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Comic goes Street Art: Das Fumetto erobert die Strasse
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Ein mögliches Beispiel für das Wandbild: Skizze aus dem Baugesuch für das Fumetto-Projekt. (Bildmontage: zvg)

Luzerner Festival lanciert Pläne für ein Wandbild Comic goes Street Art: Das Fumetto erobert die Strasse

3 min Lesezeit 31.10.2017, 05:05 Uhr

Das Luzerner Comix-Festival Fumetto geht neue Wege: Für die nächste Ausgabe im Frühling 2018 soll ein Street-Art-Projekt lanciert werden. Geplant ist ein Wandbild im Babel-Quartier – mit an Bord sind zwei namhafte Künstlerinnen. 

Noch sehen die Mauern entlang der Bahngleise im nördlichen Teil von Luzern grau und trist aus – doch ab nächstem Frühling soll ein Teil davon erstrahlen. Das Comix-Festival Fumetto will nämlich für seine nächste Ausgabe 2018 sein Repertoire erweitern und den Kunstzweig Street Art in die 27. Ausgabe mit einbeziehen.

Unter Street Art versteht man in der Regel grossflächige Bilder im öffentlichen Raum, vorzugsweise auf Gebäudefassaden. In Luzern bekannt ist beispielsweise das Wandbild an der Steinenstrasse oder die «coolste Frau der Stadt» bei der ehemaligen Himmelrich-Siedlung (zentralplus berichtete). Letzteres ist ein Werk des Luzerner Künstlerduos QueenKong, das kürzlich bei der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage für Farbe und Freude sorgte (zentralplus berichtete). 

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Das Wandbild von Veronika Bürgi und Marco Schmid alias «QueenKong» bei der alten Kehrichtverbrennungsanlage in Luzern.

Das Wandbild von Veronika Bürgi und Marco Schmid alias «QueenKong» bei der alten Kehrichtverbrennungsanlage in Luzern.

(Bild: Walter Buholzer)

Die Handschrift von QueenKong dürfte auch beim Projekt von Fumetto spürbar werden. Veronika Bürgi – der weibliche Part von QueenKong – und die Zürcher Illustratorin und Grafikerin Sarah Parsons agieren als Kuratorinnen. Das geht aus dem Baugesuch hervor, das zurzeit bei der Stadt Luzern aufliegt. «Es war uns wichtig, nicht jemanden von New York in die hiesige Umgebung zu setzen, sondern mit Schweizer Künstlerinnen zu arbeiten», sagt Geesa Tuch, Leiterin Kommunikation bei Fumetto.

«Es wird sicher nicht etwas extrem Schockierendes oder Provokatives.»

Geesa Tuch, Leiterin Kommunikation bei Fumetto

Wie das Bild aussehen wird und wer es kreiert, steht noch nicht fest. «Über Motive reden wir bislang nur intern», sagt Geesa Tuch. Nur so viel sei verraten: «Es wird sicher nicht etwas extrem Schockierendes oder Provokatives.»

Drei Wände kommen in Frage

Bereits bekannt ist hingegen der Standort: entlang des Bahndamms im Babel-Quartier. Zur Leinwand umfunktioniert wird eine Wand an der Dammstrasse 1, gleich gegenüber dem Sentimatt-Gebäude, oder an der Reussinsel, gleich nach der Bahnunterführung in der Nähe des Kreuzstutz-Kreisels (siehe Karte). Alle drei Fassaden befinden sich entlang des Veloweges Richtung Emmen. Gepinselt oder gesprayt wird voraussichtlich aber nur an einem oder zwei Standorten, sagt Geesa Tuch.

Die Leinwände aus Beton

Street Art erobert nicht nur das Fumetto, sondern auch die Politik. In der Stadt Luzern forderte die SP, dass die Stadt prüft, ob weitere Fassaden für künstlerische Projekte zur Verfügung gestellt werden können (zentralplus berichtete). Die Antwort des Stadtrates steht noch aus, wird jedoch bis Mitte Dezember erfolgen.

Doch wie kam es überhaupt zur Idee? «Für das Fumetto war die Frage, wie man sich als Kunstfestival die Stadt aneignen kann, schon immer ein grosses Thema», sagt Geesa Tuch. Sie verweist als Beispiel auf die «Comix-Brücke» von 1994: Weil die Originalbilder ein Jahr nach dem Brand der Kapellbrücke fehlten, sprangen Comic-Künstlerinnen und -Künstler in die Bresche und schufen 111 Bildtafeln. Nebst diesem Dialog mit der Stadt will Fumetto mit den Grenzen des visuellen Erzählens experimentieren. Und nicht zuletzt auch schauen, «wie viel Comic in der Street Art steckt – und umgekehrt», sagt Tuch. 

Zunächst hofft man beim Fumetto, dass die Stadt die Baubewilligung erteilt. Die SBB als Eigentümerin der Wände hat ihr Einverständnis bereits gegeben. Dort sei man auf offene Ohren gestossen, sagt Tuch. Und auf solche hofft man auch in der Anwohnerschaft. «Street Art ist eine Kunstform, die verschieden wahrgenommen wird – wir wünschen uns natürlich, dass die Nachbarn sie als Bereicherung erachten.»

Die drei gemäss Baugesuch möglichen Standorte für das Fumetto-Wandbild.

Die drei gemäss Baugesuch möglichen Standorte für das Fumetto-Wandbild.

Sofern alles nach Plan läuft, entsteht das Bild Anfang April 2018 – und soll auf den Festivalstart am 14. April hin fertig sein. Bleiben soll es indessen länger als die Fumetto-Ausstellung. «Street Art ist da, um Teil der Stadt zu werden, wobei sich umgekehrt auch die Stadt verändert. Insofern weiss man noch nicht, wie lange das Bild in Luzern weiterbesteht», sagt Geesa Tuch vielsagend. «Es wird aber sicherlich nicht nach dem Festival überstrichen.»

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