Damian Müller zum Vaterschaftsurlaub: «Jetzt ist nicht die Zeit für Geschenke»
  • Politik
Der Luzerner Ständerat Damian Müller spricht sich gegen einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub aus. (Bild: zvg)

Tweet mit Zündstoff Damian Müller zum Vaterschaftsurlaub: «Jetzt ist nicht die Zeit für Geschenke»

2 min Lesezeit 7 Kommentare 28.07.2020, 08:55 Uhr

Ständerat Damian Müller spricht sich gegen einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub aus. Dass er die Extrazeit für junge Väter als «Geschenk» bezeichnet, provoziert Reaktionen.

Ständerat und Parlament haben sich 2019 für zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub ausgesprochen – im Juni der Ständerat und im September der Nationalrat. Doch ein Referendum versucht, das zu verhindern. Die Abstimmung soll am 27. September stattfinden.

Der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller aus Hitzkirch mischt sich auf Twitter nun pointiert in den Abstimmungskampf ein. «Jetzt ist nicht die Zeit für Geschenke», schreibt er, und verlinkt dabei einen Artikel zum Thema auf seiner Webseite.

«Kein dringendes Anliegen»

Dessen Botschaft: In der schwierigen wirtschaftliche Lage rund um Corona ist der «Papi-Urlaub» kein dringendes Anliegen. Müller schreibt: «Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch nötig.» Das gelte in der aktuellen Wirtschaftskrise «insbesondere auch für das scheinbar populäre Anliegen eines staatlich finanzierten Papi-Urlaubs».

Auf Müllers Äusserungen reagierten insbesondere Politikerinnen und Politiker von Mitte-links mit Unverständnis. «Um diesen minimalen Vaterschaftsurlaub als Geschenk zu bezeichnen muss schon unendlich viel Ignoranz vorhanden sein», kritisiert der Schaffhauser SP-Vertreter Cédric Käppler scharf.

Diplomatischer die Politiker aus dem Kanton: Der Grüne Krienser Stadtrat Maurus Frey schreibt etwa: «Es ist kein Geschenk. Es ist eine Aufgabe, eine Verantwortung». Die SP der Stadt Luzern weist derweil daraufhin, dass sich Müller gleichzeitig für Kinderabzüge eingesetzt habe, die den Staat teurer zu stehen kämen als der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub.

FDP stimmte mehrheitlich für Elternzeit

Auf Facebook gab es dann aber auch Zuspruch für Müller. Etwa für seine Bemerkung, dass viele Unternehmen schon gute Lösungen böten. Deshalb sei eine gesetzliche Verankerung des Vaterschaftsurlaub überflüssig.

Der ledige Müller hat sich in der Vergangenheit genauso wie die FDP-Parteileitung für das Konzept einer 16-wöchigen Elternzeit ausgesprochen. Demnach hätte die Mutter fix 8 Wochen Urlaub, weitere 8 Wochen können Mutter und Vater sich aufteilen.

Die FDP Schweiz hat zur Abstimmung am 27. September noch keine Parole gefasst, im Parlament war sie mehrheitlich dafür. 

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7 Kommentare
  1. Castille, 28.07.2020, 18:31 Uhr

    So lange es für Kinder zwei Elternteile braucht – so lange sollten sie sich auch in den Aufgaben teilen.
    – Die Basis für eine gute Vater/Kind-Beziehung beginnt spätestens mit der Geburt und nicht erst, wenn Papi mit den Kindern wandern gehen möchte… Es gibt schon zu viele Kinder, die Männer nur noch aus den Medien kennen. Leider sind das beileibe nicht immer die gewünschten Vorbilder.
    Doch woher soll D. Müller das wissen?

  2. Kurt Flury, 28.07.2020, 15:49 Uhr

    Würden Wahlen bevorstehen, wären (heutzutags) solche Worte aus dem Mund eines FDP-Politikers undenkbar.
    Diesem Gesetz wurde meines Wissens mit Hilfe der FDP zum Durchbruch verholfen. Ist Hr. D. Müller jetzt in der falschen Partei?

  3. CScherrer, 28.07.2020, 13:34 Uhr

    Damian Müller macht, was die FDP am Gängelband der Wirtschaft machen muss. Und einmal mehr zeigt die Wirtschaft resp. die FDP ihr wahres Gesicht. Die Personalkosten sollen weiterhin tief gehalten werden. Doch Herr Müller jetzt ist genau die Zeit für solche Geschenke. Es macht durchaus Sinn, dass junge Familien gefördert werden. Oder braucht die Wirtschaft keine Arbeitnehmer mehr? Holt die FDP diese dann aus dem Ausland? Vermutlich schon, weil billiger.
    Herr Müller nicht mehr wieder wählen ist die einzig richtige Antwort.

  4. Kasimir Pfyffer, 28.07.2020, 09:04 Uhr

    Wer braucht schon Väter, die sich für ihre Kinder engagieren? Lasst uns das Geld lieber für Kampfjets verlochen, die bei Gewitter nicht fliegen dürfen. Oder für eine Dinosaurier-Autobahn mit acht Spuren. Oh, oder eine hübsche Steuersenkung für Vermögende wäre doch auch noch was. Aber Kinder und Väter? Wääääh, davon hätten ja viele etwas und nicht nur das oberste Prozent.

    1. strapsi babsi, 28.07.2020, 12:16 Uhr

      damian müller = 🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️

    2. Luzernereinwohner, 28.07.2020, 12:37 Uhr

      Wahltag ist Zahltag!
      Wer braucht schon Damian Müller?

    3. CScherrer, 28.07.2020, 13:37 Uhr

      @Luzernereinwohner: Vermutlich eben die Wirtschaft und die, die der Wirtschaft hörig sind. Das ist das ganz grosse Problem. Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz lassen Wähler abstruse Kandidaten wählen.

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