Crypto Valley Zug droht zum Tal des Todes zu werden
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Noch ist das Crypto Valley Zug grün. Doch wenn nicht bald zusätzliche Finanzquellen sprudeln, trocknet es aus. (Bild: Manuel Gautschi / Montage: lob) (Bild: Manuel Gautschi / Mpontage: lob)

Start-ups müssen auf Corona-Hilfe warten Crypto Valley Zug droht zum Tal des Todes zu werden

4 min Lesezeit 7 Kommentare 28.04.2020, 04:56 Uhr

80 Prozent der Start-up-Firmen aus dem Zuger Crypto Valley fürchten den Bankrott wegen der Corona-Krise. Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen zu helfen. Doch bis Überbrückungskredite gesprochen werden, braucht es Geduld – und die Hilfe der Kantone.

Sie wurde nur acht Monate alt: Die Firma Bitcoin Oil aus Zug. Vor ein paar Tagen verfügte ein Einzelrichter ihre Auflösung. Letzten Sommer war sie von einem Briten gegründet worden durch die Einlage von 2,15 Bitcoins als Stammkapital. Am Schluss wurde sie von einem Amerikaner geführt. Eine bekannte Zuger Treuhandgesellschaft ist auch involviert.

Zwar hat die Firma keine eigene Räumlichkeiten, sondern ist in einem Briefkasten zu Hause. Trotzdem kann Bitcoin Oil als Symbol gelten. Als Symbol für die Gefahr, die Start-ups des Crypto Valleys Zug von der Corona-Krise droht – und die nun beginnt, einzelnen Firmen den Garaus zu machen.

Alarmzeichen gibt es seit langem

Bereits Anfang April hatte der Dachverband Swiss Blockchain Federation in einer Umfrage festgestellt, dass rund 80 Prozent von 203 Unternehmen aus der Branche damit rechnen, innerhalb des nächsten halben Jahres Bankrott zu sein.

Knapp 90 Prozent gaben an, nicht ohne staatliche Hilfe durch die Krise zu kommen. Über die Hälfte hat bereits Mitarbeitende entlassen und 90 Prozent glauben, dies in Zukunft tun zu müssen. Insgesamt waren 800 Firmen angeschrieben worden, von denen ein Viertel antwortete.

Es fehlen Investoren und Kredite

Das grosse Problem der jungen Fintech-Start-ups: Sie kommen nicht an genügend Überbrückungshilfen heran, weil diese an Umsatz und Lohnsummen geknüpft sind. «Mehr als zwei Drittel – 68,3 Prozent – derjenigen Start-ups, die einen «Covid-Kredit» beantragt haben, erhielten diesen nicht», hält die Swiss Blockchain Federation in ihrer Studie fest.

Will einen staatlichen Fonds zur Innovationsförderung: Mathias Ruch, Präsident der Crypto Valley Association.

Zweiter Stolperstein: Start-ups sind auf neues Kapital angewiesen, um Finanzierungsrunden bestreiten und wachsen zu können. Sie kämpfen mit einer grösseren Zurückhaltung von Wagniskapitalgebern. «Wir brauchen nicht primär Kredite oder Mietzinsstundungen», sagt ein Unternehmer in der Umfrage des Dachverbands. «Wir brauchen Investitionen. Sie sind für uns das einzig Überlebenswichtige.»

Zuger will eine Milliarde für Innovation

Die Stimmung ist gedrückt: «Wir fühlen uns hilflos», lautet ein weiteres Zitat aus der Umfrage. «Wenn nichts geschieht, ist das Crypto Valley in einem halben Jahr das Death Valley.»

Vor diesem Hintergrund hat Mathias Ruch, der Präsident der Crypto Valley Association und Vorstandsmitglied der Swiss Blockchain Federation kürzlich in der «Luzerner Zeitung» die Schaffung eines Hilfsfonds angeregt. Mit einer Milliarde Franken sollten Innovationen gefördert werden.

Bund wählt pragmatischen Weg

Das bleibt vorderhand Wunschdenken. Zwar sind die Hilferufe der Branche beim Bundesrat angekommen. Am Mittwoch signalisierte Finanzminister Ueli Maurer (SVP) Bereitschaft zur unkomplizierten Hilfe fürs Crypto Valley Zug. «Viele Sponsoren ziehen sich zurück», sagte er. Daher gelte es, diese Unternehmen zu unterstützen, damit die Schweiz in diesem Bereich führend bleibe.

Aber der Umfang der zusätzlichen Unterstützung, die der Bundesrat an «zukunftsfähige Start-ups» ausrichten will, ist kleiner als von Ruch erhofft. 100 Millionen Franken zusätzlicher Corona-Kredite sollen ihnen gewährt werden. Ein Verfahren zu ihrer Vergabe wird derzeit entwickelt. «Dieser Ansatz kann ohne zeitaufwendige Gesetzesänderung umgesetzt werden», erklärt das Eidgenössische Finanzdepartement in einer Mitteilung.

Zug, Zürich, Tessin sind wichtig für die Branche

Weil der Bund für 65 Prozent der Summe bürgen will und interessierte Kantone für 35 Prozent einstehen sollen, könnte ein Kreditvolumen von 154 Millionen Franken ausgelöst werden.

Für die Branche ist also wichtig, ob und wie die Kantone helfen. Relevant für die Blockchain-Industrie sind die Kantone Zürich, Zug und Tessin, die auch Mitglieder im Dachverband Swiss Blockchain Federation sind. Präsident des Vorstandes ist der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler.

Eiserne Reserve nicht zur Innovationsförderung gedacht

Bekanntlich bieten Zug und Zürich zusätzlich zu den Corona-Überbrückungskrediten des Bundes kantonale Bürgschaften für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Umfang von 100 und 500 Millionen Franken. Der Kanton Tessin verlässt sich ganz auf das nationale Hilfsprogramm.

Im Kanton Zug gäbe es zusätzlich eine Notreserve von 20 Millionen Franken, die für Firmen reserviert sind, die durch alle Maschen fallen. Jedoch sei der Stützungfonds à fonds perdu nicht als Innovationsfördertopf gedacht, heisst es bei der Zuger Volkswirtschaftsdirektion.

Finanzdirektor Tännler will neuen Fonds aufbauen

Heinz Tännler, Vorsteher der Finanzdirektion des Kantons Zug, kündigte deshalb in der «Sonntagszeitung» an, dass er einen eigenen Zuger Fonds mit gegen 100 Millionen Franken aufbauen will. Rund die Hälfte soll von staatlicher Seite kommen: 20 bis 30 Millionen würden der Kanton und die Stadt Zug beisteuern, 10 bis 15 Millionen sollen vom Bund über die Bürgschaften in den Fonds fliessen. Den Rest sollen die privaten Investoren einbringen. Diese Kredite sollen in Aktienkapital umgewandelt werden können. Man sei mit dem Bund im Gespräch, um die Details zu klären.     

Die Branche muss sich also noch etwas gedulden. «Für jene Kantone, die beim Bundesprogramm «startup» teilnehmen, wird der Start am 1. Mai sein», sagt Bernhard Neidhart, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug. Die internen Entscheidungsprozesse aller Kantone seien erst gerade gestartet worden.

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7 Kommentare
  1. mebinger, 28.04.2020, 19:22 Uhr

    Crypto Valley Zug interessiert mich nicht im Geringsten, aber ich hoffe alle anderen werden unbürokratisch und vor allem grosszügig unterstützt, aber da habe ich meine Zweifel

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  2. Adabei, 28.04.2020, 16:09 Uhr

    Gratuliere zu dem Artikel, endlich einmal jemand, der getraut, hinter den Hype zu schauen. Es ist schon lustig, wie die Zuger Politiker einer nach dem andern diesem Pyramidensystem aufgesessen ist, ohne einmal nachzudenken. Vor wenigen Jahren haben wir noch die Käufer der «Kings Club Letter» ausgelacht und haben vergessen, dass Bitcoins und Cryptowährungen gar nichts anderes sind.

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  3. Hans Peter Roth, 28.04.2020, 14:27 Uhr

    Keinen Corona-Rappen für die Blockchain-Tech-Firmen! Die Unterstützung für diese Firmen ist widersinnig und kontraproduktiv, eine Ohrfeige ins Gesicht der Klima-Bewegung. Eine einzelne Finanztransaktion mit Bitcoins verschlingt 200 Kilowatt Strom, etwa gleichviel, wie eine vierköpfige Familie in drei Wochen verbraucht. Abgesehen von der Stromverschwendung fördert diese Technologie durch ihre Anonymität die weltweite Schattenwirtschaft wie Menschen-, Waffen- und Drogenhandel, aber auch die Steuerhinterziehung. Zwar passen solche Aktivitäten gut ins Crypto-Valley Zug, aber sie bedienen nur die Interessen der kleinen Schicht der Kleptokraten. Das Argument der Befürworter einer staatlichen Blockchain-Unterstützung wird (einmal mehr) der «Verlust von Arbeitsplätzen» sein. Abgesehen davon, dass Briefkästen keine wirklichen Arbeitsplätze darstellen, muss klar festgehalten werden, dass eine zukunftsgerichtete Gesellschaft nicht jeden Mülljob bewahren muss, sondern vielmehr die Arbeitszeiten kürzen sollte.

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  4. P. Teifel, 28.04.2020, 14:25 Uhr

    Diese Firmen sind nur Opportunisten und nicht Innovatoren. Sie profitieren vom Crypto-Hype und sollen für schnelles Geld sorgen. Investoren und Gründer werden reich und alle anderen gehen leer aus – im besten Falle noch die Zuger Bevölkerung, welche fragwürdigen Steuerzahlern die Hand her hält.

    Die Geldgeber und Ventures solcher Firmen sind auf Rendite aus und wissen, dass es sich um Risikokapital handelt. Vor Corona war das einfach lukrativer als das Geld bei der Bank zu haben … zu viel Geld war da und viel Risikobereitschaft – das rächt sich nun. Aber das gehört zur Casino-Mentalität des Investorenmarkts.

    Nun soll der Steuerzahler für Kredite sorgen, dass diese Firmen überleben? Und wofür? Welche Arbeitsplätze sollen gerettet werden? Oder darf der Briefkasten noch vergoldet werden? Oder dass die Rendite der Anleger dann später ausbezahlt werden darf …

    Retten wir KMU, welche Wertschöpfung generieren, Arbeitsplätze schaffen, Sinn stiften. Und nicht irgendwelche Vehikel, welche für 2,x Bitcoin gegründet wurden. Wenn uns die Corona-Krise etwas lernt, ist es der Wert von Sinn und Solidarität.

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  5. Werner, 28.04.2020, 13:33 Uhr

    „2.15 Bitcoin Stammkapital“? Etwa 16‘000 Franken?

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    1. Adabei, 28.04.2020, 15:59 Uhr

      Schön wärs – auf jeden Fall ist das nur ganz viel heisse Luft, was unser Crypto Valley bis jetzt geboten hat. Aber Hauptsache wir waren mit dabei 😉

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    2. Redaktion Markus Mathis, 28.04.2020, 16:46 Uhr

      Am 7. August hatten diese 2,14176 Bitcoins offenbar einen Wert von 20’000 Franken. Jedenfalls wurden für diese Einlage 200 Stammanteile à 100 Franken ausgegeben – so stehts im Handeslregisterauszug (www.hrazg.ch).

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