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«Contact Tracing ist keine Alternative zu 100er-Grenze in Clubs»
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Regierungsrat Guido Graf warnte vor falschen Erwartungen an das Contact Tracing. (Bild: jal)

Luzerner Kantonsrat lehnt Ausbau ab «Contact Tracing ist keine Alternative zu 100er-Grenze in Clubs»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 08.09.2020, 13:18 Uhr

Die Auflagen für die Luzerner Clubs bleiben vorerst bestehen. Der Luzerner Kantonsrat lehnt die Forderung der Grünen nach einem Ausbau des Contact Tracing zugunsten eines effizienteren Systems für Gastronomie und Nachtleben ab.

Je mehr Corona-Fälle der Kanton Luzern verzeichnet, umso mehr haben die «Corona-Detektive» zu tun. Das Contact Tracing ist aufwändig. Unter anderem mit dieser Begründung hat der Regierungsrat Mitte Juli die maximale Gästezahl in Clubs reduziert (zentralplus berichtete).

Der Luzerner Kantonsrat Jonas Heeb forderte deshalb, die Ressourcen im Contact Tracing auszubauen und ein System auszuarbeiten, das für die Nachtkultur- und Gastronomiebetriebe effizient und wirksam funktioniere. «Wir müssen einen Weg finden, mit dem Virus umzugehen», begründete der Vertreter der Jungen Grünen.

Unterstützung erhielt er von der SP. Fraktionspräsident Marcel Budmiger argumentierte, dass der Einsatz von mehr «Corona-Detektiven» günstiger sei als die wirtschaftlichen Schäden durch starke Einschränkungen.

Guido Graf regt sich über gierige Clubs auf

Doch die Mehrheit des Kantonsrats lehnte Heebs Postulat ab. Der Regierungsrat machte zuvor klar, dass die Ressourcen für das Contact Tracing laufend erhöht würden (siehe Box).

War anfänglich nur gerade eine einzige Person im Kanton Luzern für die Nachverfolgung von Corona-Ansteckungen im Einsatz, sind es derzeit über zehn. Die Lungenliga Zentralschweiz habe für die Kantone Zug, Schwyz und Luzern bisher 600 Stellenprozente geschaffen. Im September und Oktober werden laut Regierung je nochmals 100 Stellenprozente hinzugefügt.

Entscheid zu Maskenpflicht vertagt

Für Gesprächsstoff sorgte im Vorfeld der September-Session das Postulat von Daniel Keller zur Maskenpflicht. Der SVP-Kantonsrat forderte, dass auf eine generelle, flächendeckende Einführung im Detailhandel verzichtet wird. Der Kantonsrat hat das Postulat zwar für dringlich erklärt. Aus zeitlichen Gründen wurde es aber nicht diesen Dienstag behandelt, sondern auf nächsten Montag verschoben.

Bei Medphone sind weitere 250 Stellenprozente für den Kanton Luzern abgestellt, in der Kantonsverwaltung sind es 200 Stellenprozente. Bei Bedarf könnten kurzfristig weitere Personen für das Contact Tracing eingesetzt werden, so die Regierung. «Es lässt sich aber nicht beliebig ausbauen», sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP). Irgendwann kollabiere es und mache keinen Sinn mehr.

Gleichzeitig warnte er vor falschen Erwartungen. Denn das Contact Tracing sei immer reaktiv. «Die Massnahme greift erst, wenn sich eine Person mit dem Virus angesteckt hat», sagte Graf. «Ein Ausbau des Contact Tracing ist deshalb keine Rechtfertigung oder gar eine Alternative für die Maximalgrenze an Gästen in Clubs.» Vielmehr würde eine Lockerung der Hundertergrenze bedeuten, dass man damit noch mehr Ansteckungen in Kauf nimmt. «Und das wollen wir nicht.» 

«Ich akzeptiere es nicht, wenn es nur ums Geld geht.»

Guido Graf, Gesundheitsdirektor

Graf leistete sich im Übrigen einen Seitenhieb an einige Clubbetreiber. Obwohl sich viele an die Regeln hielten – explizit erwähnte er die Schüür –, würden manche die Vorgaben missachten und wiederum andere einzig die hohle Hand machen. Letztere versetzten Graf für einen kurzen Moment in Rage. «Ich akzeptiere es nicht, wenn es nur ums Geld geht», enervierte er sich. «Insbesondere wenn es Clubbesitzer sind, die ausserhalb des Kantons wohnen und bei uns einfach Geld abholen.»

100er-Grenze wird überprüft

Der Regierungsrat lehnt es auch ab, die finanziellen Schäden der Kultur- und Nachtlebenbranche aus der eigenen Kasse auszugleichen. Primär sei der Bund dafür zuständig. «Kantonale Lösungen führten zu uneinheitlichen und auch wettbewerbsverzerrenden Regelungen», begründet die Regierung ihre Haltung. Eine separate Finanzierung sieht sie nur in Ausnahmen vor – etwa im Tourismus.

«Hören Sie auf, die heisse Kartoffel immer wieder nach Bern zu schieben.»

Urban Sager, SP

Urban Sager (SP) kritisierte, dass die Bedeutung der Kulturbranche nicht ernst genommen werde. «Hören Sie auf, die heisse Kartoffel immer wieder nach Bern zu schieben», sagte er. «Es geht darum, jetzt konkret etwas für diesen Wirtschaftszweig zu tun.»

Doch auf Seiten der Bürgerlichen stiess er damit auf taube Ohren. «Man könnte meinen, dass es nur für die Kultur eine schwierige Zeit sei», sagte zum Beispiel Urs Dickerhof (SVP).

Somit bleibt in dieser Sache vorerst alles beim Alten. Der Regierungsrat kündigt zumindest an, dass er die Branche künftig – das war ein weiterer Kritikpunkt von linker Seite – besser in den Dialog einbeziehen will. Und dass die 100er-Grenze für Clubs spätestens im Zusammenhang mit der Lockerung für die Grossanlässe überprüft wird. Der Bundesrat hat entschieden, dass ab Oktober wieder Veranstaltungen mit mehr als tausend Menschen erlaubt sind. Voraussetzung ist jedoch ein Schutzkonzept, die Bewilligung für die Anlässe erfolgt dann durch die Kantone.

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2 Kommentare
  1. mebinger, 09.09.2020, 13:11 Uhr

    Wie lange wollt ihr uns terrorisieren, die Pandemie ist seit Mai nur noch eine laue Grippewelle!

    1. John, 09.09.2020, 21:19 Uhr

      Chapeau, @mebinger, dass Sie es immer wieder einbringen, obwohl das Narrativ vom gefährlichen Virus, das uns alle auffrisst, wenn wir die Massnahmen nicht demütig (also ohne Fragen zu stellen) annehmen, übermächtig ist. Ich beobachte mit grosser Verwunderung, was da abgeht. Noch vor kurzer Zeit hätte ich jeden der Phantasterei bezichtigt, der ein solches Szenario beschrieben und für möglich gehalten hätte…

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