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Cham wird zur neuen Eishockey-Hochburg
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Freude herrscht in Cham. Von links: Patrick Lengwiler, Hans-Peter Strebel, Gemeindepräsident Georges Helfenstein und Marco Toigo. (Bild: Beat Blättler)

Sportzentrum «On your marks» (OYM) Cham wird zur neuen Eishockey-Hochburg

5 min Lesezeit 07.03.2016, 19:14 Uhr

Hans-Peter Strebel, Clubpräsident des EV Zug, plant als Privatperson bis 2019 den Bau eines Ausbildungs- und Trainingszentrums für Spitzenathleten. Strebel hat jetzt einen Kaufvertrag für ein Grundstück in Cham-Nord unterzeichnet und lud zur Medienorientierung. Man erfuhr einiges Neues, aber nichts zu den Kosten.

Nun ist es draussen: Das geplante Sportzentrum soll den Namen OYM («On your marks») tragen. Das Pendent zum deutschen «Auf die Plätze» steht im Spitzensport für das offizielle Zeichen, in die Startblöcke zu gehen. Am Start steht auch das private Projekt von Hans-Peter «Hape» Strebel. An der Pressekonferenz im Gemeindehaus von Cham (siehe Bildergalerie unten) betonte Strebel, dass er das aussergewöhnliche Zentrum als Privatperson finanzieren, bauen und betreiben werde.  Und nicht als EVZ-Clubpräsident. «Sie müssen immer schön differenzieren zwischen dem EVZ und meinem privaten Engagement», sagt Strebel.

«Es geht mir nicht um einen monetären Return, sondern um einen ideellen Erfolg.»
Hans-Peter Strebel, vermögender Privatmann und EVZ-Clubpräsident

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Zwei weitere Eisfelder für EVZ

Strebel will aus eigener Initiative ein Ausbildungs- und Trainingzentrum für Spitzenathleten mit für die Schweiz einzigartigen Dimensionen realisieren. Frohe Kunde für die Zuger Eishockeyfans: Das OYM wird zwei neue Eisfelder für den EVZ umfassen. Damit verdoppeln sich die Trainingsmöglichkeiten auf einen Schlag. Das Zentrum wird aber auch Athleten aus anderen Sportarten offen stehen.

Vom Apotheker zum Pharmaunternehmer

Hans-Peter Strebel (67) hat den Grundstein für sein Vermögen mit Medikamenten gelegt. Seine Biographie begann jedoch anders: Der Sohn eines Apothekers aus Muri (AG) studierte an der ETH Zürich sowie in Genf und legte 1974 ebenfalls das Staatsexamen für Apotheker ab. 1979 promovierte er zum Doktor der Naturwissenschaften. Von seinem Vater übernahm er die geschichtsträchtige Klosterapotheke in Muri und eröffnete bald darauf eine zweite, damals die modernste Apotheke der Schweiz. 1983 gründete Hans-Peter Strebel mit drei anderen Wissenschaftlern die Firma Fumapharm AG. Sie entwickelten erfolgreich ein Medikament zur Behandlung der Schuppenflechte, das 1994 in Deutschland zugelassen wurde. 2006 zog sich Strebel ganz aus dem operativen Berufsleben zurück, verkaufte die Apotheken. Die Firma Fumapharm wurde an die amerikanische Firma Biogen Idec verkauft, welche später die Zulassung für ein von Strebel und seinen Kollegen erforschtes orales Medikament gegen Multiple Sklerose erhielt. Zum Eishockey: 2015 ist Strebel zum neuen Clubpräsidenten des EV Zug gewählt worden. Er ist geschieden, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Luzern. Seine Hobbys sind Fitness, Golf und Saxophon.

Zu seiner Motivation erklärte Strebel, der Zuger Eishockey sei seit seiner Jugend «eine Herzensangelegenheit». Sein finanzielles Engagement sehe er als persönliche Investition in die Zukunft des Eishockeysports in Zug und darüber hinaus. «Es geht mir dabei nicht um einen monetären Return, sondern um einen ideellen Erfolg.» Es gehe um die Umsetzung seiner Vision, durch Nachwuchsförderung möglichst viele Athleten aus Zug in die Nationalliga A zu führen.

Kaufvertrag unterschrieben

Aufgrund des positiven Resultats einer Machbarkeitsstudie erfolgte diese Tage der erste Schritt zur Realisierung: Strebel unterzeichnete den Kaufvertrag für ein Grundstück, auf dem der Sportkomplex entstehen soll. Beim Areal handelt es sich um das Baufeld C im Bebauungsplan Cham-Nord, ein unbebautes Grundstück, das direkt neben dem Gebäude Lorzenpark liegt. An der verkehrstechnisch gut erschlossenen Lage soll bis 2019 der Sportkomplex OYM entstehen. Zusammen mit Fachplanern werde in nächster Zeit nun das Bauprojekt erarbeitet, um ein Baugesuch einreichen zu können.

CEO des EVZ hocherfreut

Patrick Lengwiler, CEO des EVZ, äussert sich überschwänglich zum Projekt:  «Wir schätzen uns absolut glücklich, einen Präsidenten zu haben, der als Privatperson die Möglichkeiten, die Begeisterung und das nachhaltige Denken hat, um für unsere langfristigen Ziele die beste Infrastruktur und die fundierteste Ausbildung zur Verfügung zu stellen», sagt er. Der EVZ, vertreten durch Lengwiler, sitzt als Hauptnutzniesser des Zentrums im Planungsteam. Der EVZ habe massgeblich zur Ausgestaltung des Raumprogramms im OYM beigetragen.

OYM löst ein Problem

«Wir erhalten damit die Möglichkeit, in diesem Campus Trainingslager durchführen zu können, und sind nicht mehr auf andere Gebäude angewiesen», sagt Lengwiler. Die Zuger Hotellerie sei unter der Woche ziemlich ausgelastet und es sei manchmal schwierig, Unterkünfte für die Sportler zu finden.

«Wir können in diesem Campus Trainingslager durchführen.»
Patrick Lengwiler, CEO EVZ

Multifunktionales Zentrum

Was ist geplant? Neben den Trainings-Eisfeldern wird der geplante Neubau ein Athletikcenter mit rund 3000 Quadratmetern Fläche umfassen. Dazu kommen eine Turnhalle, ein Running Track von 80 Metern Länge, zahlreiche Schulungs- und Seminarräume sowie weitere eishockeyspezifische Infrastrukturen wie Skatemill und Schussanlagen. Auf dem Dach des OYM ist ein Motorikpark mit einem Beachvolleyballfeld vorgesehen. Ergänzt wird das Raumprogramm durch Büros für die Praxisfirma der Hockey-Academy-Auszubildenden sowie Unterkunftsmöglichkeiten für die Durchführung von Trainingslagern, beispielsweise der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Angewandte Wissenschaft

Am OYM wird ebenfalls angewandte Wissenschaft für die Spitzenathletik betrieben. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des Muskel- und Sportphysiologen Marco Toigo (Dr. sc. nat. ETH) wird räumlich im Sportzentrum integriert. Toigo arbeitet bereits heute bei der Hockey-Academy-Ausbildung mit dem EVZ zusammen. Hans-Peter Strebel lege als früherer Naturwissenschaftler und Pharmaunternehmer grossen Wert auf die wissenschaftliche Begründung der Ausbildungsinhalte, hiess es. «Wir werden Forschung im OYM betreiben, beispielweise über den Muskelaufbau. Unser Ziel ist es, die Sportler weiterzubringen und nicht möglichst viele wissenschaftliche Arbeiten zu publizieren», sagt Marco Toigo zu zentral+.

Florian Kohler, CEO der Swiss Ice Hockey Federation, bezeichnete das Projekt als wegweisend für die Schweiz. In der Schweiz gebe es rund 23’000 lizenzierte Eishockeyspieler, zähle man den Nachwuchs dazu, seien es sogar 27’000. Natureisfelder stünden jedoch im Gegensatz zu Schweden oder Kanada kaum zur Verfügung, deshalb müsse man in Hallen trainieren. «Unser Problem ist die beschränkte Anzahl Eisfelder», sagt Kohler. Wenn jemand sagte, er wolle privat helfen und stecke Geld ins Eishockey und die Sportförderung, sei die Swiss Ice Hockey Federation natürlich hocherfreut und es sei klar, dass man das Projekt unterstütze.

Keine Kosten für Cham

Der Gemeindepräsident von Cham, Georges Helfenstein, hofft, dass das Projekt Signalwirkung für Cham als «Sportstadt» hat. «Wir erhoffen uns nationale Bekanntheit.» Cham habe schon eine Auszeichnung für seine Sportklasse erhalten. Zudem hätten bekannte Marken wie Stöckli und Adidas ihren Sitz in der Ennetsee-Gemeinde. «Wir würdigen das Engagement von Herrn Strebel sehr. Und die Gemeinde Cham kostet es nichts», sagt Helfenstein.

Über Geld spricht er nicht

Zu den Kosten seines Sportzentrums äussert sich Hans-Peter Strebel weiterhin nicht (siehe auch Box zu seiner Person). Aber er werde das Projekt vollumfänglich privat finanzieren, meinte der Doktor der Naturwissenschaften ETH. Er wird eine eigene Firma gründen und diese wird das Zentrum betreiben. Auf die Frage von Journalisten, ob er denn ein Budget für seine Investition habe, antwortete er: «Selbst wenn ich es gemacht hätte, würde ich Ihnen nichts darüber sagen.»

Doch für Strebel sind die Finanzen durchaus ein Thema: Ausgaben und Einnahmen sollten sich im OYM die Waage halten. «Unter dem Strich soll ein schwarze Null resultieren», sagt der Investor, «sämtliche Nutzniesser, auch der EVZ, werden deshalb für die Infrastruktur Miete bezahlen.»

Zur Frage, ob das neue Zentrum in Cham den Trainingsort Zug konkurrenziert, erklärten die Verantwortlichen, die Bossard-Arena bleibe das Herzstück des EVZ. Strebel: «Das OYN in Cham wird maximal 200 bis 300 Zuschauerplätze haben. Die zuschauerrelevanten Matches finden weiterhin in Zug statt.»

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