Nicht nur die Kleinsten sollen sich bewegen, hofft man in Cham.
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Nicht nur die Kleinsten sollen sich bewegen, hofft man in Cham. (Bild: Alex Kaeslin)

Weck das Kind in dir! Cham baut Spielplatz – auch für Erwachsene

4 min Lesezeit 29.02.2020, 11:20 Uhr

Nicht abseits sitzen und zuschauen, sondern mitmachen: Die Gemeinde Cham baut einen neuen Spielplatz, der auch für Erwachsene gedacht ist. Das fordere ein gesellschaftliches Umdenken, sagen die Verantwortlichen.

Auf den Spielplätzen ähnelt sich das Bild oft: Die Kleinen tollen auf der Schaukel, im Sandkasten oder auf der Rutschbahn herum. Die Eltern sitzen am Rand auf der Parkbank und schauen zu.

In Cham soll sich das bald ändern: Auch die Oma und der Götti sollen sich mit den Kindern bewegen. Am Samstag fällt der Startschuss für den Bau des sogenannten Generationenplatzes Büel, der auf dem stillgelegten Parkfeld entstehen wird (siehe Box).

Erwachsene sollen sich auf die enge Rutsche oder in den viel zu kleinen Miniturm quetschen? Nein, so ist das nicht gedacht. In Cham werden spezielle Spielgeräte angeschafft, die Kinder und Erwachsene gemeinsam nutzen können.

Was das Grosi mit dem Enkel verbindet

Zum Beispiel der «Geduldsfaden»: Man balanciert auf einem Balken und versucht zu zweit, einen Ring über ein Metallrohr zu führen, ohne dieses zu berühren. «Es geht um Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Balance», sagt Christian Plüss von der Jugend- und Gemeinwesenarbeit. «Das sind Elemente, die Kinder lernen und Senioren tendenziell eher verlieren und deshalb üben sollten. Wir haben also zwei ähnliche Phänomene und ein Gerät, mit dem man beides trainieren kann.»

«Ein Kind kann sich schon an einer Pfütze erfreuen. Erwachsene brauchen mehr Anreize.»

Debora Junker, Stiftung Hopp-la

Nicht nur die speziellen Geräte fördern ein bewegtes Miteinander, sagt Debora Junker. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung Hopp-la, die bereits ähnliche Projekte realisiert hat und jenes in Cham fachlich begleitet. «Auch ein naturnaher Bereich mit Wasser, Sand, Holz oder grossen Steinen regt die Kreativität von Kindern und Erwachsenen an und fördert so den Generationenaustausch.» Geplant sind zum Beispiel auch regelmässige Stunden, in denen eine Fachperson vor Ort zeigt, wie man sich bewegen soll – quasi eine Fitnessstunde im Freien. Bereits jetzt findet wöchentlich ein Bewegungskurs statt. Die Stiftung Hopp-la begleitet ihre Projekte auch wissenschaftlich, um die gesundheitlichen Auswirkungen zu untersuchen.

Gesellschaftliches Umdenken nötig

«So wie Spielplätze bislang konzipiert sind, sprechen sie in erster Linie die Kinder an», sagt Junker. Das Ziel der neuen Plätze sei, auch bei Eltern und Grosseltern, bei Senioren und jungen Erwachsenen, die Lust und Neugierde zu wecken, sich aktiv zu bewegen. Ein erster Schritt in diese Richtung leisteten sogenannte Outdoor-Fitnessgeräte. «Ein Kind kann sich schon an einer Pfütze erfreuen – bei Erwachsenen braucht es mehr.»  Zum Beispiel die neu konzipierten spielerischen Bewegungsgeräte, aber auch Balancier-Elemente mit Handläufen und Aufstiegshilfen, um Hemmschwellen abzubauen und Stürze – gerade bei älteren Menschen – zu verhindern.

Wer traut sich? Sowohl Kinder als auch ältere Menschen profitieren von Balance-Übungen. (Bild: Alex Kaeslin)

Aber nicht nur geeignete Infrastruktur, sondern vor allem auch ein gesellschaftliches Umdenken ist nötig. «Erwachsene sitzen meist am Rand statt mittendrin. Dass sie sich selber auf dem Spielplatz bewegen, diese Kultur gibt es bei uns noch nicht», sagt Debora Junker. Die Pilotprojekte in Basel hätten gezeigt, dass sich das ändere, je stärker man die Bevölkerung aktiv einbeziehe – wie dies in Cham vorbildlich gemacht werde.

Die Leute werden älter, die Städte dichter

Spielplätze dieser Art könnte man zukünftig öfters antreffen. Auch in der Gemeinde Baar ist ein ähnliches Pilotprojekt am Start, ebenfalls mit Beteiligung der Stiftung Hopp-la. Im Sommer wird die Gemeindeversammlung über das geplante Projekt entscheiden.

«Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist das ein wichtiges Projekt.»

Christine Blättler-Müller, Gemeinde Cham

Debora Junker sagt, mit dem Kanton Zug würden derzeit ebenfalls Gespräche über eine Kooperation geführt. Für die Geschäftsführerin der Stiftung Hopp-la ist klar, dass das Bedürfnis nach Bewegungsräumen steigt. «Die Verdichtung und der Verkehr erhöhen den Druck auf öffentliche Freiräume. Deshalb sind innovative Lösungen gefragt, die alle Generationen ansprechen.» 

Feier am Samstag

Diesen Samstag, 29. Februar, findet zwischen 14 und 16 Uhr die Spatenstich-Feier für den Generationenplatz Büel in Cham statt. Es werden die ersten Bäume gepflanzt und die Verantwortlichen nehmen Wünsche und Ideen der Bevölkerung entgegen. «Wir möchten wissen, was der Generationenplatz alles bieten und wie er belebt werden soll», sagt Christian Plüss von der Gemeinde Cham. Weitere Aktionen sind im April und Mai geplant.

Der Generationenplatz in Cham, der insgesamt 285’000 Franken kostet, soll Mitte Juni fertiggestellt werden. Die Gemeinde verspricht sich davon einen Treffpunkt, aber auch einen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung. «Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist das ein wichtiges Projekt», sagt die Chamer Gemeinderätin Christine Blättler-Müller. In Cham seien 20 Prozent der Bevölkerung über 60-jährig, davon fast 600 Personen sogar über 80-jährig. «Bewegungsmangel ist ein bedeutsamer Risikofaktor für die Gesundheit – wir alle sollten nicht so viel sitzen.»

Ist dies also das Ende der klassischen Spielplätze? Die Verantwortlichen winken ab. «Klassische Spielplätze bleiben selbstverständlich erhalten», sagt Christine Blättler. Erwachsene, die ihr inneres Kind ausleben wollen, sollen dies künftig aber gerne öfters tun.

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