Comeback des Auerhahns im Zuger Wald gelungen
  • Regionales Leben
  • Tiere
  • Umwelt
Der Auerhahn stellt seine Federn auf wie ein Pfau. (Bild: zVg)

Mindestens acht Exemplare leben in Zug Comeback des Auerhahns im Zuger Wald gelungen

3 min Lesezeit 1 Kommentar 16.08.2017, 14:52 Uhr

Der Bestand der Auerhähne und -hühner schwindet seit den 1950er-Jahren. Durch verschiedene Massnahmen ist es nun gelungen, dass der grösste Hühnervogel Europas sich in einigen Zuger Wäldern wieder wohl fühlt. Doch Spaziergänger, Hunde und Pilzssammler verträgt der scheue Vogel schlecht.

Schon einmal vom Auerhuhn gehört? Eben. Das scheue Wildhuhn lebt im Wald, kommt aber fast nicht mehr vor. Es steht auf der roten Liste gefährdeter Tier-Arten des Bundes.

Nun gibt es Hoffnung, dass die geschützten Tiere sich wieder ansiedeln: Wie das Zuger Amt für Wald und Wild mitteilt, waren die kantonalen Massnahmen zur Rettung des seit Jahrzehnten schwindenden Bestandes erfolgreich. «Unlängst wurden im Zuger Wald wieder vermehrt Auerhühner gesichtet respektive mittels genetischen Methoden identifiziert», sagt Martin Ziegler, Leiter Abteilung Schutzwald, Waldbiodiversität und Naturgefahren.

Bei der Vogelwarte Sempach bestätigt man die Sichtungen: «Wir haben an der Höhronen zwischen 2009 und 2016 zwei Hennen und mindestens zwei Hähne identifiziert», so Pierre Mollet, Projektleiter Artenförderung. Zwei Tiere konnten fotografiert, zwei weitere mittels Genanalyse von Kotproben mittels DNA nachgewiesen werden.

So sieht das Auerhuhn aus.

So sieht ein Auerhuhn aus: Seine Eier legt es am Boden.

(Bild: zvg)

Mindestens acht Tiere

Ziegler erklärt auf Anfrage, man gehe von mindestens vier Tieren an der Höhronen und vier weiteren auf dem Rossberg aus. «Das tönt nach wenig, ist aber viel, weil jedes Tier einen Lebensraum von rund einem Quadratkilometer hat. Am Höhronen gab es gar keine Auerhühner mehr, es freut uns deshalb, dass sie nun zurückgekommen sind.»

Das Auerhuhn profitierte früher von der intensiven Nutzung des Waldes fürs Brennholz und dass der Wald dadurch immer wieder gelichtet wurde. Als man zunehmend auf Kohle und Öl umstellte, und man viele dunkle Fichten pflanzte, verschwand die Vogelart zusehends. Denn sie mag keine dunklen Wälder.

«Weil die Tiere störungsanfällig sind, benötigen sie für ihre Entwicklung Ruhe.»
Martin Ziegler, Amt für Wald und Wild Zug

Waldnaturschutzgebiete ausgeschieden

Laut Martin Ziegler haben einige Massnahmen zur Erfolgsmeldung im Naturschutz beigetragen. Insbesondere wurden zwei Kerngebiete – Rossberg (Unterägeri) und Höhronen (Oberägeri) – als Waldnaturschutzgebiete im Richtplan ausgeschieden, um dort die bedrohten Bestände erhalten zu können. «Die Waldpflege wurde gezielt auf die Lebensraumansprüche des Auerhuhns ausgerichtet, das nicht zu dichte und dunkle, dafür reich strukturierte Wälder braucht», so Ziegler.

So habe man die Wälder teilweise ausgelichtet und eigentliche «Flugschneisen» für die Vögel geschaffen. Wichtig sei auch eine strukturreiche Bodenvegetation. «Auerhühner ernähren sich im Winter von Tannenschösslingen und im Sommer von Beeren, am liebsten fressen sie Heidelbeeren, die am Boden wachsen», erklärt Ziegler. Die Vögel brüteten ebenfalls am Boden.

Verbot momentan kein Thema

«Weil die Tiere störungsanfällig sind, benötigen sie für ihre Entwicklung Ruhe», so Ziegler weiter. Zum Schutz der bedrohten Art sei es deshalb wichtig, dass die Bevölkerung im Naturschutzgebiet nur markierte Wege benutze. «Wir appellieren an die Vernunft», sagt Ziegler. Wenn das nicht klappe, müsste man sich andere Massnahmen wie ein Verbot überlegen. «Doch das ist momentan kein Thema», sagt Ziegler.  Die Balz- und Brutzeit des Auerhuhns dauert von April bis Juli.

Zum Aussehen: Wie so oft in der Tierwelt sieht das Weibchen mit seinem braunen Gefieder unauffällig aus und könnte deshalb leicht mit anderen Vögeln verwechselt werden. Das Männchen hingegen hat pechschwarze Federn, welche es aufstellen kann. Dazu kommen farbige blaue Federn am Hals und ein roter Rand ums Auge, was für die Balz wichtig ist.

Das Auerhuhn ist eine von zwei im Kanton Zug vorkommenden Rauhfusshuhn-Arten. Die andere ist das Haselhuhn, das noch scheuer ist und vor allem in Bachtobeln heimisch ist. Birk- und Schneehühner, zwei weitere Rauhfusshuhn-Arten, gibt es keine in Zug.

Ein Auerhahn auf einer Rottanne.

Ein Auerhahn auf einer Rottanne.

(Bild: zVg)

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Roman Häberli, 16.08.2017, 16:14 Uhr

    „Deftig balzt der Auerhahn
    und tritt die Henne, dieser Grobian!
    Er tritt sie immer toller
    und lauter wird’s Gekoller,
    dann fällt er tot vom Federvieh.
    Erleichtert spricht drauf sie:
    Jetz is er hi!
    Fällt der Vogel tot beim Vögeln um,
    ist es auch nicht schade drum!“

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.