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Darf ein Mann «härzig» sein?
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«Ich wollte in meinem Film bewusst mit Männerklischees spielen, um diese zu brechen», sagt Luzius Wespe. (Bild: zvg)

Luzerner Dokumentarfilmer mit neuem Film «Manne» Darf ein Mann «härzig» sein?

5 min Lesezeit 14.12.2018, 20:01 Uhr

Was ist ein «richtiger» Mann? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Luzerner Filmemacher Luzius Wespe in seinem neusten Dokumentarfilm «Manne». Um die Antwort darauf zu finden, richtete er die Kamera auch auf sich.

Er wuchs in einem «feministischen Sandwich» auf: In einer Familie, in der Mutter und Schwester für die Rechte der Frauen kämpften. Das «grosse Feindbild» bei ihm zu Hause sei der Pascha mit den Füssen auf dem Tisch gewesen – sein Vater habe dies jedoch nie getan.

«Und ich, ich bin härzig. Aber ich will auch ein Mann sein – so richtig», hört man die Stimme des Luzerner Filmemachers Luzius Wespe in seinem jüngsten Dokumentarfilm «Manne», der am Donnerstag auf «SRF» ausgestrahlt wurde. Um Antworten auf die Frage zu finden, was ein «richtiger» Mann ist, griff der 38-Jährige zu seiner Filmkamera. Während einem Jahr begleitete er drei Männer. Männer, die er nicht ganz unbewusst ausgesucht hat.

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Von Draufgängern, sensiblen Typen und Klischees

«Ich wollte in meinem Film bewusst mit Männerklischees spielen, um diese zu brechen», sagt Luzius Wespe. Er wollte Einblicke hinter die Kulisse der Männer gewähren. Und er selbst habe realisiert: «Klischees sind selten die Wahrheit.»

Überrascht sei Wespe vom Protagonisten Mischa gewesen, der mit seinem Offroader durch die Landschaft brettert und Bäume umfährt. Ein Draufgänger? Nicht nur. «Er entspricht dem typischen Mannsbild», so Wespe. «Aber da ist auch die zerbrechliche Seite an ihm.» Die zeigt sich, als Mischa nach Hause kommt, seinen Hund als «Kampfschmusi» bezeichnet und seine Frau mit einem Kuss und einem Blumenstrauss begrüsst. Später spricht er sichtlich gerührt darüber, was für eine tolle Frau er doch habe.

Hans Ruedi lautet der Name des zweiten Protagonisten. «Hast du einen Ohrschutz?», wird Wespe im Film von diesem flüsternd gefragt, als bald darauf der erste Schuss erklingt. Hans Ruedi ist ein passionierter Jäger, der einen Sommerbock schiessen möchte. Früher war Jagen eine Männersache. Hier glaubt Wespe ebenfalls, Antworten auf Männerfragen zu finden, wie er sagt.

Und dann ist da noch der sensible Marius, der Männerseminare besucht und Bäume umarmt. Er wurde von seiner Verlobten verlassen und will um sie kämpfen.

Protagonist Mischa und Sohn Adi am «Offroad Event» in Bürglen im Kanton Thurgau.

Protagonist Mischa und Sohn Adi am «Offroad Event» in Bürglen im Kanton Thurgau.

(Bild: Film «Manne»)

Filmer wird Protagonist

«Die Frage, was ein richtiger Mann ist, kann man unmöglich für alle beantworten», sagt Luzius Wespe. So entscheidet sich der 38-Jährige im Prozess des Entstehens des Filmes, nicht nur die drei Protagonisten vor die Kamera zu lotsen, sondern auch sich selbst. Lange genug habe er sich hinter der Kamera versteckt. Luzius Wespe befindet sich damals in einer schwierigen Lebenssituation. Denn er ist in eine Frau verliebt. Aber nicht in die Frau, mit der er seit 15 Jahren gemeinsam ein Leben aufgebaut hat.

«Die Frage, was ein richtiger Mann ist, kann man unmöglich für alle beantworten.»

Luzius Wespe, Luzerner Filmemacher

In diesem Emotionsstrudel begleitet Wespe Protagonist Marius in die Schwitzhütte – ein Wendepunkt für Wespe. Es wird ihm zu heiss, es wird ihm zu viel. Erschöpft verlässt er die Schwitzhütte und liegt nackt auf dem Waldboden. «Ich bin bei mir – und da muss ich hinschauen», so Wespes Stimme im Film. Und das sei der Auslöser gewesen, weswegen sich Wespe entschied, die Kamera auch auf sich zu richten.

Protagonist Marius meditiert beim Schwitzhütten Seminar im Wald bei Glarisegg im Kanton Thurgau.

Protagonist Marius meditiert beim Schwitzhütten Seminar im Wald bei Glarisegg im Kanton Thurgau.

(Bild: FIlm «Manne»)

Intime Einblicke

Luzius Wespe ist mit seiner Filmkamera sehr nahe an den Protagonisten, die mit der Zeit nicht mehr «nur» Protagonisten für ihn sind, sondern Freunde. Freunde, mit denen er intensive Gespräche führt, über seine und ihre Gefühle – um so auf Umwegen, «auf denen er manchmal recht unmännlich» ausgesehen habe, sich selbst zu finden.

Die Männer sprechen offen über Frauen, Beziehungskrisen und Sexualität. Geht es denn nur darum? Wespe verneint. Je nach Lebensabschnitt stünden bei einem Mann unterschiedliche Männerthemen und Entscheidungen an. «Mein Ziel war es zum damaligen Zeitpunkt, mit einem Menschen zusammen zu sein, den ich liebe, um vielleicht auch einmal eine Familie zu gründen», sagt Wespe. «So wurden Fragen rund um Beziehungen und Sexualität automatisch auch Teil des Filmes.» Wespes Protagonisten und ihre verschiedenen Männerhaltungen werden so auch zum Spiegel für Wespes Themen.

Ja, ein Mann darf auch mal «härzig» sein

Und, darf denn nun ein Mann auch mal «härzig» sein? Ursprünglich von der Frage geplagt, meint Luzius Wespe nun lachend: «Ich hoffe es doch. Die Charaktereigenschaft eines Mannes kann sehr wohl ‹härzig› sein. Aber dass ein erwachsener Mann nur als ‹härzig› bezeichnet wird – das möchte ich dann doch niemandem wünschen.»

«Ein richtiger Mann zeugt ein Kind, pflanzt einen Baum an und baut sein eigenes Haus.»

Marius, Protagonist im Film «Manne»

Luzius Wespe hat dank seiner Arbeit Antworten gefunden. «Das traditionelle Rollenbild von Frau und Mann hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt», sagt er. «Frauen stehen heute für ihre eigenen Bedürfnisse ein und das ist auch richtig so.» Dadurch habe sich die Beziehungsdynamik zwischen Mann und Frau geändert. «Die Bedürfnisse zwischen den beiden Geschlechtern werden neu vereinbart. Und das ist meine persönliche Antwort auf die Frage, was ein richtiger Mann ist: Er hält die Balance zwischen seinen eigenen Bedürfnissen und derjenigen der Frau.»

Protagonist Marius sagte zu Beginn des Filmes: «Ein richtiger Mann zeugt ein Kind, pflanzt einen Baum an und baut sein eigenes Haus.» Ob er zu seiner Liebe zurückfindet? Und wie geht es mit Luzius Wespe weiter? Wird Hans Ruedi seinen Sommerbock schiessen können und hat Mischa mehr als nur Schrammen an seinem Geländewagen?

Antworten auf diese Fragen gibt’s im Dokumentarfilm «Manne» von Luzius Wespe auf SRF.

Protagonist Hans Ruedi auf der Treibjagd im Jagdrevier «Grüebli» am Pilatus.

Protagonist Hans Ruedi auf der Treibjagd im Jagdrevier «Grüebli» am Pilatus.

(Bild: Film «Manne»)

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