Corona-Kluft: Wir driften immer weiter auseinander
  • Gesellschaft
Social Distancing vergrössert auch die gesellschaftliche Kluft. (Bild: Unsplash)

Studie der HSLU zum Zusammenleben Corona-Kluft: Wir driften immer weiter auseinander

2 min Lesezeit 3 Kommentare 01.12.2020, 18:21 Uhr

Im Zuge der Pandemie ziehen wir uns tiefer in unsere «Bubble» zurück. Gleichzeitig nehmen die Schweizer das Auseinanderdriften der Gesellschaft stärker wahr – mit kleinen regionalen Unterschieden. Das zeigt eine Langzeitstudie.

Forscher der Hochschule Luzern haben untersucht, wie sich das Zusammenleben der Schweizerinnen seit Ausbruch der Corona-Krise verändert hat. Sie stellen fest: In allen untersuchten Regionen der Schweiz spüren die Menschen, dass sich die zwischenmenschliche Distanz seit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Massnahmen vergrössert hat.

Die Langzeitstudie besteht aus regelmässig stattfindenden Befragungen von jeweils 1’000 Personen in der ganzen Schweiz. Die letzte Erhebung wurde im Oktober und November landesweit durchgeführt. «Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie die Menschen die Veränderungen des Zusammenlebens durch Corona wahrnehmen und wie sich ihr Konsum- und Freizeitverhalten entwickelt hat», heisst es in einer Medienmitteilung.

«Die grösste Überraschung ist, dass drei von vier Schweizerinnen und Schweizern eine grössere zwischenmenschliche Distanz feststellen», so Co-Autor Marcel Zbinden, Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Luzern. Dies nachdem beim Ausbruch der Corona-Krise im Frühling noch eine grosse Solidarität zu spüren gewesen sei. «Der sich entwickelnde Zusammenhalt ist in einer relativ kurzen Zeit einer grösseren Distanz gewichen», konstatiert er.

Ein Drittel fühlt sich einsam

Ein Drittel aller Schweizerinnen und Schweizer würden sich zudem aufgrund der zunehmenden physischen Distanz durch die Corona-Krise nicht gut integriert und/oder einsam fühlen. «Das ist doch erschreckend viel», stellt Zbinden fest.

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Diese soziale Distanz wird von den Westschweizern (79 Prozent) noch stärker wahrgenommen als von den Zentralschweizern (69 Prozent). Der Unterschied von 10 Prozent ergibt für den Forscher Sinn: «Abgesehen von einzelnen Ereignissen in Schwyz und Uri gab es in der Zentralschweiz keine grösseren Ausbruchsherde. Deshalb dürfte der Wert etwas tiefer sein. Auch gab es mehr freie Spitalbetten, während sie in der Westschweiz knapp wurden.»

Corona bewegt stärker als andere globale Themen

Bei Corona sei der Drift zwischen den gesellschaftlichen Polen so ausgeprägt wie selten: «Die Diskussion über biologisch-regionale Produktion oder Nachhaltigkeit betrifft zwar ebenfalls alle, erreicht aber nicht die Intensität.»

Grund dafür ist für die Forscher, dass es «für jeden von uns um höchst relevante Werte geht, etwa die eigene Gesundheit oder die eingeschränkte Freiheit.» Deshalb werde der Ton zwischen den Lagern schärfer und die Distanz grösser. Eine weitere Beobachtung: Je tiefer wir uns in die eigene Bubble zurückziehen – in der physischen oder der virtuellen Welt – desto grösser wird die Distanz zum Rest der Gesellschaft.

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3 Kommentare
  1. Andy Bürkler, 01.12.2020, 22:13 Uhr

    @Zentralplus: Warum kann man keine Umfrage machen, einfach mit Ja/Nein oder 1-2-3-4-5 oder so?
    Warum muss man die Antwortmöglichkeiten so eng machen, das für einen nichts mehr zutreffend ist?

    Mögen Sie Eier?
    A Nein, ich esse prinzipiell nichts , was eine Schale hat.
    B Sicher, ich esse täglich mindestens 50 Eier.
    C Meine Urgrossmutter ist an einem Ei erstickt.

    Zutreffendes bitte ankreuzen!

    1. Hans Hafen, 02.12.2020, 07:35 Uhr

      Täglich ausschliesslich und mindestens 50 Eier zu verspeisen, hat sich übrigens laut einer Studie der Universität Ei-owa als die ernährungsphysiologisch beste und progressivste Ernährungsmethode erwiesen. Am besten dafür eigenen sich hierfür schmackhafte «hundertjährige Eier».

    2. Redaktion Urs-Ueli Schorno, 02.12.2020, 08:15 Uhr

      Merci für den Input. Wir werden diesen bei kommenden Umfragen in unsere Überlegungen miteinbeziehen.

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