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Coronavirus: In Nottwil wird ein Medical Center für den Notfall errichtet
  • Gesellschaft
Einblick in die Intensivstation am Standort Luzern des Luzerner Kantonsspitals. (Symbolbild: zvg)

Schwangere können nicht mehr in Wolhusen gebären Coronavirus: In Nottwil wird ein Medical Center für den Notfall errichtet

4 min Lesezeit 25.03.2020, 10:46 Uhr

Der Kanton Luzern erhöht die Zahl der Spitalbetten und Beatmungsplätze. Am Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil wird für den Notfall ein Medical Center mit rund 200 Betten errichtet. Die Rehaklinik Sonnmatt wird als Akutspital genutzt und stellt 80 Betten zur Verfügung. Zudem stehen seit diesem Mittwoch rund 84 Soldaten im Luzerner Kantonsspital im Einsatz.

Der Kantonale Führungsstab hat – gestützt auf die Vorgaben des Regierungsrates – den Auftrag erteilt, am Schweizer Paraplegikerzentrum (SPZ) in Nottwil ein Medical Center zu errichten. In einer ersten Etappe sollen innerhalb von zwei Wochen rund 200 Betten zur Verfügung gestellt werden. Die Kapazität im Endausbau und Vollbetrieb könne bei Bedarf noch weiter gesteigert werden, teilen die Verantwortlichen am Mittwoch mit. Die Inbetriebnahme ist auf den 6. April geplant.

Das Medical Center wird in der Turnhalle, der Aula und soweit nötig in weiteren Räumen des SPZ eingerichtet. Es wird losgelöst vom SPZ-Tagesbetrieb durch Militär und Zivilschutz betrieben.

Das SPZ stellt zudem seinen neuen akutmedizinischen Nordtrakt mit bis zu 100 Betten inklusive Intensivstation und rund 30 Beatmungsplätze komplett für die Behandlung von Patienten, die am Coronavirus erkrankt sind, zur Verfügung. Gleichzeitig werden in der Rehaklinic Sonnmatt in Luzern 80 Betten zur Verfügung gestellt. Die Klinik wurde bereits vorübergehend als Akutspital in die Spitalliste aufgenommen.

84 Soldaten der Armee sind im Luks im Einsatz

Wie die Verantwortlichen an der Pressekonferenz mitteilten, sind seit diesem Mittwoch auch rund 84 Soldatinnen und Soldaten der Armee im Luzerner Kantonsspital (Luks) im Einsatz.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung rechnet das Luks damit, dass die Zahl der Fälle, welche hospitalisiert werden müssen, in den nächsten Tagen und Wochen stark ansteigen wird. Um darauf vorbereitet zu sein, ist das Luks seit dem 17. März im Notfallbetrieb und führt nur noch dringliche Eingriffe und Notfalloperationen durch. Mit den dadurch frei werdenden personellen und infrastrukturellen Ressourcen wurden und werden an allen drei LUKS-Standorten die Plätze für Corona-Patienten unter Hochdruck ausgebaut:

  • Der komplette 10. Stock des Spitalzentrums in Luzern wird als Isolierungsstation betrieben, der 6. Stock ist für den gleichen Zweck einsatzbereit. Auch in Sursee (7. Stock) und Wolhusen (3. und 5. Stock) wurden Isolierungsstationen eingerichtet. Insgesamt stehen damit derzeit über 120 Betten für Corona-Patienten bereit. Der Ausbau weiterer Stockwerke mit rund 200 zusätzlichen Betten ist in Planung und kann schnell realisiert werden.
  • In Luzern ist die alte Intensivstation der Chirurgie auf dem 4. Stock wieder betriebsbereit und im 2. OG des Zentrums für Intensivmedizin sind weitere Plätze für Intensivpatienten in Vorbereitung. Damit und mit dem Ausbau der Kapazitäten in Sursee und Wolhusen kann die Zahl der Intensivbetten am Luks in kurzer Zeit auf rund 65 erhöht und damit mehr als verdoppelt werden.
  • An allen LUKS-Standorten wurden sogenannte Fast-Tracks eingerichtet, in welchen bei Verdachtsfällen täglich zwischen 150 und 200 ambulante Abstriche vorgenommen werden.

Schwangere müssen nach Luzern

Zudem können Schwangere nicht mehr im Spital Wolhusen gebären, sondern müssen nach Luzern. Ambulante Schwangerschaftsuntersuchungen bleiben vor Ort in Wolhusen. Derzeit gibt es in Wolhusen rund neun Geburten pro Woche, wie es an der Pressekonferenz vom Mittwoch hiess. Die Auslagerung der Geburtshilfe gilt per 1. April.

Damit will das Spital insbesondere in der Anästhesie personelle Ressourcen freischaufeln. Für die Umsetzung dieser Massnahme werden in Luzern zusätzliche Gebärzimmer bereitgestellt und das Team in Luzern wird durch Hebammen vom Standort Wolhusen unterstützt. Sobald sich die Situation normalisiere, werde die Geburtshilfe nach Wolhusen zurückkehren.

Klinik St. Anna: Mehr als 100 Betten für Corona-Erkrankte

Die Hirslanden Klinik St. Anna ist Teil der kantonalen Pandemieplanung und beteiligt sich mit allen personellen, materiellen und infrastrukturellen Ressourcen an der Krisenbewältigung im Kanton Luzern. Im St. Anna wurden zu diesem Zweck zwei Spezialstationen für die Isolation von COVID-19-Patienten vorbereitet und ein Fast Track eingerichtet, der eine grösstmögliche räumliche Trennung der Patientenströme bieten soll.

Die Kapazität für die Behandlung von COVID-19-Patienten liegt in der Klinik St. Anna bei mehr als 100 Betten. Bei Bedarf werden die Kapazitäten der Klinik Meggen, die ebenfalls zum Hirslanden-Netzwerk am Platz Luzern gehört, beigezogen. Die verfügbaren Intensivpflegeplätze wurden im St. Anna auf aktuell 24 Plätze mehr als verdoppelt. Eingriffe werden nach medizinischer Dringlichkeit priorisiert, die Geburtenstation und das Notfallzentrum sind – mit situationsgerecht erweiterten Schutzmassnahmen – wie gewohnt in Betrieb.

Massnahmen im Asylwesen

Weiter wurden auch Massnahmen im Asylwesen ergriffen: Die Belegung der Zentren wurde reduziert, weitere Umplatzierungen in Wohnungen sind geplant. In den Durchgangszentren Sonnenhof und Grosshof gibt es Isoliereinheiten, um Asylsuchende mit Symptomen zu isolieren.

Psychiatrische Angebote weiterhin zugänglich

Alle ambulanten und stationären psychiatrischen Angebote in der Grund- und Notfallversorgung in den Kantonen Luzern, Obwalden und Nidwalden bleiben grundsätzlich zugänglich. 

Übernahme von Nicht-COVID-19-Patienten aus anderen Kantonen

Der Kanton Luzern ist im Rahmen der Möglichkeiten bereit, Patienten aus anderen Kantonen zu übernehmen und medizinisch zu versorgen. Es sind zurzeit Patientinnen und Patienten, welche nicht an COVID-19 erkrankt sind und die transportfähig sind. Als nicht sinnvoll erweise sich die Verlegung von COVID-19-Patienten, da diese beatmet werden müssen.

«Es ist insbesondere für den Kanton Tessin aktuell eine sehr schwierige Situation. Indem wir hier Patienten der Intensivmedizin an den Luzerner Spitälern LUKS und Hirslanden Klinik St. Anna medizinisch versorgen können, leisten wir einen Beitrag zur Entlastung des Tessiner Gesundheitssystems», wird Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf in der Mitteilung zitiert.

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