Celestinis Wunschspieler stört die Balance des FCL empfindlich
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In seiner aktuellen Verfassung schadet er dem FCL mehr, als dass er ihm nützt: Alex Carbonell. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Alex Carbonell steht neben den Schuhen Celestinis Wunschspieler stört die Balance des FCL empfindlich

4 min Lesezeit 06.12.2020, 21:01 Uhr

Seine schlimmen Abspielfehler verursachten dem FC Luzern eine Hypothek, die er beim 2:3 gegen YB nicht mehr aufholen sollte. Alex Carbonell leitete die Niederlage ein. Ein wichtiges Signal für den Seelenfrieden des Teams, dass ihn FCL-Trainer Fabio Celestini zur Pause vom Feld nahm.

Es wollte ihm nicht gelingen, seine Gefühlswelt an diesem nasskalten Sonntagabend einzuordnen. Es sei ein sonderbares Gefühl, das der Heimmatch gegen YB bei ihm auslöse: «Irgendwo zwischen fantastisch und schlimm», verortete es Fabio Celestini.

Fantastisch deshalb, weil «meine Mannschaft mit dem Ball gegen die beste Mannschaft der Liga kreativ und offensiv auftrat und bei den zweiten Bällen auch kämpferisch überzeugte».

Schlimm deshalb, weil sich die Luzerner mit katastrophalen Fehlern, die zu zwei der drei Gegentore innerhalb von neun Minuten führten, selber um eine Belohnung brachten (zentralplus berichtete).

Die Hälfte der FCL-Feldspieler ungenügend

Irgendwann in der Nachbetrachtung prägte Fabio Celestini den Satz: «Wir haben nicht die Leistung von all unseren elf Spielern auf dem Platz bekommen.»

Damit gab er einen deutlichen Hinweis darauf, wo der Hase im Pfeffer lag. In die Kategorie schwach bis ungenügend reihten sich Alex Carbonell, Varol Tasar, Silvan Sidler, Lucas Alves und Filip Ugrinic ein.

«Mit der Übernahme von Verantwortung hatten wir gegen YB ein Problem.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Carbonell war der schlechteste Mann auf dem Platz. Mit seinen falschen Entscheidungen vor den ersten beiden Gegentreffern stand der 23-jährige Katalane am Ursprung der fünften Saisonniederlage. Eine inferiore Darbietung des FCL-Neuzugangs.

In Celestinis Gunst gesunken

Dass Fabio Celestini den defensiven Mittelfeldspieler zur Pause in der Garderobe liess, war ein wichtiges Zeichen an die Adresse der Mitspieler. In dem Sinne, dass bei ihm selbst der Wunschtransfer keine Sonderbehandlung bekommt.

Ohne einen Namen zu nennen, kritisierte Celestini: «Mit der Übernahme von Verantwortung hatten wir gegen YB ein Problem. Es kann nicht sein, dass wir dem Gegner den Ball so einfach übergeben, ohne dass er etwas dafür tun muss.»

Übersetzt heisst das: In der Gunst von Celestini scheint Carbonell zumindest vorübergehend ein paar Plätze verloren zu haben. Dabei war es im Sommer der explizite Wunsch des FCL-Trainers, diesen Transfer zu tätigen.

Nur Carbonells Premiere war stark

Auch wenn dafür selbst nach dem Abgang von Idriz Voca in die Türkei keine Notwendigkeit bestand. Mit Marvin Schulz, Tsiy Ndenge, Lorik Emini, Filip Ugrinic und Simon Grether hatte der FCL noch immer fünf Spieler im Kader, die im defensiven Mittelfeld spielen können. Erst durch das Verletzungspech von Ndenge, Emini und Grether ergab sich kurzfristig eine Personalnot.

«So blöde Fehler, wie wir sie gemacht haben, dürfen einfach nicht passieren.»

FCL-Leistungsträger Marvin Schulz

Bis dato hat sich der Transfer von Carbonell für Celestinis Mannschaft nicht gelohnt. In sechs von sieben Spielen seit seiner Ankunft in Luzern hat der Spanier, der seine Rolle extrem defensiv interpretiert, von Anfang an gespielt.

Nur bei seiner Premiere gegen St. Gallen (2:2) war er stark, beim zweiten Saisonsieg gegen Sion (2:0) passabel, sonst mit seiner ziemlich hohen Fehlerquote aber eine stete Gefahr fürs eigene Tor. Gegen Vaduz lieferte Carbonell mit seiner Ampelkarte zu Beginn der zweiten Halbzeit einen gewichtigen Grund für das spätere 1:1.

Schulz prägt derzeit den FCL

In seiner aktuellen Verfassung stört er das Gleichgewicht der Mannschaft empfindlich. Und diese Balance musste sich der neu formierte FCL mit seiner spielerischen Ausrichtung in den letzten Wochen hart erarbeiten. Erst in den vorangegangenen Spielen gegen Servette (3:1) und Sion (2:0) reichte die Leistung zu Siegen.

Statt einer Fortsetzung des guten Laufs gegen YB setzte es wieder einen mentalen Dämpfer ab. «So blöde Fehler, wie wir sie gemacht haben, dürfen einfach nicht passieren», zeigte sich Marvin Schulz trotz Aufholjagd zum 2:3 ziemlich frustriert.

Der Deutsche ist seit Wochen, ob nun als Rechts- und Innenverteidiger oder wie zuletzt als defensiver Mittelfeldspieler, die grosse Stütze des FCL. Zusammen mit Martin Frydek machte Schulz, längst nicht nur wegen seines erfolgreich getretenen Penalty-Versuchs zum 1:3, gegen YB die beste Figur in den Luzerner Reihen.

Celestini hat keine andere Wahl

Schulz und Frydek sind derzeit dazu in der Lage, die FCL-Defensive zu stabilisieren und die Offensive gleichzeitig mit Inputs zu bedienen. Sie sind entscheidend für die Balance im Spiel der Luzerner. Und ganz vorne scheinen Louis Schaub und Dejan Sorgic für immer mehr Durchschlagskraft zu sorgen.

Mit Beginn der nächsten Woche wird Jungstar Lorik Emini nach auskurierter Verletzung wieder ins FCL-Mannschaftstraining einsteigen können. Damit ist Fabio Celestini bei einem System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern nicht mehr zwingend auf die Dienste von Alex Carbonell angewiesen.

Auf die Frage von zentralplus, ob Carbonell nun nicht dringend eine Denkpause benötige, zuckte Fabio Celestini nicht zum ersten Mal an diesem frostigen Sonntagabend mit den Schultern und sagte: «Wir werden sehen.»

Er hat keine andere Wahl, wenn der das Leistungsprimat, das höchste Gut im Spitzensport, beim FCL nicht ausser Kraft setzen will.

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