City-Manager für Luzern: Das Gewerbe rüstet sich für den Kampf gegen das Lädelisterben
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Aktuell stehen an der Löwenstrasse in Luzern gleich mehrere Ladenlokale leer. Mit einem City-Manager könnte dieses Problem besser angepackt werden. (Bild: bic)

Leere Ladenlokale in der Innenstadt City-Manager für Luzern: Das Gewerbe rüstet sich für den Kampf gegen das Lädelisterben

3 min Lesezeit 3 Kommentare 03.03.2021, 05:00 Uhr

Behörden und Verbände können die wirtschaftlichen Entwicklungen in der Luzerner Innenstadt kaum nachvollziehen und steuern. Das zeigt sich an der Löwen- und der Alpenstrasse, wo viele Ladenlokale leer stehen. Deshalb macht die City-Vereinigung bei einem schon länger laufenden Projekt Dampf.

In der Altstadt Luzern gibt es momentan mehr als zwei Dutzend leere Ladenlokale. Der Trend, der schon seit längerem anhält, dürfte durch Corona noch verstärkt worden sein (zentralplus berichtete).

Geht man derzeit durch das Quartier zwischen der Zürichstrasse und dem Gebiet Wey, trifft man auch dort auf viele leerstehende Ladenlokale. Es scheint, dass in jüngster Zeit einige Betriebe ihre Türen geschlossen haben. Ein Phänomen, das aber kaum jemand auf dem Radar zu haben scheint, obwohl tote Schaufenster in den Erdgeschossen gemeinhin als erhebliches Problem für die Attraktivität des Lebensraumes betrachtet werden.

Auch die City-Vereinigung, das Sprachrohr des Detailhandels und des Gewerbes in der Luzerner Innenstadt, ist nicht im Bilde. «Zu leeren Läden kann ich nichts sagen», sagt Lucas Zurkirchen, Politikverantwortlicher bei der Organisation. Gleichzeitig ortet er bei diesem Umstand eine Herausforderung, mit dem sich die lokale Wirtschaft sowie die Politik aktuell stark beschäftigen müsse.

Projekt ist seit Längerem in der Pipeline

«Das Problem ist, dass wir momentan über kein Monitoring über solche Prozesse verfügen», so Zurkirchen. Die Lösung: Die Einsetzung einer City-Managerin oder eines City-Managers. Einen solchen kennen zum Beispiel verschiedene Städte in Deutschland (zentralplus berichtete).

«Die Luzerner Innenstadt ist eigentlich wie ein grosses Shoppingcenter», sagt Zurkirchen. Analog dazu brauche auch sie einen Manager, um die vielen Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Denn die Veränderungen seien nicht aufzuhalten, was auch mit Corona zu tun habe. Es geht um den Tourismus, die Verkehrsproblematik oder die intensiver werdende Nutzung des öffentlichen Raumes mit entsprechenden Nutzungskonflikten.

«Wegen Corona kam die Weiterbearbeitung etwas ins Stocken und wird nun in den kommenden Wochen fortgesetzt.»

Lucas Zurkirchen, Politikverantwortlicher City-Vereinigung

Die Idee, eine Managerin für die Innenstadt einzusetzen, ist in der Stadt Luzern mittlerweile seit mehr als drei Jahren auf dem politischen Tapet und stösst auch beim Stadtrat auf offene Ohren. Doch nun scheint neuer Schwung in die Sache zu kommen. Jedenfalls arbeite man gemäss Zurkirchen bei der City-Vereinigung derzeit intensiv an dem Projekt.

Die Arbeiten wurden Anfang November unter der Leitung des Verantwortlichen für Wirtschaftsfragen bei der Stadt, Peter Weber, gestartet. «Bei der City-Vereinigung steht das Projekt derzeit zuoberst auf der Prioritätenliste», betont Zurkirchen. «Wegen Corona kam die Weiterbearbeitung etwas ins Stocken und wird in den kommenden Wochen fortgesetzt.»

In einer ersten Phase werden laut Zurkirchen persönliche Gespräche mit den wichtigsten Beteiligten geführt, um deren Meinung abzuholen. Geplant ist ebenfalls eine Online-Umfrage mit Mitgliedern der verschiedenen Organisationen in der Stadt. Erste Ergebnisse erwartet die City-Vereinigung zu Beginn der Sommerferien.

Auch dieses Lokal an der Löwenstrasse ist momentan zu haben. (Bild: bic)

Stelle soll nicht bei der Stadt sein

Die Lösung sieht Zurkirchen indes nicht bei einer personellen Aufstockung der Stadtverwaltung. «Die entsprechenden Aufgaben müssen von einer unabhängigen Stelle ausgeführt werden», hält er fest. Und weiter: «Finanziert werden könnte die Stelle von einer Trägerschaft, an der sich beispielsweise die Hoteliers, der Tourismus und die lokalen Wirtschaftsverbände beteiligen.» Für Zurkirchen ist dennoch klar, dass sich auch die Stadt angemessen daran beteiligen muss. Schliesslich gehe es um die Attraktivität des Lebensraumes.

«Ziel muss es sein, dass wieder mehr Leute in die Innenstadt kommen. Darum ist es wichtig, dass man die Entwicklungen in allen relevanten Stadtteilen rechtzeitig erkennt und bei Bedarf reagieren kann», sagt Zurkirchen zum Schluss. Und meint damit auch das Quartier um den Löwenplatz.

Leeres Lokal an prominenter Lage: Das Erdgeschoss des «Genfer Hauses» am Luzernerhof. (Bild: bic)

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3 Kommentare
  1. J.H., 15.03.2021, 11:16 Uhr

    Das einzige was aus meiner Sicht die City-Vereinigung tun könnte ist, eine Plattform zu bieten, dass die leerstehenden Lokale wenigstens temporär einer Attraktivierung der Innenstadt dienen. Ich denke hier würden auch die Eigentümer dann Hand bieten. Es gibt genügend tolle Ideen und JungunternehmerInnen und Produkte, die nie die Möglichkeit haben werden sich, ihre Ideen und Produkte an Toplagen präsentieren zu können. So wären die leerstehenden Objekte wenigstens temporär gescheit genutzt. City-ManagerIn-Idee hin oder her, Idee gut oder schlecht, das alles ist obsolet, denn wenn die Stadt nicht selbst Besitzerin betroffener Immobilien ist, ist eine Einflussnahme schlicht unmöglich.

  2. Hampi R., 03.03.2021, 09:37 Uhr

    Attraktive Innenstadt? Es gibt ja fast nur noch Kleider-, Schmuck- und Souvenirgeschäfte! Früher gab es noch kleine Feinkostläden, Schuhmacher usw., eben Kleingewerbe. Die Mietpreise sind jedoch dermassen gestiegen, dass sich diese nur noch Umsatz- & Margenstarke Produkte/Firmen leisten können. Parkplätze gibt es immer weniger und wer schleppt schon gerne seine «Tüten» nach Hause.
    Der Onlinehandel (Amazon und Co.) lässt grüssen!

  3. CScherrer, 03.03.2021, 09:19 Uhr

    Selbstverständlich wird eine solche Stelle nicht durch den Steuerzahler finanziert. Man stellt verwundert fest, dass in Luzern keine koordinierte Strategie in der Entwicklung des Stadtraumes besteht. Da macht die Stadt etwas, eine Vereinigung will zuerst eine Stelle schaffen, damit Informationen, welche man heute bereits kennt, beschafft werden können. Lustig.
    Warum stehen wohl Ladenlokale leer? Könnte es etwas mit den hohen Mietzinsen zu tun haben? Könnte es etwas damit zu tun haben, dass man in einer unsicheren Zeit weniger wagt? Könnte es allenfalls auch sein, dass die City-Vereinigung wegen drei bis fünf leerstehenden Lokalen seltsamen Aktivismus betreibt? Grundsätzlich sind diese leerstehenden Lokale Sache der Hausbesitzer und sicher nicht der City-Vereinigung. Was sollen diese Gespräche bringen? Scheint, als näme sich die City-Vereinigung extrem wichtig.

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