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Dan Tangnes: «Wir standen unter mentalem Stress»
  • Sport
EVZ-Trainer Dan Tangnes stellt sich nach der zweiten Finalniederlage in Bern schützend vor seinen Goalie und seine Mannschaft. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus )

So erklärt der EVZ-Trainer zweite Finalpleite Dan Tangnes: «Wir standen unter mentalem Stress»

4 min Lesezeit 17.04.2019, 13:09 Uhr

In Zeiten höchster Zuger Goalie-Not macht Dan Tangnes ein neues Fass auf. Wie einst Winkelried stellt sich der EVZ-Trainer vor seine Mannschaft hin und sagt nach der 1:4-Niederlage in Bern: «Es ist mir nicht gelungen, die Mannschaft vor dem Spiel mental zu befreien.»

Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei? Diese evolutionäre Frage beschäftigt derzeit auch den EV Zug. Auf die mit 1:2 in der Finalserie zurückliegenden Zentralschweizer umgemünzt heissen die Fragen: War zuerst die mentale Blockade? Oder war sie eine Folge von Tobias Stephans erstem Bock, der zum 0:1 führte?

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Dazu muss man wissen: Ein Goalie, der auf diesem Niveau nicht auf dem Posten ist, wirkt sich auf eine Mannschaft aus wie eine Grippe. Wenn seine Mitspieler zudem wissen, dass er noch nie eine Mannschaft zum Titel hexen konnte, verstärkt das die Unsicherheit. Der EVZ war von allem Anfang an seiner defensiven Trittfestigkeit beraubt. Erst recht, nachdem die Zuger nach dem glückhaften 1:1 einen zweiten haltbaren Treffer kassierten (Abwehrquote von 88,46 Prozent). Nach 13 Minuten war die Partie bereits entschieden (zentralplus berichtete) und der erst vierte Sieg im neunten Playoff-Heimspiel der Berner eingefahren.

Zug schüchtern, SCB fliegend

Wie erwartet negierte Dan Tangnes ein Goalieproblem nach der zweiten aufeinanderfolgenden Niederlage in der Finalserie. Welcher Trainer giesst in dieser Situation schon zusätzliches Öl ins Feuer? «Es war sicher nicht Stephans Fehler, dass wir gegen Bern verloren haben», verteidigte Tangnes seinen Goalie. Wohl gerade im Bewusstsein darum, dass der Cupsieger dringend einen starken Goalie benötigt, wenn der Traum vom Zuger Double nicht schon bald platzen soll.

Tangnes strich lieber die zu hohe Anzahl an sinnfreien Strafen der Zuger heraus. Das war ohne Zweifel ein weiterer Grund für die frühe Vorentscheidung und die verpasste Rückkehr ins Spiel. Der EVZ-Trainer nahm vor allem sich in die Verantwortung: «Ich habe es nicht geschafft, die Spieler vor dem Match mental zu befreien. Wir spielten schüchtern, derweil der SC Bern fliegend aus der Garderobe kam.»

Wer hat die mental stärkere Gruppe?

Aber warum war das so? «Das ist die eine-Million-Dollar-Frage», entgegnete der 40-jährige Norweger schmunzelnd. Darauf wisse er keine Antwort, fügte Tangnes an.

«Die Finalserie verdichtet sich darauf, wer die mental stärkere Gruppe in der Garderobe hat.»

Dan Tangnes, Trainer des EV Zug

Hat die 2:3-Niederlage in der Verlängerung des zweiten Finalspiels – die erste Heimpleite überhaupt in den laufenden Playoffs – das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis der Zuger wirklich weggefegt? Tangnes ist sich bewusst: «Die Finalserie verdichtet sich darauf, wer die mental stärkere Gruppe in der Garderobe hat. Und wie diese mit einem Momentum umgeht.» Selbstredend, dass die Berner nun auf der Erfolgswelle surfen. Und sie haben weit mehr Erfahrung darin, wie man Titel gewinnt.

Ab ins Kino?

Wie will er also den Lauf der Berner brechen? Ab ins Kino – wie im letzten Jahrtausend?

Die Frage zielte auf ein legendäres Intermezzo ab, als die Zuger 1998 auf dem Weg zu ihrem ersten und bislang einzigen Meistertitel in der Halbfinalserie ins Straucheln gerieten. Sie schauten sich auf Geheiss des damaligen Präsidenten Fredy Egli beim Stande von 2:3 nach Siegen und  vordem dritten Heimspiel der Leventiner den Everest-Film im Imax-Kino in Luzern an, kehrten in der Folge die Serie und hatten im Final gegen Davos keine Probleme mehr (zentralplus berichtete).

Und wie beantwortete Tangnes die Frage nach seinem aktuellen Schlachtplan? «Noch habe ich keine Antwort darauf», sagte er offen und ehrlich. Es sei seine Aufgabe, der Mannschaft eine Perspektive zu geben. So habe er seine Spieler in der ersten Drittelspause gefragt: «Was ist das Schlimmste, was uns heute passieren kann?»

Eher ein Bummler als ein Schnell-Zug

Die Antwort, die er in den Köpfen der Zuger provozieren wollte, konnte nur so lauten: der zweite Finalsieg der Berner. Anders ausgedrückt: Es ist noch immer alles in der Reihe. Der SCB mit dem ersten Heimvorteil hat zweimal zu Hause gespielt, Zug einmal. Es steht 2:1 nach Siegen. So what?

Seine Leistung im dritten Finalspiel in Bern emotionalisiert die Gemüter im EVZ-Umfeld: Kann Tobias Stephan der nächste Meistergoalie der Klubgeschichte werden?

Seine Leistung im dritten Finalspiel in Bern emotionalisiert die Gemüter im EVZ-Umfeld: Kann Tobias Stephan der nächste Meistergoalie der Klubgeschichte werden?

(Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Das Problem ist, dass der EVZ mit den zwei Niederlagen in seine grösste «Sinn-Krise» gestürzt ist, seit die Playoffs Anfang März begonnen haben. Der Elan, dieses unaufhörliche Wirbeln der Beine, ist dem früheren Schnell-Zug abhanden gekommen. Momentan gemahnt Zug eher an einen Bummler mit einem Goalieproblem.

Ausweg aus allen Widrigkeiten

Klar ist: Tangnes wird Stephan im vierten Finalspiel am Donnerstag (20 Uhr, Bossard Arena) nicht durch Ersatzgoalie Sandro Aeschlimann ersetzen. Weil es ein zu hohes Risiko ist. Geht es schief, bleibt der Duft der dritten Final-Niederlage gegen den SC Bern nach 1997 und 2017 in seinen Kleidern hängen.

Und klar ist auch: Stephan und seine Vorderleute müssen sich deutlich steigern. Gelingt das, wird Stephan als grosser Goalie und mit ihm seine Vorderleute als Titanen in die Geschichte des EV Zug und des Schweizer Eishockeys eingehen. Es war in dieser Saison stets eine Stärke der Zuger, trotz aller Widrigkeiten einen Weg zum Erfolg zu finden.

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