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Chollerhalle, deine Kulturzeiten sind vorbei!
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Truthähne in der Chollerhalle? Aber sicher. Dann läuft mal wenigstens was. (Bild: zentralplus/fotolia )

Alternativen für Zugs ewiges Sorgenkind Chollerhalle, deine Kulturzeiten sind vorbei!

6 min Lesezeit 22.05.2017, 14:57 Uhr

Die Chollerhalle bereitet Zug seit Jahren Bauchschmerzen. Denn, Hand aufs Herz, sie funktioniert einfach nicht. Darum stellen wir neun Möglichkeiten vor, was man mit dem Sorgenkind sonst so anstellen könnte. Weg von der Kultur, rein in die Hahnenkämpfe.

Ach, Sorgenkind Chollerhalle. Seit zwölf Jahren gibt es dich bereits, und über deine Geburt freuten sich viele. Endlich ein Lichtblick in der Kulturszene Zugs, endlich mehr Gutes auf die Ohren. All die Konzerte, die nicht so recht ins bünzlige Casino passen wollen, durften sich eines eigenen Spielortes erfreuen. Und dann wurden wir, deine Eltern, die Stadt und der Kanton Zug, so unsäglich ernüchtert. Das Kind entspricht unseren Anforderungen nicht. Du lerntest nicht so schnell laufen, wie wir es verlangt hatten.

Wir mussten dich an der Hand nehmen, damit du das (finanzielle) Gleichgewicht wieder fandest. Das war anstrengend, und wir schielten neidvoll rüber nach Luzern und Zürich, denn dort sind die Kinder viel lernfähiger, bereiten Freude und sind auch musikalischer als du. Und immer wenn du uns wieder ein ultra-anstrengendes Jazzkonzert vorgeführt hast, sagten wir zwar oh, ah, das ist aber schön, brav. Und sobald du dann mit unbändigem Stolz in den Augen wieder abgetrabt bist, haben wir uns nur verständnislose Blicke zugeworfen.

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Immer wieder bist du krank

Weiss denn das Kind nicht, was die Eltern glücklich macht? Dass alle nur Andreas Gabalier sehen wollen oder Marc Sway? Da musst du dich natürlich nicht wundern, dass du vor lauter Nicht-verstanden-Werden ganz krank wirst. Ums Überleben kämpfen musst. Das Immunsystem sagt Tschüss, ich geh wieder zurück, nach Winti, Ägeri, dorthin, wo der Pfeffer wächst.

Erst gerade hat das Immunsystem wieder den Betrieb aufgegeben. Und du liegst da, bettlägrig, blass und weisst nicht recht, wie weiter. Darum, liebes Kind, haben wir uns etwas ausgedacht für dich. Du musst keine Kultur mehr machen, merken wir doch, dass du wenig Talent dazu hast. Wir haben beschlossen, du darfst selber über dein Schicksal entscheiden. Denn, sobald die Pubertät einsetzt, wirst du sowieso rebellieren. Deshalb geben wir dir ein paar Ideen auf den Weg, womit wir dir wieder Leben einhauchen wollen.

Die kollern dir was vor

Wusstest du, Kind, dass das Verb kollern für die Geräusche steht, die ein Truthahn von sich gibt? Und weil wir finden, Nomen (oder eben Verb) est Omen ist ne gute Sache, eröffnen wir in deinen Hallen eine Truthahnfarm. Denn wir möchten, dass die Gockel, die im Hause Expat an Thanksgiving auf dem Tisch landen, künftig aus der Region kommen. Ist ja noch etwas Zeit bis dahin. Stören tut das Gekollere ja sowieso niemanden, du bist ja so ab von der Zivilisation.

Die Lösung für’s Parkplatzproblem. Oder so.

Einer der Gründe dafür, warum du, Chollerhalle, überhaupt ein Sorgenkind bist, ist, dass man einfach nicht an dich ran kommt. Du verfügst schlichtweg über zu wenig Parkplätze, und es macht die Baschifans hässig, wenn sie mit dem Zug aus dem Aargau kommen müssen. Darum schlagen wir vor, wir machen aus dir Parkplätze. Eine Etage reinpflanzen, und schon haben wir 80 Plätze für tiefer gelegte VW Golfs.

Auch wenn deren Fahrer ja gar keinen Grund mehr haben, überhaupt herzukommen. Aber das wissen die ja nicht.

Urbanes Chiasamen-Gärtnern

Zug ist bekanntlich eine Stadt, du bist also folglich ein Stadtkind. Und Stadtkinder müssen heutzutage Soja-Joghurts und Chia-Brötchen futtern, um dazuzugehören. Wer aber noch eins draufsetzen will, der betreibt Urban Gardening. Und vielleicht bist du, da du’s mit der Kultur ja nicht so hast, doch eher handwerklich begabt. Chollerhalle, das kommt gut. Ein paar grosse Fenster ins Dach, eine Sprinkleranlage hat’s bestimmt schon. Also ist nur noch der Boden mit Erde zu bedecken und rein mit den Grünkohlsetzlingen und Chia-Samen. Du wirst ja sowas von urban und hip sein. Da sind wir dann mächtig stolz. Und der Bauer von nebenan wird vor Neid erblassen.

Die Hanfplantage: aus der Region, für die Region

Und wenn wir doch grad schon beim Kraut sind. Wir müssen dir was gestehen. Auch wir haben früher, als Pink Floyd und James Brown noch echt, nicht als Tribute Bands aufgeführt wurden, hie und da eine Tüte gepafft. Und wir sind überzeugt, dass dir das Kiffen bei der Genesung helfen könnte. Erst recht, da doch gerade die erste Zuger Hanftheke eröffnet wurde und wir mit Schrecken festgestellt haben, dass das Grünzeug aus der Ostschweiz herangekarrt wird. Von der Region für die Region soll auch dir ein Anliegen sein, darum wünschen wir, deine Eltern, uns nichts sehnlicher, als dass du beginnst, Hanf anzubauen.

Brot und Spiele – damit Junge nicht plötzlich politisch werden

Liebe Chollerhalle. Du bist gross, kantig und etwas grau. Wie wär’s denn, wenn man aus dir eine bunte Freestyle-Halle machen würde. Eine ganze Horde junger Menschen wartet nur so darauf, ihre Tricks üben zu können. Und gibt man ihnen nicht bald einen Ort dazu, beginnen sie womöglich, Häuser zu besetzen, sich für günstigere Mieten einzusetzen, oder, Gott bewahre, anstatt der Kanti eine Lehre zu absolvieren. Solche Widerstände will man in Zug nun wirklich nicht sehen.

Piu piu piu!

Um Paintball zu spielen, bist du wohl etwas zu klein, doch Lasertag, das müsste gehen. Und wäre auch leicht umzusetzen. Ein Paar Heuballen willkürlich im Saal verteilen, ein paar Laserpistolen und Westen vermieten, schon dienst du als wunderbare Imitation einer Kriegssituation. Wenigstens lernen all die Zuger RS-Verschmäher nun doch noch zu ballern.

Wir präsentieren: Die Mall of Zugerland

Das scheint ja ein ganz schöner Trend zu sein mit all diesen sogenannten Malls überall. Liebe Chollerhalle, da kannst du dir eine Scheibe abschneiden davon. Denn was Zug unbedingt braucht, um mitzuhalten, ist eine «Mall of Zugerland». Wie, der Name kommt dir bekannt vor? Ach, ihr Präpubertären müssen immer alles hinterfragen. Ein paar gute Krawattenläden, einen Starbucks und noch zwei, drei Coiffeursalons, und schon bist du Anziehungspunkt für Bürofritzen, Expats und Senioren.

Gründe eine Briefkastenfirmenfirma!

Zug soll verdichteter bauen, heisst es doch immer. Wahrscheinlich, weil so viel Platz für die vielen Briefkästen draufgeht. Wie wär’s drum also, wenn du dich als Briefkastenfirmenfirma nützlich machen tätest? Wir haben die Rechnung gemacht. In deiner Halle hätten 40’338 Briefkästen Platz. Und zwar so, dass der Pöstler (mit einer langen Leiter) an jedes einzelne Postfach rankommt. Kind, du würdest den Herrn Tännler und Mama und Papa Stadt und Kanton schrecklich glücklich machen.

Mach illegale Wettspiele offiziell!

Wir können’s dir nicht verschweigen. Am Ort, in den du reingeboren wurdest, herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Prostitution und Glücksspiel sind an der Tagesordnung. Wenn auch eher nachts. Und vielleicht könntest du da mal ganz proaktiv vorgehen. Wie wär’s, wenn du dich offiziell zur Spielhölle Zugs deklarieren würdest?

Mit grossen Screens, an denen Pferdewetten ausgetragen werden und grossen Pokertischen in der verrauchten Ecke. Daneben zwei kleine Kampfringe. Einen für Hähne, die sonst eh als Bibeli den Jordan überschritten hätten, den anderen für die armen Pitbullterrier, die vor lauter An-der-Leine-sein-Müssen ganz aggressiv geworden sind. Hier dürfen sie endlich ein wenig Dampf ablassen.

Die Zuger Spielfreunde freut’s. Und auch die Polizei muss nicht die ganze Baarer und Chamer Industrie abklappern, um endlich mal wieder eine Spielhölle aufzudecken. Bei dir kann sie ab jetzt alle paar Monate aufkreuzen und eine Razzia veranstalten.

Uns ist nämlich egal, ob du mit Drogen handelst oder ein Rowdy bist. Hauptsache, du lässt die Kultur endlich sein.

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