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Medienverbot: Schüür und Sedel distanzieren sich
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Auftritt von Leech am Samstag in der Schüür: Journalisten, die über das Konzert berichten wollten, durften rein. (Bild: Silvio Zeder)

Dachverband will Konzertberichte unterbinden Medienverbot: Schüür und Sedel distanzieren sich

3 min Lesezeit 7 Kommentare 07.06.2020, 10:01 Uhr

No Media Policy: Petzi repräsentiert als Dachverband über Musikclubs in 21 Kantonen – darunter auch in Luzern und Zug. Nun will dieser verhindern, dass Medien über die Wiedereröffnungen berichten. Das sorgt für Kritik.

Journalistinnen sollen in den nächsten Wochen keinen Zugang zu Musik-Clubs bekommen – zumindest wenn es nach dem Dachverband Petzi geht. Das geht aus einem Schreiben hervor, das an mehr als 250 Clubs in der Schweiz gegangen sein soll und das derzeit auf Twitter die Runde macht. Mitglieder bei Petzi sind in Luzern teilweise subventionierte Institutionen wie das Neubad, das Treibhaus, die Schüür, der Südpol und der Sedel. In Zug sind die Chollerhalle und das Kulturzentrum Galvanik dabei.

«Clubs und Konzerte sind für viele Menschen ein Safe Space», heisst es in dem Schreiben. «Nach drei Monaten des Verzichts ist es wichtig, dass dieser geschützte Raum nicht durch Medien gestört wird.» Deshalb habe man sich mit den Partnerdachverbänden PromoterSuisse darauf geeinigt, alle Medienanfragen zur Begleitung des Wiedereröffnungswochenendes und gegebenenfalls auch in den nächsten Wochen in Clubs zumindest auf Stufe Dachverband abzulehnen.

«Safe Space» – ein Vorwand um kritische Berichte zu unterbinden?

Das Schreiben wird von Journalistinnen und Journalisten auf Twitter als Einschränkung der Pressefreiheit kritisiert. Es sei ein schönes Beispiel dafür, die der Begriff «Safe Space» völlig pervetiert werde. Wohl um allfällige kritische Berichterstattung zu unterbinden.

«Mir ist nicht ganz klar wie der Verein auf die Idee kommt, dass Medien die Clubs stören würden.»

Sedel-Chef Boris Rossi

Diskutiert wird auf Twitter, dass Journalisten einfach als Gast die Veranstaltungen besuchen könnten. Gemäss den Richtlinien des Schweizer Presserates ist es aber unlauter, bei der Beschaffung von Informationen, Tönen, Bildern und Dokumenten den Beruf als Journalistin zu verschleiern.

Sedel wundert sich über den Dachverband

Zuger und Luzerner Clubs sind nicht verpflichtet, sich an die Empfehlung des Dachverbandes zu halten. Zentralplus hat eine Medienanfrage platziert, wie sie damit umzugehen gedenken.

Beim Sedel heisst es auf Anfrage, man habe das Schreiben nicht erhalten und könne daher auch nichts zu den Beweggründen des Vereins sagen. «Mir ist nicht ganz klar wie der Verein auf die Idee kommt, dass Medien die Clubs stören würden oder wieso sich das Publikum unsicher fühlen sollte, wenn Medien vor Ort sind», schreibt Boris Rossi, der den Sedel Club leitet.

«In der Schüür gibt es keinen Medienausschluss.»

Schüür-Chef Marco Liembd

Der Sedel erfülle die Auflagen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), habe ein Schutzkonzept und somit «auch keinen Grund uns vor den Medien zu verstecken». «Wir können die Empfehlung von Petzi auch nicht ganz nachvollziehen. Natürlich haben wir auch immer Freude an den Vorschauen und Konzertberichte.»

Schüür liess den Konzertberichterstatter ein

Die Schüür nahm in einem Facebook-Post Stellung dazu. «In der Schüür gibt es keinen Medienausschluss», heisst es darin. Man habe das Konzert zur Live-Übertragung angeboten, jedoch ohne Erfolg.

«Medienanfragen nach dem Motto, man wolle kucken kommen wie denn das so sei», habe man abgelehnt. Das Konzert sei nicht im Vordergrund gestanden. Am Samstag sei mit Pirmin Bossart aber ein Journalist anwesend gewesen, um über das Konzert zu berichten. Die Pressefreiheit sei also nicht unterbunden.

Live-Stream vom Konzert der Band Leech am Samstag-Abend in der Schüür.

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7 Kommentare
  1. Andi, 08.06.2020, 11:52 Uhr

    Die Clubs, die keine Medien zulassen, schiessen sich ins eigene Knie.
    Vorschau – ja gerne.
    Am Konzert auftauchen – derzeit lieber nicht.
    Auch ich habe jetzt wochenlang kein Konzert besucht und war froh, am Radio zu hören, wie es einem Konzertbesucher nach dieser langen Pause am ersten Konzert erging.
    Was ist daran so falsch?
    Schlaue Medien werden sich künftig ein Billett kaufen, unterstützen damit den Klub und sind erst noch vor Ort.
    Und warum genau soll man Konzertbesucher nicht via soziale Medien kontaktieren? Das ist Teil einer Recherche im Jahr 2020. Was ist daran so falsch? Ich kann auf eine solche Anfrage antworten – oder eben nicht.

  2. Peter Bitterli, 08.06.2020, 10:52 Uhr

    Jaaa, da ist natürlich die Pressefreiheit in allerhöchster Gefahr, wenn es keine dümmlichen, musikalisch dilettantischen, stilistisch jämmerlichen und inhaltlich abstrusen Textli mehr gibt über das fälschlicherweise als „Kunst“ bezeichnete Geschrumme und Geplärre über banalem Akkordfundament und plumper Rhythmik, das sich an solchen Orten produziert.
    Wobei natürlich der Ruf nach einem „safe space“ für die Generation Schneeflöckli, die offenbar vom vorauseilenden Corona-Gehorsam seelisch so hart getroffen ist, dass sie sich am liebsten in Mutters Schoss zurückziehen möchte, wo sie wahrscheinlich auch hingehört, mit der Albernheit der dann fehlenden Textli locker mithalten kann.

    1. Daniela Übersax, 08.06.2020, 12:10 Uhr

      Wow, was ist denn Ihr Problem? Medien sind nach ihnen unfähig. Musiker und Klubs sowieso, und dann kann man gleich noch gegen die Jungen treten. Mein Tipp nach diesem Rundumschlag : ziehen Die die Decke über den Kopf und ersparen Sie uns ihre destruktiven Gedanken.

  3. mebinger, 07.06.2020, 13:10 Uhr

    Ich verstehe dies vollkommen, da unsere Staatsmedien diese Hysterie, welche unsere Gesellschaft zerstört unterstützt, anstatt kritisch zu begleiten, würde ich keinen einzigen Journalisten rein lassen

    1. M. Moser, 07.06.2020, 13:49 Uhr

      Herr Mebinger, sie kennen aber schon die Wechselwirkung zwischen Journalismus und Event-Marketing??? Wie soll Journalismus unsere Gesellschaft denn zerstören? Oder sehen sie sich am Ende als Massstab an dem guter Journalismus gemessen werden soll? Oder sind am Ende alle die Lügenmedien die nicht die Meinung des Herrn Mebinger teilen? Fragen über Fragen…

    2. Daniela Übersax, 08.06.2020, 12:30 Uhr

      Aber Vorschquen platzieren und über die Häuser schreiben sollen die Medien weiterhin? Da geht etwas nicht ganz auf ..

  4. M. Moser, 07.06.2020, 11:33 Uhr

    Als drehen jetzt „Kulturschaffende“ komplett ab?? Unter fadenscheinigen Gründen möchte ein abstruser Dachverband jetzt Konzertberichte verhindern? Ich frage mich langsam was möchte denn dieser Verband mit dem Verbot der Berichterstattung verhindern? Eventuelle Verstösse gegen die Corona-Richtlinien??? Fast könnte man es meinen, dass die Beunruhigung der Konzertbesucher durch Journalisten nur als Vorwand dient. Ich würde diesem obskuren Dachverband wohl anraten, nochmals über die Bücher zu gehen, denn die Wirkungen für die Kultur ,und wenn nicht mehr darüber berichtet wird, könnten sich als Schuss ins eigene Knie erweisen.

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