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Clinton oder Trump? Auch Expats in Zug fiebern mit
  • Politik
Roger Brooks kam mit seiner Frau 1992 von Florida in den Kanton Zug. Er verfolgt das politische Geschehen in seiner neuen und alten Heimat intensiv. (Bild: mbe.)

Wahlkampf aus der Ferne Clinton oder Trump? Auch Expats in Zug fiebern mit

5 min Lesezeit 1 Kommentar 05.11.2016, 18:30 Uhr

Der wilde und polarisierende US-Wahlkampf liegt in den letzten Zügen. Wer das bessere Staatsoberhaupt der USA wäre – Clinton oder Trump –, wird auch in Zug diskutiert. Wir fühlen den Expats auf den Zahn.

Am Dienstag ist Wahltag in den USA. Aber auch in Zug wird eifrig mitgefiebert – gerade unter Expats. Wir besuchen eine Versammlung des International Men’s Club of Zug (IMCZ), einem sozialen Klub für Männer mit internationalen Interessen sowie einem geschäftlichen oder privaten Bezug zu Zug. Und hören hin, wie’s da klingt.

Roger Brooks verfolgt die Präsidentschaftswahlen mit Spannung. Er lebt seit 1992 mit seiner Frau in der Schweiz, in Risch. Die US-Staatsbürgerschaft hat er inzwischen abgegeben. Wegen einer Erbschaftssache, nicht etwa aus politischen Gründen. Er kann deshalb nicht mehr wählen. Dennoch ist er im Herzen immer noch ein Amerikaner. Durch die Zeitverschiebung wird es bei uns schon abends sein, bis die Resultate da sind. «Ich werde nicht die ganze Nacht aufbleiben, sondern das Resultat dann am Mittwoch aus den Zeitungen erfahren», sagt der pensionierte IT-Ingenieur.

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Unklar, was Trump tun würde

Er würde «Hillary wählen», sagt Brooks ohne Zögern. Denn Trumps Analyse über sein Heimatland teilt er nicht. «Ich finde es bedauerlich, dass Trump behauptet, dass er die USA wieder gross machen wird. Denn ich teile nicht die Sicht, dass die USA am Boden liegen», sagt Brooks.

«Ich finde es bedauerlich, dass Trump behauptet, dass er die USA wieder gross machen wird. Denn ich teile nicht die Sicht, dass die USA am Boden liegen.»
Roger Brooks, ehemals aus Florida

Brooks bezeichnet sein Heimatland als «grossartig». Drei Punkte hätten das Land gross gemacht: die Trennung der Staatsgewalten, der Freihandel und die Willkommmenskultur für Immigranten. All das sieht er in Gefahr, wenn Trump gewählt würde. «Was er tatsächlich tun würde, ist schwierig zu sagen. Aber er kommt arrogant und reizbar rüber.»

Und was meinen Expat-Frauen?

Der Zug International Women’s Club (ZIWC) zählt laut Präsidentin Malene Perry aktuell 400 Frauen aus 72 Ländern, ein Viertel davon seien Schweizerinnen. Gemäss Perry sind zirka 30 Amerikanerinnen Clubmitglieder. «Diejenigen, die noch wahlberechtigt sind in den USA, haben schriftlich gewählt oder bei der US-Botschaft in Bern», sagt sie. Ob es mehr Clinton- oder Trump-Anhängerinnen gebe, sei ihr nicht bekannt. Da habe jeder seine private Meinung. «Wir sind ein rein sozialer Club ohne politische oder religiöse Ausrichtung. Wir wehren uns aber gegen Diskrimierungen», sagt Perry, die selbst aus Dänemark stammt.

Positive Einstellung und Herz am rechten Fleck

Der Ex-Amerikaner mit Schweizer Pass hofft deshalb, dass Hillary Clinton gewinnt. Ihm gefällt, dass sie grundsätzlich eine positive Einstellung habe und «das Herz am rechten Fleck». Im Gegensatz zu ihrem Konkurrenten Trump: «Ich finde es gefährlich, dass Politik, nicht nur in den USA, mit den Ängsten der Bevölkerung gemacht wird und man die Schuld immer den anderen gibt.»

Clinton habe die nötigen Qualifikationen für das Amt, viel Erfahrung in der Bundespolitik. Seine Meinung können auch die neuen FBI-Vorwürfe nicht erschüttern. Brooks findet es suspekt, dass diese so kurz vor dem Wahltag zum Thema werden. Ebenso wenig stört ihn, dass Clinton Beziehungen zur Wirtschaft nachgesagt werden. «In welchem Land gibt es keine Verquickung von Wirtschaft und Politik?», fragt Brooks zurück.

Seine persönliche Meinung

Brooks ist auch Präsident des International Men’s Club of Zug (IMCZ), einem sozialen Klub für Männer mit internationalen Interessen sowie einem geschäftlichen oder privaten Bezug zu Zug. Der Club hat aktuell rund 200 Mitglieder aus 25 Ländern; die meisten Mitglieder sind Schweizer (oder Doppelbürger), gefolgt von Briten, Amerikanern, Holländern, Deutschen und Schweden.

Der Club ist nicht politisch. Brooks betont deshalb, dass er uns seine persönliche Meinung über seine Präferenz im US-Wahlkampf mitgeteilt hat und nicht etwa diejenige des Clubs.

Clinton oder Trump, das ist auch in der Schweiz ein spannendes Thema. SRF berichtet in der Nacht vom 8. auf den 9. November in einer Sondersendung.

Clinton oder Trump, das ist auch in der Schweiz ein spannendes Thema. SRF berichtet in der Nacht vom 8. auf den 9. November in einer Sondersendung.

(Bild: SRF)

Trump-Anhänger will anonym bleiben

Denn es gibt auch überzeugte Trump-Anhänger. Wir redeten mit einem weiteren IMCZ-Mitglied, das auf keinen Fall namentlich genannt sein will. Zur US-Präsidentschaftswahl sagt der ältere Herr: «Ich bin für jeden Kandidaten, ausser für Clinton.» Als Gründe führt er an, sie besitze nicht die nötigen Qualifikationen für das höchste Amt.

«Donald Trump ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und kein Idiot, wie er oft dargestellt wird.»
Ein pensionierter Expat aus Zug

Warum wäre Trump für ihn der bessere Präsident? «Donald Trump ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und kein Idiot, wie er oft dargestellt wird», sagt der Mann. Was Trump vor 15 Jahren über Frauen gesagt habe, sei irrelevant, die Kampagne sei lächerlich. Trotzdem glaubt der Trump-Befürworter, dass Hillary gewinnt. Denn alle Medien in Europa und den USA unterstützten ja Clinton. «Die Demokratische Partei fördert den Sozialstaat und macht sich so beliebt bei ihren Wählern», sagt er.

Weniger Polarisierung in der Schweiz?

Roger Brooks (siehe oben) verfolgt auch die Schweizer Politik. Wo sieht er die Unterschiede zwischen der Schweiz und den USA? «Ich findet es gut, dass die Schweiz eine starke Bundesregierung hat, in welcher der Konsens eine wichtige Rolle spielt, weil die Bundesräte verschiedenen Parteien angehören», sagt er. Auch die Regierungen auf Kantons- und Gemeindeebene und die Bürger hätten viel Einfluss. «Sie beteiligen sich am politischen Prozess und nehmen Verantwortung wahr.»

Kein Pendent zu Demokraten in der Schweiz

Indiskrete Frage: Wen wählt denn Brooks in der Schweiz? «Ich stimme sehr gewissenhaft ab, habe aber Sympathien für verschiedene Ideen aus verschiedenen Parteien», sagt er. Er sei Mittewähler und sympathisiere am ehesten mit der CVP, sagt er, aber nicht in allen Punkten. Die GLP habe auch einige gute Ideen, aber auch die anderen Parteien weiter aussen (SP, Grüne, FDP und SVP). «Es ist sowohl in den USA wie auch in der Schweiz ein langsamer Rechtsrutsch der Mitte zu beobachten», stellt Roger Brooks fest. Zum Vergleich des Parteiensystems meint er, die US-Demokraten, denen seine Sympathien gehören, hätten verschiedene Strömungen. «Das Spektrum reicht von SP bis CVP oder sogar FDP und kann nicht mit einer einzigen schweizerischen Partei gleichgesetzt werden.»

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1 Kommentare
  1. Boris Kerzenmacher, 09.11.2016, 22:07 Uhr

    Der in Europa viel geschmähte Republikaner D. Trump hat die Wahl gewonnen. Jetzt kommt frischer Wind in die US-Politik. Man wird sehen, ob die “Newcomer” ohne ideologische Bürden in der Lage sind, eine Weltmacht zu führen.
    Man kann nur hoffen, dass D. Trump die Gesellschaft nicht spaltet, sondern eint. Zu hoffen ist auch auf ein gutes Verhältnis zu Russland, damit der Weltfrieden erhalten bleibt und die Islamisten gemeinsam bekämpft werden.
    Die europäischen Politiker werden die Warnung allerdings nicht verstehen und so weiter machen wie bisher.