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Wie tickt der Mann, der den FC Luzern retten soll?
Coach Frick: «Den Spieler Frick hätte ich gerne im FCL»

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FCL-Trainer Mario Frick hat sich in seiner Karriere als Fussballer bei kleinen Vereinen in Italien einen Legendenstatus erarbeitet.
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FCL-Trainer Mario Frick hat sich in seiner Karriere als Fussballer bei kleinen Vereinen in Italien einen Legendenstatus erarbeitet. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Mario Frick hat es geschafft, sich in seiner Aktivzeit bei kleinen Vereinen in Italien einen Legendenstatus zu erarbeiten. Nun soll der 47-Jährige den FC Luzern vor dem Fall in die Zweitklassigkeit bewahren. Ein Gespräch über seinen Werdegang, seine Zeit in Italien und Personen, die bei ihm Spuren hinterlassen haben.

Jetzt steht sein Name in Luzern für die Hoffnung, dass in der Rückrunde alles besser kommen möge und der drohende Abstieg ein weiteres Mal abgewendet werden kann.

Zeit, den Menschen Mario Frick und dessen Funktionsweise näher kennenzulernen.

zentralplus: Mario Frick, was treibt Sie in Ihrem Leben an?

Mario Frick: (überlegt.) Ich hatte eine nicht so ganz einfache Kindheit. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich meinem Vater Anerkennung abringen müsste für das, was ich tue und schaffe. Darum war das immer meine Triebfeder. Wenn mir jemand sagt – wie er damals –, dass du dies oder jenes nicht schaffst, dann habe ich den Antrieb, das Gegenteil beweisen zu müssen. Ich glaube, ein guter Mensch zu sein, aber ich ging durch schwere Zeiten in früheren Jahren. Doch diese Erfahrung hat mich letztlich zu der Persönlichkeit geformt, die ich heute bin.

zentralplus: Aber mit Verlaub: Sie haben eine schöne Fussballerkarriere gemacht und sind daran, Ihre Laufbahn als Trainer in Schwung zu bringen. Da könnte man doch meinen, Sie müssten dieses Trauma überwunden haben. Sitzt die Erfahrung mit Ihrem Vater wie ein Dorn im Fleisch?

Frick: Das kann man so sagen. Das ist wie ein Programm, das bei auftretenden Schwierigkeiten in mir abläuft. Unter zunehmendem Druck habe ich das Gefühl, dass ich an mein Maximum, das in mir steckt, herankomme. Das erachte ich als meine Stärke.

zentralplus: Neun Jahre Ihrer Profikarriere als Fussballer verbrachten Sie in Italien, pendelten von der Serie C bis in die Serie A. Als Stürmer, wie Sie es waren, wird man stets an der Anzahl Toren gemessen. Aber um den Legendenstatus zu erreichen, den Sie innehatten, braucht es noch mehr. Erzählen Sie bitte.

«Ich glaube, dass ich durch meine Laufarbeit, meinen Spielstil, die Laufwege und das Pressing überall bei den Fans und dem Publikum gut angekommen bin.»

Frick: Um das zu verstehen, ist vielleicht die Anfangsgeschichte noch wichtig. Ich war zum Zeitpunkt des Wechsels schon fünf Jahre unumstrittener NLA-Spieler und hatte bereits 50 Tore geschossen und traf damals auf Trainer Gilbert Gress, unter dem ich nicht mehr regelmässig zum Zug kam, das Vertrauen nicht mehr bekam und letztlich nur noch wegwollte. Ich war total frustriert.

zentralplus: Aber damals war nur noch die Serie C für einen Transfer offen.

Frick: Genau. Also packte ich meine Sachen und meine kleine Familie zusammen und ging nach Arezzo. Das ist ein wunderschöner Fleck in der Toskana. Ich hatte das Glück, dass ich dort mit Antonio Cabrini auf einen Trainer traf, der wie ein Vater für mich gewesen ist. Er schenkte mir Vertrauen, verhielt sich extrem warmherzig. Und ich dankte es ihm mit 16 Toren in 20 Spielen. Ein halbes Jahr später begann meine Zeit in der höchsten Spielklasse Italiens.

zentralplus: Dennoch: Es brauchte mehr, um die Bedeutung zu erreichen, die Sie im Norden Italiens erlangt hatten. In Ternana sangen die Fans einst «La vie est fantastique, quando segna Mario Frick.» Wie kam es dazu?

Frick: Ich glaube, dass ich durch meine Laufarbeit, meinen Spielstil, die Laufwege und das Pressing überall bei den Fans und dem Publikum gut angekommen bin. Aber ich war auch immer sehr offen mit den Fans, pflegte immer einen guten Kontakt zu ihnen. Ich vermute, dass dieser Status von daher rührt.

zentralplus: Was hat Sie letztlich ganze neun Jahre in Italien gehalten?

Frick: Da spielte einiges hinein: Zu meiner Zeit war die Serie B in Italien sportlich höher einzustufen als die damalige Nationalliga A. Der Fussball hatte einen ganz anderen Stellenwert, und ich fühlte mich so wohl mit meiner Familie in Italien, dass eine Rückkehr in die Schweiz gar kein Thema war. Darüber hinaus war das Salär um einiges höher als jenes, was ich früher in der Schweiz verdient hatte. Das war sicher auch ein Punkt für einen Verbleib.

zentralplus: Wie würden Sie als Trainer Mario Frick den damaligen Spieler Mario Frick charakterisieren?

Frick: Oh, den hätte ich gerne in der Mannschaft (schmunzelt). Sehr dankbar, sehr willig, das umzusetzen, was man in ihm sieht. Keiner, der hintenrum Polemik macht, wenn er mal nicht zum Einsatz kam. Es ist aber seltsam und komisch, mich selber einzuschätzen.

zentralplus: Gibt es solche Spieler, wie Sie es waren, in der aktuellen Generation noch?

Frick: Das ist eine absolute Einstellungssache. Und diese Spieler gibt es nach wie vor.

zentralplus: Sie erzählten von Cabrini und Gress: Welche Trainer gibt es noch, die Sie positiv wie negativ in Ihrem Werdegang beeinflusst haben?

«Ich bin sehr italienisch angehaucht, aber das bedeutet nicht Catenaccio.»

Frick: Lassen Sie mich Ihre Frage etwas relativieren: Gilbert Gress war fachlich sehr gut und seiner Zeit mit dem 4-3-3-System und der Vorstellung eines künftigen Tiki-Taka der Schweiz weit voraus. Rückblickend habe ich schon einen riesigen Respekt davor, was Gilbert Gress geleistet hat für den Schweizer Fussball. Bei unserer Dissonanz ging es halt mehr um das Zwischenmenschliche. Cabrini war sein Gegenentwurf. Bei diesem ging es mehr um das Laissez-faire.

zentralplus: Sonst kein Trainer, der Sie prägte?

Frick: Doch, Alberto Malesani, der 1998 den Uefa-Cup mit Parma gewonnen hatte. Er hatte kaum fünf Sätze in einem Jahr mit mir gesprochen, aber er zeigte mir seine Wertschätzung dadurch, dass ich Stammspieler unter ihm war. Von Malesani hatte ich am meisten gelernt. Analytisch und taktisch war der Italiener überragend.

zentralplus: Würden Sie sagen, dass Sie in Ihrer aktuellen Arbeit als Trainer von Ihrer Aktivzeit in Italien geprägt sind?

Frick: Ich bin sehr italienisch angehaucht, aber das bedeutet nicht Catenaccio. Zum einen sind mir die Laufwege der Offensivspieler sehr wichtig. Zum andern musste ich damals als Stürmer jeweils im Training auch die Gegner des kommenden Spieltages simulieren. Dadurch habe ich sehr viel mitbekommen und gelernt, wie meine Trainer mit der Abwehr gearbeitet haben. Das hat mich sehr interessiert und ich nehme damalige Erkenntnisse in meine heutige Taktik auf.

zentralplus: Ist der italienische Fussball nach wie vor ein inspirierendes Element für Sie?

Frick: Nein, seit meine Familie und ich zurück sind aus Italien, richtet sich mein Fokus eher auf die Bundesliga und die Super League. Aber natürlich lasse ich mir ein Spitzenspiel der Serie A nicht entgehen.

zentralplus: Bei Ihrer Vorstellung als neuer FCL-Trainer haben Sie gesagt, dass es eine Ihrer grossen Stärken sei, eine Ambiance zu schaffen, damit die Spieler Leistung erbringen können. Schlägt Ihr Herz jetzt mehr auf dieser oder auf der taktischen Seite?

Frick: Auf beiden Seiten. Ich versuche, die menschliche mit der fachlichen Kompetenz zu vereinen. Ich bin gerne gut drauf, und warum soll ich das meinen Spielern nicht zeigen? Wenn sie mich lachen sehen, können sie so sein, wie sie sind. Nur so können sie funktionieren und Leistung abrufen, wie es auf dem Fussballplatz entscheidend ist.

zentralplus: Wie sieht Ihr Umgang mit Fehlern auf und neben dem Platz aus?

Frick: Fehler sind absolut erlaubt. Dabei rede ich von Abspielfehlern und Ballverlusten. Das kann einfach passieren. Mir ist in solchen Situationen aber einfach wichtig, dass wir als Mannschaft sofort umschalten und versuchen, den Fehler sofort wieder gutzumachen. Passiert aber etwas Gravierendes, kann es mich schon «verjagen». Wenn du ein lieber Mensch bist, hast du auch die gegenteilige Seite in dir. Darum kann ich auch richtig böse werden, aber das kommt selten vor.

zentralplus: Sind Sie privat ein komplett anderer Mensch denn als Trainer?

«Vielleicht setzen sie sich aber auch selber zu sehr unter Druck, weil sie in meine Fussstapfen treten wollen.»

Frick: Als Familienmensch und Trainer bin ich authentisch. Ich habe davon gelesen, dass Felix Magath eine Rolle eingenommen hat, solange er Trainer war – aber sonst ein lieber Mensch war. Das entspricht mir nicht. Klar braucht es eine Distanz zu den Spielern, aber ich glaube schon, dass ich in diesem Bereich eine natürliche Autorität habe.

zentralplus: Was bedeutet eigentlich der Name Frick für Ihre beiden Fussball spielenden Söhne? War es eine Inspiration oder doch eher eine Belastung?

Frick: Am Anfang war es eine Inspiration, aber mittlerweile spüren sie vor allem Druck. Weil sie erfahren müssen, dass es halt schon nicht so einfach ist. Vielleicht setzen sie sich aber auch selber zu sehr unter Druck, weil sie in meine Fussstapfen treten wollen. Dabei wollte ich das gar nie. Sondern, dass sie ihren eigenen Weg gehen. Gerade der jüngere Noah war als Fussballer auf einem sehr guten Weg, als er mit Vaduz aus der Challenge League aufstieg. Aber er bekam jetzt auch Probleme und Gegenwind.

zentralplus: Hinterfragen Sie sich als Vater, ob Sie alles richtig gemacht haben?

Frick: Ja, klar. Zum Beispiel, ob wir die Söhne mehr in die Eigenverantwortung hätten nehmen müssen. Wir waren in Italien fast zehn Jahre lang extrem eng zusammen. Dass wir Yanik, den älteren, mit 18 Jahren in die Serie B nach Perugia gegeben haben, war einfach zu früh. Er konnte damals nicht damit umgehen, ausserhalb der Familie zu sein. Wahrscheinlich wäre eine nähere Lösung zielführender gewesen.

zentralplus: Leben Sie mit Ihrer Frau in Luzern? Oder pendeln Sie nach Liechtenstein?

Frick: Wir haben eine 13-jährige Tochter in Schaan, die eingeschult ist. Darum bleibt meine Familie in Liechtenstein. Momentan lebe ich in einem Hotel, werde mir aber eine kleine Bleibe suchen. Wahrscheinlich werde ich zweimal in der Woche pendeln. Ohne Verkehr sind es ja bloss eine Stunde und 20 Minuten Fahrtzeit.

Lies am Freitag den zweiten Teil des Interviews mit Mario Frick, in dem es um seine taktische Ausrichtung und Erwartungshaltung an die Spieler geht.

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2 Kommentare
  1. Karl Ottiger, 13.01.2022, 09:29 Uhr

    Ich hoffe das Mario Frick mit dem FCLdie Kurve schafft. Es ist schwer etwas zu erreichen wenn die Qualität und die Mentalität nur spärlich vorhanden ist dazu kommt noch das die Ausländerfraktion etwas vom schlechtesten ist was viele alte FCLer je gesehen haben. Wenn du mit eigenen jungen die Spiele verlierst ist das halb so schlimm weder mit sogenannten Profis die zwischen 20 und 40000 im Monat verdienen aber eigentlich keinen Batzen wert sind. Ja solche Spieler wie Frick und Ugrinic müßte man 18 davon haben aber leider haben wir nur einen der Rest vertrampt 90 min. die Beine unter dem Motto ich war heute auch da wenn du dann sagst im test gegen kriens haben 7 Spieler gefehlt kann ich nur sagen bis auf einen haben die andern in der Vorrunde auch nichts gerissen also hat für mich nur einer gefehlt.in diesem Sinne hopp Luzern.

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    1. Jörg Kasa, 14.01.2022, 16:01 Uhr

      Ich werde es richten lieber Kari!

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