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CO2-Kompensation kostet 15 Franken – doch es werden 1’500 daraus
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Farbiger Neujahrshimmel über Luzern: Auch künftig dürfte es zum Jahreswechsel ordentlich knallen - aber immerhin klimakompensiert. (Bild: Tobias Lackner)

Klimaneutrales Knallen am Luzerner Neujahrsfeuerwerk CO2-Kompensation kostet 15 Franken – doch es werden 1’500 daraus

3 min Lesezeit 1 Kommentar 10.01.2020, 09:31 Uhr

Der Rauch der Neujahrsraketen ist längst verzogen. Zeit für ein nüchternes Gespräch über klimaneutrale Feuerwerke, Feinstaub und Lasershows.

Das diesjährige Luzerner Neujahrsfeuerwerk ist zum ersten Mal klimakompensiert worden. Ernst gemeintes Klimaengagement oder blosses Trittbrettfahren? Clemens Hunziker, Direktor des Hotels Schweizerhof und OK-Mitglied des Luzerner Neujahrsfeuerwerks, nimmt Stellung.

zentralplus: Just nach dem Greta-Jahr 2019 ist Luzerns «Neujahrszauber» heuer zum ersten Mal klimakompensiert worden. Alles bloss ein PR-Gag?

Clemens Hunziker: Nein, ganz und gar nicht! Wir finden, dass eine CO2-Kompensation zeitgemäss ist – und je länger je mehr der richtige Weg. Tausende von Gästen erfreuen sich jedes Jahr an unserem Feuerwerk. Neu wissen sie nun, dass auch wir unseren, wenn auch kleinen Beitrag zu einem sehr ernstzunehmenden Problem unserer Zeit leisten.

«Wir haben mit deutlich höheren CO2-Emissionen gerechnet.»

Clemens Hunziker, Mitorganisator des Luzerner «Neujahrszaubers»

zentralplus: Während des 15-minütigen und 40’000 Franken teuren Feuerwerkszaubers sind rund 285 Kilogramm Sprengmasse abgefeuert und rund 500 Kilogramm CO2 ausgestossen worden. Gemäss der Schweizer Stiftung MyClimate fallen somit Kompensationskosten von 15 Franken an. Nicht gerade viel.

Hunziker: Das stimmt. Das Neujahrsfeuerwerk hat lediglich so viel CO2 ausgestossen wie eine Person, die in der Economy-Klasse von Zürich nach Palermo und zurück fliegt. Das hat uns selber überrascht, denn wir haben mit deutlich höheren Emissionen gerechnet. Aus diesem Grund haben wir uns auch dafür entschieden, die errechnete Spendensumme mit dem Faktor 100 zu multipliziert – und der Stiftung myClimate 1’500 statt 15 Franken zu überweisen.

zentralplus: Namhafte Experten sagen: Der C02-Ausstoss von Raketen und Co. ist vergleichsweise marginal. Problematischer hingegen ist die Feinstaubbelastung durch Feuerwerke, die laut einer Studie des Bundes für bis zu 2 Prozent des jährlichen Feinstaubausstosses in der Schweiz verursachen. In Basel hat man deswegen das letzte Silvesterfeuerwerk verkürzt. Wäre das auch für Luzern eine Option?

«Selbstverständlich prüfen wir immer wieder Alternativen zum herkömmlichen Feuerwerk.»

Clemens Hunziker, Mitorganisator des Luzerner Neujahrsfeuerwerks

Hunziker: Unser Feuerwerk war immer klein, aber fein. Auch haben wir von Anfang an auf Musik gesetzt, um das Feuerwerk zu untermalen. Zudem war uns die lokale Produktion von Anfang an sehr wichtig, weshalb wir seit jeher mit der Luzerner Firma Bugano zusammenarbeiten. Diese strebt neu eine Kooperation mit ClimatePartner an, um ihren gesamten CO2-Ausstoss mit verschiedenen Klimaschutzprojekten zu kompensieren.

zentralplus: Was halten Sie von Alternativen wie Licht- und Lasershows, die hier und dort schon herkömmliche Feuerwerke ersetzt haben?

Hunziker: Selbstverständlich prüfen wir immer wieder Alternativen und sind gespannt, was uns die Zukunft bringt. Spruchreife Pläne liegen derzeit noch keine vor.

zentralplus: Mit dem Neujahrsfeuerwerk wollen sich nicht zuletzt die Hauptträger des Anlasses, die Hotels National, Palace, Schweizerhof, Gütsch und Montana, sowie die Schweizerische Hotelfachschule Luzern, Luzern Hotels sowie Luzern Tourismus für «die Treue der Bevölkerung» bedanken. Könnte man den Dank nicht auch anders ausdrücken? Gerade mit Blick auf die vielen Haustiere, die unter der Knallerei leiden.

Hunziker: Dieses Feuerwerk hat Tradition und mit ihm erreichen wir tausende von Gästen. Es ist jedes Jahr schön, all die sympathischen und positiven Feedbacks zu  erhalten. Solange wir so grossen Erfolg haben – so vielen Leuten eine Freude bereiten können – werden wir dies höchstwahrscheinlich weiter so handhaben.

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1 Kommentare
  1. Katharina, 10.01.2020, 19:09 Uhr

    Es würden wahrscheinlich auch genau so so viele wenn nicht noch mehr positive Feedbacks kommen, wenn man das Feuerwerk streicht oder wie erwähnt durch eine Lichter- oder Lasershow ersetzt. Es leiden unteranderem auch Babys und Kleinkinder und nicht nur Haustiere und die Knallerei.
    Man muss anfangen umzudenken, am besten schon gestern.

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