Crypto International AG erhält weiterhin Millionen-Aufträge
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Die Crypto International AG in Steinhausen produziert weiter – noch.

Trotz Ausfuhrverbot Crypto International AG erhält weiterhin Millionen-Aufträge

2 min Lesezeit 1 Kommentar 05.10.2020, 07:58 Uhr

Die Crypto International AG in Steinhausen produziert offenbar weiterhin Chiffriergeräte für den Export. Und dies, obwohl das Unternehmen Ende August allen Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen hat.

Bei allen Irrungen und Wirrungen um die Nachfolgeorganisation der sagenumwobenen Crypto AG und ihren Verstrickungen mit ausländischen Geheimdiensten: Der Technologie der Nachfolgefirma Crypto International AG wird offenbar weiterhin vertraut: Wie die «NZZ» berichtet, sind die Auftragsbücher der Zuger Verschlüsselungsexperten mit schwedischem Hintergrund gut gefüllt. Vor allem wegen des Inselstreits im südchinesischen Meer sei die Nachfrage hoch.

Der Bundesrat hat Ende August ein Exportverbot für die Firma ausgesprochen, die im Besitz des schwedischen Ehepaars Andreas und Emma Linde ist. Daraufhin wurde die gesamte Belegschaft von rund 80 Mitarbeitern entlassen.

Während der Kündigungsfrist arbeiten die meisten von ihnen aber weiter, wie die Besitzer gegenüber der «NZZ» bestätigen. Zuletzt hatte der Bundesrat ein Wiedererwägungsgesuch abgelehnt.

Die Zeitung folgert, dass Linde die Hoffnung nicht ganz aufgegeben habe, dass zumindest für die bereits produzierten Güter doch noch eine Ausfuhrbewilligung erteilt wird.

Baldige Klärung nicht wahrscheinlich

Von einer baldigen Klärung des Sachverhalts durch die Bundesanwälte sei allerdings nicht auszugehen. Den Lindes werden gute Kenntnisse der Chiffrierbranche nachgesagt, mögliche Verbindungen zur CIA werden ebenfalls kolportiert.

Die Ermittler haben am Firmensitz in Steinhausen offenbar zum Export bestimmte Geräte beschlagnahmt und versiegeln lassen. Dabei handle es sich um Einzelstücke, die auf mögliche Manipulationen überprüft werden sollen.

Dafür müssten die Geräte allerdings entsiegelt werden. Dagegen wehren sich die betroffenen Staaten oder staatsnahen Betriebe aber vehement. So wurden gegen die Schweizer Behörden Warnungen vor dem Eingriff in die staatliche Autonomie ausgesprochen. Im Falle einer Entsiegelung der sensitiven Chiffriergeräte werden diplomatische Konsequenzen angedroht.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 05.10.2020, 12:34 Uhr

    Da wäre es interessant zu wissen, welche Staaten hier Drohungen gegen die Schweiz aussprechen. Sind es die USA, welche nicht wollen, dass man herausfindet, dass auch die allerneuesten Crypto-Geräte noch eine CIA-Hintertüre besitzen? Da müsste die Bundesanwaltschaft sofort die Geräte beschlagnahmen anstatt sie nur zu versiegeln. Geheimdienste sind bekannterweise auch Meister im Verschwindenlassen von Beweismitteln.

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