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CVP macht Stadtzugerin Silvia Thalmann-Gut zur Kampfkandidatin
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Diese drei Christdemokraten wollen in die Zuger Regierung: Martin Pfister (links, bisher), Silvia Thalmann-Gut (neu) und Beat Villiger (bisher). (Bild: mam )

Regierungsratswahlen im Herbst werden spannend CVP macht Stadtzugerin Silvia Thalmann-Gut zur Kampfkandidatin

4 min Lesezeit 02.05.2018, 23:16 Uhr

Die CVP des Kantons Zug nutzt schlau das Momentum – und strebt einen zusätzlichen Sitz in der Regierung an. Mit Silvia Thalmann-Gut nominiert sie eine dritte Kandidatin, die verhindern soll, dass die Zuger Regierung zum reinen Männerclub wird. Und die sicher stellen soll, dass der Kantonshauptort weiter in der Regierung vertreten bleibt.

Sie musste nicht einmal als Kandidatin gewählt werden – Silvia Thalmann-Gut (57) aus Oberwil wurde am Mittwoch an der Delegiertenversammlung der CVP des Kantons Zug in Walchwil einfach nur heftig beklatscht und war den Tränen nah, als sie für die Wahl in die Zuger Regierung aufgestellt wurde.

Die CVP-Führung hatte sich in der Nominationsversammlung Mitte März die Kompetenz geben lassen, neben den bisherigen Magistraten Martin Pfister und Beat Villger eine dritte Kandidatur für die Regierungsratswahlen zu erwägen – dies noch unter der Ägide des mittlerweile verstorbenen Parteipräsidenten Pirmin Frei (zentralplus berichtete).

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Politisch erfahren

Mit Thalmann-Gut hat die Partei nun eine Kandidatin gefunden, die seit 2007 im Zuger Kantonsrat sitzt, gut vernetzt ist und eine lange politische Erfahrung hat – auch als ehemalige Präsidentin der CVP-Stadtpartei. Sie ist eine bürgerliche Frau mit ausgeprägter Fähigkeit zum sozialen Ausgleich.

Thalmann-Gut hat ihre Laufbahn als Primarlehrerin begonnen, wurde dann Personalverantwortliche und anschliessend Fachfrau im Finanz- und Rechnungswesen. Sie ist mit einem Anwalt verheiratet und hat einen Sohn.

Eine Frau muss auf die Liste

Politisch ist sie vorab in der Bildungs- und Gesundheitspolitik aktiv – hat aber auch eine Veranlagung zur Sparapostelin: In der Debatte um eine Verkleinerung der Zuger Regierung von sieben auf fünf Mitglieder trat sie nachdrücklich für eine Verkleinerung des Gremiums ein – aus Spargründen, wie sie sagt. «Heute bin ich froh, dass das Vorhaben gescheitert ist,» sagte sie am Mittwoch ironisch und hatte damit die Lacher auf ihrer Seite.

Silvia Thalmann-Gut.

Silvia Thalmann-Gut.

(Bild: mam)

«Ich habe mir den Entschluss nicht einfach gemacht», sagte Thalmann-Gut. «Aber es geht nicht, dass die Zuger Bevölkerung keine Möglichkeit hat, eine Frau auf die Wahlliste für die Regierung zu setzen.»

Weichelt und Michel – beide Stadtzuger wollen nicht mehr

Thalmann-Guts Kandidatur ist zwar keine direkte Kriegserklärung an die andere Mittepartei FDP, die im Herbst zwei bisherige Regierungsmitglieder zu ersetzen hat. Denn die Oberwilern gehört nicht zu den lautesten Politikern. Aber sie ist eine valable Alternative für all jene, die weiter jemanden aus der Stadt Zug in der Regierung wünschen. Denn der letzte Vertreter der Stadt, Matthias Michel (FDP), tritt bekanntlich nicht mehr an.

Besondere Sprengkraft hatte die CVP-Versammlung aber durch den angekündigten Verzicht von Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard (ALG) auf eine erneute Kandidatur erhalten. Sie ist die letzte Frau in der Zuger Regierung. Nun droht das Gremium zum reinen Männerclub zu werden – ausser die Wahl von Thalmann-Gut verhindert dies im Herbst.

Keine andere Frau in Sicht

Die SVP will im Herbst mit ihren beiden bisherigen Regierungsräten Stephan Schleiss und Heinz Tännler antreten. Die FDP hat mit den neu kandidierenden Florian Weber und Andreas Hostettler ebenfalls zwei Männer aufs Schild gehoben – und die Kandidatin Carina Brüngger-Ebinger nicht berücksichtigt. Die Grünliberalen bringen mit Daniel Stadlin ebenfalls einen männlichen Kandidaten.

Die Grünalternativen, die noch nicht nominiert haben, wollen sich laut ihrem Präsidenten Andreas Lustenberger nicht auf eine Frauenkandidatur verpflichten lassen (zentralplus berichtete).

Und die Sozialdemokraten, die ebenfalls noch nicht über eine Kandidatur entschieden haben, waren zuletzt gar nicht mehr in der Regierung. Ausserdem hat sich ihre profilierteste Kandidatin – Barbara Gysel, Präsidentin der SP-Kantonalpartei – bereits auf die Zuger Stadtratswahlen festgelegt. Sie will Nachfolgerin von Stapi Dolfi Müller werden.

«Mit Demut, aber auch mit Biss»

Die CVP selber sieht Silvia Thalmann-Gut «als bürgerliche Kandidatin, die aber für alle wählbar ist», wie es der Zuger Gemeindepolitiker und Laudator Othmar Keiser sagte. Neben den Verfechtern eines minimalen Frauenanteils in der Regierung, unabhängigen Wählern aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich  erhoffen sich die Christdemokraten laut Keiser aber auch speziell Stimmen aus dem Gewerbe. «Sie bringt einen gut gefüllten Rucksack mit», befand er.

«Ich hätte wirklich Freude, wenn ich die Aufgabe als Regierungsrätin übernehmen könnte,» sagte Thalmann-Gut ihrerseits. Und versprach «mit Demut, aber auch mit Biss» ans Werk zu gehen.

Ja zum Geldspielgesetz mit Vorbehalten

Neben der Nomination einer dritten Regierungsratskandidatin beschloss die CVP des Kantons Zug an der Delegiertenversammlung vom Mittwoch auch die Parolen zu den anstehenden eidgenössischen Abstimmungen. Grossen Aufwand betrieben die CVP-Granden, um die Basis von einer Ja-Parole fürs Geldspielgesetz zu überzeugen. Ständerat Peter Hegglin stellte die Vorlage ausführlich vor und Regierungsrat Beat Villiger warnte davor, sie abzulehnen – da sonst weniger Geld für Swisslos abfallen und Sport- und Kulturprojekten in der Folge finanzielle Mittel aus Unterstützungsleistungen fehlen würden.

Engagiert warb Andri Silberschmidt, der Präsident der Schweizer Jungfreisinnigen für ein Nein zum Gesetz.  Es bedeute, dass der Staat ein Monopol für «Betoncasinos» schaffe. Die CVP-Delegierten stimmten am Schluss relativ knapp mit 56 zu 36 Stimmen, bei einer Enthaltung, für ein Ja zum Geldspielgesetz.

Kaum Support erhielt die Vollgeldinitiative. CVP-Präsident Gehard Pfister verdammte die Vorlage in Bausch und Bogen, ein Pro-Redner trat nicht auf. Die CVP beschloss denn auch eine Nein-Parole mit 90 zu 2 Stimmen bei einer Enthaltung.

 

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