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Cowboy Flückiger macht jetzt, was er will
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Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) unter Beobachtung des aggressiven Journalisten Frédéric Roux (Fabian Krüger). (Bild: SRF/Daniel Winkler)

Kritik der Luzerner «Tatort»-Abschiedsfolge Cowboy Flückiger macht jetzt, was er will

5 min Lesezeit 25.10.2019, 18:30 Uhr

Kommissar Flückiger macht den John Wayne und bringt damit nicht nur seine Kollegin Liz Ritschard auf die Palme. Die letzte Luzerner «Tatort»-Folge verheddert sich zwischen Fake News und Kriegsgeschäften. Es ist nicht der erhoffte, würdige Abgang.

Man hat das Gefühl, sie wollten nochmals möglichst viel von Luzern zeigen in diesem letzten «Tatort» aus der Leuchtenstadt. Darum: kaum Agglo-Blues, dafür viele lange Drohnen-Aufnahmen aus der hohen Vogelperspektive über dem herbstlichen Seebecken. Schön.

Aber leider gehören diese Aufnahmen schon zu den Highlights der Abschiedsfolge von Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer). Nach acht Jahren und 17 Folgen übernehmen nächstes Jahr zwei Zürcherinnen den Schweizer «Tatort».

Denn so viel vorweg: «Der Elefant im Raum» (Regie: Tom Gerber) ist eine etwas konstruierte, sich arg dem Themen-Mainstream anbiedernde Story über korrupte Wirtschaft-Politik-Verflechtung und Fake-News-Gebaren.

Und sicherlich hilft es dem Luzerner Duo nicht, dass er just eine Woche nach dem neusten Fall von Kommissar Felix Murot (Hessen) gesendet wurde, der in einer anderen Liga spielt.

Liz Ritschard (Delia Mayer) in ihrem letzten «Tatort»-Einsatz.

Die totale Medienfreiheit

Nun aber zur Story: Es fängt mit einem Gala-Dinner an, bei dem sich die versammelte wirtschaftliche und politische Elite auf einem Dampfer auf dem Vierwaldstättersee trifft (Drohnenaufnahme!). Von seiner Partnerin mitgeschleppt wird auch Reto Flückiger, der schon bald eins auf die Rübe bekommt (nicht das letzte Mal). Und der Abend endet desaströs mit Nebelpetarden, einem Kapitän mit Herzinfarkt und einem verschwundenen Querkopf-Linkspolitiker.

Und da sind sie auch schon: die Verschwörungstheoretiker von «Veritas News», die ungefragt jedem die Kamera unter die Nase strecken, einen Anschlag wittern und Flückiger im Laufe des Falls zur Weissglut treiben. In der Rolle des unerschrockenen Verfechters der totalen Meinungsfreiheit – ein helvetischer Julian Assange – glänzt Fabian Krüger als Frédéric Roux. Er schlachtet jeden Fehltritt (sie häufen sich) von Flückiger genüsslich mit Online-Schlagzeilen aus.

Corinna Haas (Fabienne Hadorn) durchsucht die Server des aggressiven News-Portals «Veritas News».

Ein Opfer der «Behörden-Fuzzis»

Zum Schmaus geladen hatte der schleimige Regierungsrat Planker, dessen Sohn zwielichtige Rüstungsgeschäfte betreibt. Die Grenzen sind alsbald abgesteckt: Hier die Elite und der Mainstream – vertreten durch korrupte Politik, skrupellose Wirtschaft und Systempresse. Letztere wird versinnbildlicht durch die «Luzerner Zeitung»-Chefredaktorin Sonja Christen (Mona Petri), die noch jede Pressekonferenz selber besucht und sich gut mit den Schmiergeschäften der Plankers arrangiert hat.

So sieht der Filz aus: Planker Jr. (Manuel Löwensberg), Planker Sr. (Andrea Zogg) und LZ-Chefredakteurin Sonja Christen (Mona Petri).

Auf der anderen Seite die erwähnten Kämpfer der freien Rede im Internet und der verschwundene Politiker Bernhard Ineichen (Martin Hug), der gegen die Rüstungsgeschäfte recherchiert. Ist er Opfer oder Täter? Dass die Journalistin Christen seine Ex-Frau ist und inzwischen mit Planker junior schläft, macht die Sache recht undurchsichtig.

Immer wichtiger wird im Verlauf des Falles Christian Streuli (stark: Aaron Hitz), ein Opfer des System, dem von den «Behörden-Fuzzis» alles genommen wurde und der – Zufall? – auf dem Gala-Schiff kellnert.

Reto Flückiger (Stefan Gubser) vernimmt den zunehmend verzweifelten Christian Streuli (Aaron Hitz).

Ist sogar der Chef korrupt?

Mittendrin in diesem überfrachteten Geflecht: Cowboy Reto Flückiger – und die unerschrockene Liz Ritschard, die am Anfang grippebedingt vom Bett aus ermitteln muss, es aber natürlich trotzdem nicht lassen kann.

Während sich Flückiger am Anfang mit frischen Orangen noch rührend um seine Partnerin kümmert, wirft diese ihm im Verlauf des Films – zu Recht – vor, er verhalte sich mit seinen Prolo-Aktionen wie John Wayne.

Die Ermittler kommen einfach nicht vom Fleck, weil es zu viele Motive und zwielichtige Gestalten gibt: Eifersucht, Behörden-Willkür, Korruption, dreckige Kriegsgeschäfte, gegängelte Medien. Zudem erschwert ihnen der Vorgesetzte Mattmann die Ermittlungen. Er kennt Regierungsrat Planker aus Studentenverbindungszeiten bestens und ist womöglich selber korrupt.

Reto Flückiger kümmert sich um seine kranke Kollegin Liz Ritschard.

… und dann die Schlussszene 😢

Der diffuse Fall nimmt dann immerhin nicht den erwarteten Verlauf, bleibt aber im recht statisch konstruierten Geflecht aus bösen Medien, schmierigen Geschäftsmännern und heldenhaftem Cop schnell einmal beliebig. Und in der Auflösung auch reichlich mutlos.

Natürlich können wir hier weder den Mörder verraten noch den Abschied von Flückiger und Ritschard. Nur so viel: Es gibt viel Feuer, es gibt einen gescheiterten Helden, noch mehr Tote und eine, nun ja – leider sehr gesuchte Schlussszene.

Man hätte dem Luzerner Duo einen glanzvolleren Abgang gewünscht, und die Hoffnung war berechtig nach den mehr als soliden und teils richtig guten vorangegangenen Filmen.

Hinweis: Letzter Luzerner «Tatort»: «Der Elefant im Raum»: Sonntag, 27. Oktober, 20.05 Uhr, SRF 1

Zitate, die bleiben:

«Keine Panik, bleiben Sie sitzen!»

Der Käptn bei der Rauchpetarden-Attacke, kurz bevor er an einem Herzinfarkt stirbt.

«Sie schauen zu viele Krimis.»

Flückiger zum Hauswart, der einen Durchsuchungsbefehl sehen will.

«Ein arroganter Klugscheisser, ein typischer Journi.»

Flückiger zu Frédéric Roux von «Veritas News»

«Wenn die Mehrheit etwas richtig findet, ist es automatisch ein Fakt.»

Nochmals der Roux

«Bist du jetzt John Wayne?»

Ritschard zu Flückiger, nachdem er ihr mit dem BMW den Weg abschneidet.

«Deine Zeit ist vorbei.»

Roux zu Flückiger (er hat recht)

«Ich bin raus – ich kann machen, was ich will.»

Flückiger (er hat recht)

«Pornos, Hollywood, Tschutten, billiges Rindfleisch mit Sauce.»

Streuli über die Zutaten der Gehirnwäsche – häh?

«Schade, bist du keine Frau.»

Ritschard zu Flückiger (sie hat recht)

«Nobody is perfect.»

Antwort Flückiger (er hat recht)

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