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Casino Zug: Das bleibt nach dem Jahr der Verbannung
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Samuel Steinemann, Intendant im Theater Casino Zug, moderiert einen Anlass in der Stadtbahn. (Bild: Rolf Fassbind)

Theater kehrt im September ins Stammhaus zurück Casino Zug: Das bleibt nach dem Jahr der Verbannung

7 min Lesezeit 22.06.2017, 12:28 Uhr

Unter dem Motto «Gespielt wird immer» hat die Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ) eine ganze Saison lang 14 alternative Orte bespielt – weil das Theater Casino Zug momentan umgebaut wird. Intendant Samuel Steinemann sagt, was er in diesem Jahr gelernt hat und was man im renovierten Haus erwarten darf.

zentralplus: Sind Sie froh, dass es ab September wieder im Theater Casino Veranstaltungen gibt?

Samuel Steinemann: Froh ist das falsche Wort, denn die letzte Saison war extrem spannend. Ich freue mich aufs neue Theater Casino.

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zentralplus: Was war Ihr schönstes Erlebnis in der abgelaufenen Saison?

Steinemann: Davon gab’s mehrere. Etwa unser Jazz-Anlass in einem Zug, mit dem wir den Zugersee bei Sonnenuntergang umfuhren – das war richtig romantisch. Die Aufführung des «Barbiers von Sevilla» im Kultursilo Hünenberg oder das Konzert in der Produktionshalle der V-Zug – grandiose Erlebnisse. Man ist sich bei Experimenten ja nie so sicher, wie es vom Publikum aufgenommen wird oder wie die Künstler mit einem neuen Aufführungsort zurechtkommen. Umso schöner ist es, wenn alles stimmt.

So sieht Kultur auf dem Land aus: TMGZ-VEranstaltung im Kultursilo Hünenberg.

So sieht Kultur auf dem Land aus: TMGZ-Veranstaltung im Kultursilo Hünenberg.

(Bild: Rolf Fassbind)

zentralplus: Was haben Sie aus der Saison gelernt?

Steinemann: Dass es sich lohnt, Grenzen zu verschieben. Dass Experimente gelingen können und man sie immer aufs Neue wagen sollte.

«Wenn es eine kulturpolitische Erkenntnis aus der vergangenen Saison gab, dann die, dass es wichtig war, auch den Ennetsee zu besuchen.»

zentralplus: Hat sich die Übergangssituation in den Besucherzahlen niedergeschlagen?

Steinemann: Ja, natürlich. An den Ersatzspielorten hatten wir eine sehr viel kleinere Besucherkapazität als im Theater Casino. Unser Hauptspielort, die Shedhalle, bot 200 Gästen Platz, der Theatersaal im Casino hingegen hat 630 Sitzplätze.

Am 16. und 17. September wird gefeiert

Am Wochenende des 16./17. September wird das renovierte Theater Casino eingeweiht. Das reiche Festprogramm wird in den nächsten Wochen bekannt. Die neue Spielzeit der Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ) beginnt indes schon am 23. August mit Konzertzügen ans Lucerne Festival. Anschliessend gibt’s den gewohnten Mix aus Unterhaltung und Hochkultur, aus Lokalem und Weltläufigem, aus Bekanntem (Lorenz Keiser, Ursus & Nadeschkin usw.) und Geheimtipps und nicht zuletzt auch einige spannende Veranstaltungen für Kinder.

zentralplus: Resultierte daraus nicht ein finanzieller Verlust?

Steinemann: Damit haben wir gerechnet. Der Mehraufwand war budgetiert. Auch wenn noch nicht alle Zahlen ausgewertet sind, weil die Saison eben erst zu Ende gegangen ist, lässt sich doch sagen: Wir liegen im Plan.

zentralplus: Wie waren die Experimente mit der Bavaria in Baar, der Dock-Bar des Restaurants Schiff, der Chicago Bar & Lounge und anderen Orten?

Steinemann: Von den 14 Ersatzspielorten haben sich alle bewährt. Es waren vielleicht nicht alle gleich beliebt. Die St.-Johannes-Kirche im Herti-Quartier zum Beispiel wäre eigentlich ein tauglicher Veranstaltungsort mit einer recht guten Akustik. Aber hier machte es sich bemerkbar, dass sie an Zugs Peripherie liegt. Dafür konnten wir das Publikum nicht im erwünschten Mass begeistern.

zentralplus: Ist es denkbar, dass die Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ) wieder mal an einen exotischen Ort ausweicht?

Steinemann: Wir werden in der nächsten Spielzeit erneut im Biohof Zug zu Gast sein und mit unseren Konzertzügen ans Lucerne Festival wieder in den Kompositionen der SBB gastieren. Sonst konzentrieren wir uns auf unsere renovierten Säle im Theater Casino. Ich will jedoch nicht ausschliessen, dass wir in den kommenden Jahren nicht auch im Kultursilo Hünenberg oder etwa bei der V-Zug Veranstaltungen durchführen.

Auch künfitg wird die TMGZ in Bahnwagen Veranstaltungen durchführen.

Auch künfitg wird die TMGZ in Bahnwagen Veranstaltungen durchführen.

(Bild: Rolf Fassbind)

zentralplus: Die TMGZ holte die Besucher in der letzten Spielzeit mit dem Shuttlebus in Zugs Zentrum ab und transportierte sie zu den Veranstaltungsorten. Wie kommt dieser Service an?

Steinemann: Er wurde sehr unterschiedlich genutzt. Zu Veranstaltungen in Zug eher weniger, zu Veranstaltungen in Hünenberg und Baar rege. Aber genau weil unsere Ersatzspielorte zum Teil abgelegen waren, war er unbedingt notwendig.

zentralplus: Konnten Sie in den alternativen Spielorten auch neues Publikum ansprechen?

Steinemann: Im Hünenberg ja. Wenn es eine kulturpolitische Erkenntnis aus der vergangenen Saison gab, dann die, dass es wichtig war, auch den Ennetsee bei einer Veranstaltung zu besuchen. Ansonsten würde ich sagen: Wir konnten Leute mobilisieren, die offen für Neues sind – gerade daran sind wir interessiert.

zentralplus: Ein Wort zur Akustik in den verschiedenen Veranstaltungsorten und zu den klassischen Konzerten in Zug.

«Für einige Ensembles ist es schwierig, in der Umgebung von Zug einen geeigneten Auftrittsort zu finden.»

Steinemann: Die Situation in Zug ist eher schwierig. Aber natürlich stellt nicht jede Art von Veranstaltung die gleichen Anforderungen an einen Spielort. Der historische Festsaal im Theater Casino ist zum Beispiel sehr gut für Streichquartette geeignet. Wenn Perkussion oder Schlagwerk ins Spiel kommt, dann weiche ich aber auf den Theatersaal mit seiner trockenen Akustik aus. Für einige Ensembles ist es indes schwierig, in der Umgebung von Zug einen geeigneten Auftrittsort zu finden.

zentralplus: Für grosse Orchester?

Steinemann: Zum Beispiel. Aber im KKL in Luzern oder in der Tonhalle in Zürich gibt es Akustik von Weltformat in der Nähe. Man darf sich deshalb fragen, warum etwa ein grosses Orchester im Casino eine Sinfonie von Tschaikowsky spielen sollte.

zentralplus: Die TMGZ hat Klassik in der Kirche St. Martin in Baar aufgeführt und das Kammerorchester Zuger Sinfonietta benutzt für ihre Konzertreihe den Chamer Lorzensaal …

Steinemann: Die Kirche St. Martin ist gut geeignet, wenn genügend Zuschauer anwesend sind, die den Hall der Kirche dämpfen. Und der Lorzensaal hat eine ziemlich gute Akustik. Es ist ein geschickter Schachzug der Zuger Sinfonietta, dass sie den Lorzensaal benutzt.

«Fazil Say ist ein wunderbarer Künstler, den ich schon seit sehr langer Zeit veranstalten möchte.»

zentralplus: Der Neubau des Casinos: Bietet dieser bessere technische Möglichkeiten?

Steinemann: Was eine zeitgemässe Bühnentechnik angeht, bringt er manche Erleichterungen.

zentralplus: Wie läuft’s im Restaurant?

Steinemann: Das ist natürlich auch noch geschlossen. Aber das Team von Gammacatering freut sich enorm auf die Wiedereröffnung. Für uns ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit gut klappt, denn wir möchten den Gästen Packages anbieten – Rundumerlebnisse. Also etwa die Möglichkeit, erst österreichisch zu essen, um dann ein Konzert eines österreichischen Ensembles zu geniessen. Oder die Möglichkeit, nach einem Auftritt mit dem Künstler in der Bar zu plaudern. Das ist Teil unseres neuen Konzepts.

zentralplus: Welches neue Konzept?

Steinemann: Wir wollen den Gästen das Theater Casino Zug als Ganzes erlebbar machen– die kulturellen Anlässe, das Restaurant, die Bar, die Seeterrasse mit ihrem weltschönsten Sonnenuntergang – und vielleicht auch die Badi Seeliken. Dem wollen wir Rechnung tragen, indem wir als Haus geeint auftreten. Wir haben deshalb auch unsere Corporate Identity erneuert, arbeiten mit einer neuen Werbeagentur zusammen.

zentralplus: Auf wen freuen Sie sich persönlich in der neuen Saison? Drei Gigs.

Steinemann: Auf den Auftritt des Pianisten Fazil Say. Das ist ein wunderbarer Künstler, den ich schon seit sehr langer Zeit veranstalten möchte. Dann die Konzert-Installation von Dimitri de Perrot. Die finde ich fantastisch, habe sie mir mehrfach selber angeschaut. Ich bin für eine Vorstellung auch schon extra nach Frankreich gefahren. Schliesslich der Auftritt des «Nederlands Dans Theater 2» im Rahmen der Tanz-Biennale Steps. Das ist zeitgenössische Kunst auf allerhöchstem Niveau, die sich anzuschauen unbedingt lohnt.

zentralplus: Die Zukunft der TMGZ als kultureller Rundumversorger Zugs: Wie sieht das Programm in zehn Jahren aus?

Steinemann: Das kann ich nur allgemein beantworten. Es ist wichtig, dass sich Kultur stets neu erfindet. Und ebenso wichtig ist, dass sich ein Kulturveranstalter neu erfindet und die Neuerungen seinem Publikum zugänglich macht. Dies ist ein langsamer Prozess. Bringt man nichts Neues, verstaubt man. Konfrontiert man sein Publikum mit zu vielen Experimenten, ist es überfordert. Bringt man Neuerungen aber in dosierter Form, ist das Publikum nicht nur daran gewöhnt, sondern erwartet sie auch. Insofern wird es sicher Veränderungen geben, aber langsame.

«Bringt man Neuerungen in dosierter Form, ist das Publikum nicht nur daran gewöhnt, sondern erwartet sie auch.»

zentralplus: Wann gibt es wieder mal eine Eigenproduktion der TMGZ?

Steinemann: Wir haben sehr viele Eigenproduktionen. Wenn Sie damit meinen, dass wir selber Theater- oder Musikstücke in Auftrag geben und uraufführen, so wird dies in Zukunft sicher weniger geschehen, als es vor meiner Zeit der Fall war. Es ist sehr kostenintensiv und ich bin der Ansicht, wir sollten uns besser auf unsere Stärken konzentrieren. Kooperationen und Koproduktionen, damit können wir gute Kultur fördern und sie unserem Publikum zeigen. Etwa eine Kammeroper in einem Silo aufzuführen, wie das mit dem «Barbier von Sevilla» in Hünenberg geschehen ist. Oder wie wir es in er kommenden Saison mit den Konzertzügen ans Lucerne Festival tun, wo Gäste die Landschaft geniessen und zu einem Apéro Musik hören. In der Vergangenheit waren wir schon Koproduzent von Martin Zimmermanns fantastischer Soloproduktion «Hallo», die nun um die Welt reist. Solche Koproduktionen sind mir wichtig.

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