Christine Kaufmann-Wolf: «Bern muss die Krienser für den Bypass gewinnen»
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Kriens will eine überdachte Autobahn und darauf Lebensraum schaffen. (Bild: Vision «Chance Bypass»)

Artikelserie zum Bypass Luzern Christine Kaufmann-Wolf: «Bern muss die Krienser für den Bypass gewinnen»

4 min Lesezeit 4 Kommentare 07.10.2020, 05:00 Uhr

Kriens hat gegen den Bypass Einspruch eingelegt. Die Stadt ist nicht grundsätzlich gegen das Strassenbauprojekt des Bundes, verlangt aber eine komplette Überdachung der Autobahn auf Krienser Boden. Eine ambitionierte Forderung – aber nichts als gerecht, sagt Stadtpräsidentin Christine Kaufmann-Wolf.

Wir müssen über den Luzerner Bypass reden. Am 15. Oktober tut zentralplus genau das: Im Rahmen eines Podiumsgesprächs diskutieren wir mit Vertretern der Standortgemeinden und Verkehrsverbände über das Strassenbauprojekt, das Luzern über Jahrzehnte prägen wird. Alle Informationen dazu findest du hier:

Bevor es so weit ist, treffen wir die Podiumsteilnehmer zum Einzelgespräch. Heute: Christine Kaufmann-Wolf, frischgebackene Stadtpräsidentin von Kriens. Kriens hat bekanntlich eine spektakuläre Vision für das Bypass-Projekt – die Eindeckelung der gesamten Autobahn auf Krienser Boden (zentralplus berichtete).

zentralplus: Christine Kaufmann-Wolf, die Stadt Kriens fordert vom Bund die Eindeckelung der Autobahn. Dafür braucht man ein offenes Ohr in Bern. Hat man da nenneswerte Fortschritte gemacht?

Christine Kaufmann-Wolf: Wir haben bisher sicherlich unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sassen beispielsweise mit diversen National- und Ständeräten zusammen und haben uns brieflich auch direkt an Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga gewendet. Zudem steht auch der Luzerner Regierungsrat Fabian Peter wohlwollend hinter der «Chance Bypass».

zentralplus: Wie sieht die Unterstützung des kantonalen Baudirektors konkret aus?

Kaufmann-Wolf: Fabian Peter hat uns angeboten, als Mediator in den anstehenden Einspracheverhandlungen mit dem Bund zu wirken.

«Es ist ganz klar, dass die Krienser in diesem Fall auf die Barrikaden gehen würden.»

Christine Kaufmann-Wolf über einen möglichen negativen Entscheid des Bundes zur Eindeckelung der Autobahn

zentralplus: Politisch ist Kriens die Sensation gelungen, dass sich ausnahmslos alle Parteien hinter die «Chance Bypass» stellten. Wie sieht es mit dem Rückhalt in der Bevölkerung aus?

Kaufmann-Wolf: Grundsätzlich spüren wir grosses Vertrauen, das diesbezüglich in den Stadtrat gelegt wird. Wir sind im Gegenzug gefordert, die Bevölkerung weiter für das Thema zu sensibilisieren und zu informieren.

zentralplus: Wie hat man dies bisher getan?

Kaufmann-Wolf: Wir haben beispielsweise Rundgänge rund um die zukünftige Bypass-Baustelle organisiert und jedem Haushalt Infoflyer zukommen lassen. Es bestanden in der Kommunikation mit der Bevölkerung in den vergangenen Monaten aber diverse Herausforderungen.

zentralplus: Welche konkret?

Kaufmann-Wolf: Zum einen hat die Coronapandemie grössere öffentliche Infoveranstaltungen verunmöglicht, wir versuchen diesbezüglich, neue Lösungen zu finden. Zum anderen ist da die Tatsache, dass wir im Stadtrat bekanntlich soeben einen kompletten Neustart hatten und alle noch neu im Amt sind.

Für die Krienser Stadtpräsidentin Christine Kaufmann-Wolf liegt die Vision «Chance Bypass» auch im Interesse des Bundes.

zentralplus: Hat sich der neu zusammengesetzte Stadtrat überhaupt schon mit dem Thema Bypass auseinandergesetzt?

Kaufmann-Wolf: Absolut. Die ersten Sitzungen dazu haben bereits stattgefunden. Wir sind derzeit daran, die verschiedenen möglichen Szenarien zu prüfen und unsere jeweilige Strategie zu definieren.

zentralplus: Ein solches Szenario könnte darin bestehen, dass der Bund sich weigert, für die Überdachung der Autobahn aufzukommen. Stünde der Stadtrat in diesem Fall immer noch hinter dem Bypass?

Kaufmann-Wolf: Nein. Es ist ganz klar, dass die Krienser in diesem Fall auf die Barrikaden gehen und wir nochmals richtig Druck machen würden. Es geht hier schliesslich auch um die Frage der Gleichbehandlung.

zentralplus: Die Gleichbehandlung mit wem?

Kaufmann-Wolf: Ein Beispiel wäre Airolo, wo Bund und Kanton je 50 Millionen Franken für die Überdachung der Autobahn A2 sprachen. Das ist die gleiche Autobahn, die auch quer durch Kriens führt. Weshalb sollten wir keinen Schutz vor dem Lärm erhalten?

«Weshalb sollten wir keinen Schutz vor dem Lärm erhalten?»

Christine Kaufmann-Wolf, Stadtpräsidentin Kriens

zentralplus: Wie weit ist Kriens denn bereit zu gehen? Bis vor Bundesgericht?

Kaufmann-Wolf: Das ist eine politische Frage, die ich nicht über den Kopf des Parlaments hinweg beantworten kann. Klar ist aber, dass heute alle politischen Parteien entschlossen hinter der Vision stehen, daran hat sich nichts geändert.

zentralplus: Welchen Anreiz hat der Bund, um die Krienser Vision umzusetzen?

Kaufmann-Wolf: Den offensichtlichsten – der Bund will den Bypass. Und dafür muss er die Krienser für sich gewinnen. Bundesrätin Sommaruga hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass sie nicht bereit ist, Autobahnen gegen den Willen des Volkes zu bauen. Der Bund muss die Krienser abholen. Mit der «Chance Bypass» kann er genau das tun.

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Gepostet von zentralplus am Donnerstag, 24. September 2020

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4 Kommentare
  1. Wirz Kurt, 07.10.2020, 17:53 Uhr

    Bypass hin und her, aber Familien-Gartenareal besteht schon im Grabenhof. Dieses sollte ende 2024 verschwinden!?
    Lasst das Areal bestehen und baut bei Bevölkerungzuwachs auf der gedeckten Autobahn unter anderem eventuell auch ein Schulhaus.
    Kurt Wirz

  2. Evelyne Ineichen, 07.10.2020, 14:40 Uhr

    Der Bypass löst die Verkehrsprobleme in keiner Art und Weise. Das Gegenteil ist der Fall. Eine starkbefahrene Autobahn mitten durch eine Stadt! Dem weiteren Verkehrsaufkommen in Kriens wird somit ein weiterer Grundstein gelegt. Eine Bauzeit von über 10 Jahren mit erheblichen Verkehrsstörungen in der ganzen Agglomeration ohne Ende. So etwas ist für die Krienser Bevölkerung unzumutbar. Leute macht die Augen auf.

    1. Manuel, 07.10.2020, 17:33 Uhr

      Die Verkehrsprobleme lassen sich auch nicht lösen solange die Bevölerung steigt und nicht sinkt, nur optimieren. Weder ein Bypass noch ein Tiefbahnhof, der übrigens auch Auswirkungen beim Bau haben wird und wie der Bypass nicht durch sondern unter der Stadt durchgeht. Die Nord Süd Achse lässt sich nun mal mal nicht wegzaubern und auch nicht mit der Bahn ersetzen. Vielleicht das zweite Auge auch aufmachen……..

    2. MvR, 07.10.2020, 17:59 Uhr

      Ihr habt den Sinn des Bypass nicht begriffen. Der Transitverkehr welcher von Nord nach Süd läuft soll diesen benutzen. Der Lokalverkehr wie bis jetzt den alten Weg über den Sonnenbergtunnel. Des weiteren soll bei einem Unfall auf einem der beiden Wege der jeweils andere den Verkehr aufnehmen können und so die Anzahl Staus massiv reduzieren. Bezüglich des „Traums“ der kompletten Überdachung ist folgendes zu bedenken. Dies würde die ganze Strecke zu EINEM Tunnel machen . Aus Brandschutzgründen müsste dann jeweils bei entsprechenden Risiken dieser auch wieder als Ganzes gesperrt werden. Das würde einen Teil der Vorteile (2 Route bei Sperrung 1) zunichte machen. Hatte der Bund aber vor ganz langer Zeit auch schon so erwähnt.

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