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Daniel Gasser: «Das erwartete Verkehrschaos ist ausgeblieben»
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Daniel Gasser besucht die Mall of Switzerland hin und wieder auch privat.  (Bild: les)

Ebikons Gemeindepräsident blickt auf 1 Jahr Mall Daniel Gasser: «Das erwartete Verkehrschaos ist ausgeblieben»

4 min Lesezeit 12.11.2018, 05:15 Uhr

Das Shoppingcenter Mall of Switzerland hat seit einem Jahr geöffnet. Auch Ebikons Gemeindepräsident, Daniel Gasser, kauft ab und zu dort ein. Keine Freude hat Gasser an Falschparkern ohne Luzerner Nummernschild. Mit den Anwohnern habe man die Situation dafür gut in den Griff bekommen. 

Die Verantwortlichen der Mall of Switzerland ziehen nach einem Jahr ein positives Fazit. Mit 3,9 Millionen Besuchern habe man das Ziel erreicht (zentralplus berichtete). In der öffentlichen Wahrnehmung sind jedoch auch die Leerflächen ein Thema. Und immer wieder wird die Verkehrssituation rund um das Shoppingcenter thematisiert. Ebikons Gemeindepräsident Daniel Gasser (CVP) erlebte das erste Jahr positiv, wie er im Gespräch anlässlich des ersten Geburtstags der Mall erklärt. 

zentralplus: Daniel Gasser, am Anfang gab es viele Kritiker der Mall. Hat sich die Ebikoner Bevölkerung nach einem Jahr mit dem Konsumtempel versöhnt?

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Daniel Gasser: Von offizieller Seite ist das Verhältnis von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Bei der Bevölkerung spüre ich eine steigende Akzeptanz. Es gab immer Befürworter und Gegner – mittlerweile traut man sich dazu zu stehen, die Mall zu besuchen. Dass es heute länger dauert, bis ein neues Angebot Einzug in den Alltag der Bevölkerung findet, ist bekannt. Auch weil es viele andere Möglichkeiten gibt.

zentralplus: Es gibt Menschen, welche es mit Freude sehen würden, wenn das Konzept der Mall scheitern würde. Was entgegnen Sie?

Gasser: Die Mall ist ein Teil von Ebikon. Das ist ein Fakt, sich dagegen aufzulehnen ist sinnlos. Wir haben als Standortgemeinde ein grosses Interesse daran, dass die Mall funktioniert. Erstens steigert es unsere Attraktivität– zweitens erwarten wir aus finanzieller Sicht positive Effekte, sprich Steuereinnahmen.

zentralplus: Gibt es Prognosen, wie viele Steuern die Mall einst der Gemeinde Ebikon zahlen soll?

Gasser: Dazu kann ich leider nichts sagen. 

zentralplus: Verlieren könnten dafür Gewerbetreibende. Mit 16 neuen Gastroangeboten haben auch die Beizer in Ebikon neue Konkurrenz erhalten. Wie ist die Stimmung beim Gewerbe?

Gasser: Ein klassischer Handwerker wird durch die Mall nicht konkurrenziert. Im Gegenteil, möglicherweise erhält er gar Aufträge. Bei den Detaillisten ist die Situation etwas anders. Dass sie sich in einem schwierigen Umfeld befinden – Stichwort Onlinehandel –, ist nichts Neues. Man muss aber festhalten, dass sich das Einkaufsverhalten der Bevölkerung nur langsam ändert, wir haben dazu auch Studien machen lassen. Auch eine Stammbeiz wechsle ich übrigens nicht von einem Tag auf den anderen.  

zentralplus: Gehen Sie persönlich in der Mall einkaufen?

Gasser: Ja, vielleicht einmal im Monat. Mir ist es aber ebenso wichtig, auch die Detaillisten im Zentrum zu unterstützen. Dort findet vieles statt, was identitätsstiftend ist und das soziale Zusammenleben bereichert. Man trifft aber auch in der Mall immer mehr Ebikoner, die man kennt. 

zentralplus: Die Mall sorgt auch für Negativschlagzeilen. Fürchten Sie sich nicht vor einem Reputationsschaden für die Gemeinde Ebikon?

Gasser: Sie wissen ja selbst, wie die Medien funktionieren. Es gibt kurzfristige und mittelfristige Schäden. Sehr viele Botschaften sind so schnell vergessen, wie sie publik wurden. Ich denke eher, wir müssen uns mittelfristig orientieren. So, wie die Mall aufgegleist ist, hat sie Potenzial. Es braucht einfach eine Anlaufzeit. Auch das Shoppingcenter Sihlcity wurde zehn Jahre medial schlechtgeredet – heute hat es sich etabliert. 

«Selten hat es auch heute noch Autos mit ausserkantonalen Nummernschildern im Quartier.»

zentralplus: Zu reden gibt insbesondere der Verkehr. Wie nehmen Sie die Situation wahr?

Gasser: Das erwartete Verkehrschaos ist ausgeblieben. Ich las Berichte über ein Verkehrschaos um die Mall, aber wir in der Gemeinde haben davon gar nichts gemerkt. Die Wahrnehmung ist hier nicht identisch mit einigen Schlagzeilen. Effektiv kann man sagen, dass es an sieben oder acht Tagen Probleme mit dem Verkehr gab. Im Zentrum von Ebikon spürt man dies jedoch nicht. Bloss die Hälfte der Mall-Besucher kommt mit dem Auto, davon verlässt über die Hälfte Ebikon via Autobahnzubringer.

zentralplus: Reklamation gab es, weil Mall-Kunden sich trotz Parkhaus einfach in Quartieren einen Gratisparkplatz suchten. Konnten Sie das Problem in den Griff kriegen?

Gasser: Gerade in der Eröffnungsphase gab es diesbezüglich negative Rückmeldungen. Selten hat es auch heute noch Autos mit ausserkantonalen Nummernschildern im Quartier. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen. Man fährt 20 oder 30 Kilometer und macht sich dann die Mühe, in einem unbekannten Quartier die Leute «hässig» zu machen, um zwei Franken fürs Parkhaus zu sparen. Das ist überhaupt nicht rational.

zentralplus: A propos Nachbarschaft: Diese hatte sich mit Einsprachen gegen einzelne Aussenaktivitäten während der Sommermonate gewehrt – die Gemeinde erteilte anschliessend keine Bewilligung. Gibt’s ein Lärmproblem?

Gasser: Konzerte benötigen keine Bewilligung. Was auf diesem Areal passiert, entscheidet der Eigentümer. Wenn Ihr Nachbar zu laut ist, müssen Sie sich auch direkt melden oder die Polizei informieren. Die verweigerte Bewilligung betraf den Bau einer Tribüne. Nichtsdestotrotz haben wir einen runden Tisch ins Leben gerufen mit den Gemeindepräsidien von Dierikon und Buchrain, dem Verband LuzernPlus, den Verantwortlichen der Mall, mir und verschiedenen Anwohnern. Dabei haben wir die gegenseitigen Standpunkte geklärt.

zentralplus: Hat es etwas gebracht?

Gasser: Eines der Konzerte im Frühling muss sehr laut gewesen sein und hat den Ärger der Nachbarschaft auf sich gezogen. Die Mall hat eine Hotline eingerichtet, wo sich Anwohner melden können. Seither sind mir jedoch keine Probleme bekannt.

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