Wer hat's erfunden? Club-Knatsch um Kult-Party

4 min Lesezeit 19.06.2015, 10:06 Uhr

Lustig, locker, legendär – dafür sind die «Bravo Hits»-Parties auch in Luzern bekannt. Das Problem: Gleich zwei Aushängeschilder der lokalen Ausgehszene beanspruchen das Party-Label für sich. Jetzt gibt’s was auf die Ohren: Auf Facebook tobt der Shitstorm.

DJ Bobo, Scooter, die Spice Girls, Backstreet Boys, Vengaboys und wie sie alle heissen – sie alle haben die neonfarbigen 90er überlebt. Auf einer Scheibe, Hit an Hit. Der Name ist Programm: «Bravo Hits». Mittlerweile ist der wohl berühmteste aller Musik-Sampler bei Ausgabe Nummer 88 angelangt.

Auch die entsprechenden Parties, auf denen ausschliesslich Bravo Hits aufgelegt werden, geniessen längst Kult-Status. Und zwar nicht nur bei den Jahrgängen der Neon-Szene.

I’ve got this feeling…

In der Leuchtenstadt finden die legendären Parties seit Jahren statt. Regelmässig bahnen sich die Hits der 90er ihren Weg zum Trommelfell williger Partygänger. Davon gibt es in Luzern einige (zentral+ berichtete).

Das Konzerthaus Schüür veranstaltet die Bravo Hits-Party diesen Freitag, 19. Juni 2015, nun schon zum 47. Mal. «Rund zehn Jahre sind seit der Erstausgabe im Treibhaus vergangen», freut sich Thomas Gisler von der Schüür. Und noch immer sei die Bude jeweils rappelvoll. Zwinkernd schiebt Gisler nach: «Wir haben schon 46 Ausgaben hinter uns. Fast so viele, wie es Bravo Hits-CDs gibt.»

Jetzt hat das Geschäft mit der «Party des guten Geschmacks» die Konkurrenz auf den Plan gerufen. Offenbar hat der, je nach Musikgeschmack, top oder eben trashige Sound der 90er so viele Fans, dass nebst dem etablierten Partyveranstalter Schüür auch andere Anbieter vom Hype profitieren wollen. Seit Kurzem gibt’s dieselbe Party nämlich auch ennet dem Luzerner Seebecken im Club Casineum an der Haldenstrasse. Dort haut DJ Dr. Sommer zum zweiten Mal seit der Erstausgabe im Mai dem tanzwütigen Publikum «alle Bravo Hits von 1992 bis heute» um die Ohren.

…somebody dance with me

Nun ist auf Facebook ein Streit darüber entbrannt, wer seine Party nun mit dem Bravo Hits-Label versehen dürfe. Anhängern der Kult-Party in der Schüür werfen dem Casineum vor, die Veranstaltung eiskalt kopiert zu haben. Pikant dabei: Die Party im Casineum heisst nicht nur gleich wie die in der Schüür, sie findet sogar am selben Abend und zur selben Zeit statt (siehe Box). Da tanzen zwei im Gleichschritt.

«Ich hoffe mal, sie sind genug einfallsreich, um in Zukunft einen anderen Namen zu verwenden…», moniert ein User. Entsprechende Hinweise auf der Facebook-Seite des Casineums stossen nicht gerade auf offene Ohren, wie ein anderer kritischer User schreibt: «Der Kommentar wurde bereits wieder entfernt. Die sind also nicht nur einfallslos, sondern auch noch kritikunfähig.»

Bouncer, Beats und Bobo

Wer Lust hat, wieder mal im Takt mit DJ Bobo und Co. auf dem Tanzparkett zu stampfen, hat am Freitagabend, 19. Juni 2015, Gelegenheit dazu. Die beiden Bravo Hit-Parties starten fast gleichzeitig: Das «Original» gibt's ab 22:00 Uhr in der Schüür, die angebliche «Kopie» ab 22:30 Uhr im Casineum.

Auf Anfrage von zentral+ hiess es bei den Verantwortlichen seitens Casineum zuerst, man wolle dazu keine Stellung nehmen. Auf Nachfrage zeigt sich Yves Reitmann von der Firstsoirée Eventagentur etwas peinlich berührt: «Das tut uns leid.» Der Event sei sehr kurzfristig geplant worden, erklärt er sich. «Wir hatten ein freies Datum und brauchten kurzfristig ein Programm. Und Bravo Hits funktioniert immer.» Das habe man schon im Mai gesehen. Egal wo, der Anlass würde überall funktionieren, verteidigt sich Reitmann.

Wer die berühmte Party-Reihe erfunden hat, sei nicht verbürgt, so Reitmann. Tatsache hingegen ist, dass sich die Bravo Hits-Parties landauf landab ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Dennoch kann Reitmann den Ärger über den unterlaufenen Faux-Pax nicht verbergen: «Das Ganze ist schon sehr ärgerlich.» Jetzt müsse man sich das Publikum eben teilen. Man habe den Schüür-Hit nicht kopieren wollen, beteuert er. «Das ist jetzt halt einfach nur dumm gelaufen.»

Die Verantwortlichen müssen sich nun den Vorwurf gefallen lassen, sich mit fremden Federn geschmückt zu haben. Inzwischen wird der Tritt ins Fettnäpfchen auf Facebook mit Freude ausgeschlachtet: «Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Shuttlebus», schreibt ein Luzerner mit Blick auf das identische Programm der beiden Ausgehlokale. Oder: «Dann teilen wir doch die Schüür-Werbung auf der Casineum-Seite.»

Ein Pflästerli auf das Bobo

Thomas Gisler von der Schüür will den «ganzen Rummel um die Kopie» nicht so recht verstehen. «Dass Luzern ein Kaff ist, merkt man daran, dass es jemanden stört, wenn ein kleiner Club die Parties eines Grösseren kopiert», meint er mit Blick auf die Grössenverhältnisse von Schüür und Casineum pointiert. Es seien vor allem die Partygänger, die aufgewühlt sind. «Das Ganze wird etwas aufgebauscht», beruhigt er. Seitens Veranstalter stehe man im Einvernehmen. «Alles halb so wild.» Er zeigt sich versöhnlich: «Wir wollen kein böses Blut.» Schliesslich habe man das Label nicht für sich reserviert. Das sei auch sonst nirgends der Fall. «Die Party gibt’s in jeder grösseren Stadt.»

Künftig soll in Luzern aber wieder ausschliesslich in der Schür zu den Beats von Bobo und Boygroups gestampft werden. «Wir haben keine weiteren Bravo Hits-Parties geplant», so Reitmann.

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