Vorteil für die Transportflieger in Emmen ist, dass sie nicht mit dem Problem Gebirgsflugplatz wie Meiringen oder Sitten konfrontiert sind. Die Piloten dieser Transportflugzeuge haben nämlich sonst alle Hände voll Arbeit, denn ein russisches Transportflugzeug fliegen heisst, mit Technik aus den 60er 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu fliegen. Kommen dann noch relativ enge Anflugkorridore wie bei Gebirgsflugplätzen Sitten oder Meiringen hinzu, dann dürfte selbst das grosse Können der russischen Piloten bald nicht mehr ausreichen und eine Katastrophe wäre vorprogrammiert. Deshalb wird Emmen angeflogen…

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