Bypass: Was Kriens (ausgerechnet) vom kleinen Eich lernen könnte
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Kriens will eine überdachte Autobahn und darauf Lebensraum schaffen. (Bild: Vision «Chance Bypass»)

Autobahn-Überdachung gefordert Bypass: Was Kriens (ausgerechnet) vom kleinen Eich lernen könnte

4 min Lesezeit 1 Kommentar 14.09.2020, 05:00 Uhr

Die Stadt Kriens fordert eine komplette Einhausung der Autobahn vom Sonnenbergtunnel bis zum Schlund. Der Bund soll das Bypass-Projekt dementsprechend anpassen. Ein ambitioniertes Vorhaben – aber nicht unmöglich. Das zeigt ein Blick auf die Geschichte der Gemeinde Eich am Sempachersee.

Eigentlich haben die Gemeinde Eich und die Stadt Kriens so ziemlich gar nichts Verbindendes: Da ein Dörfchen mit rund 1600 Einwohnern und tiefen Steuern, dort eine Stadt mit über 27’500 Einwohnern und einem gewaltigen Loch in der Kasse (zentralplus berichtete).

Und doch gibt es da etwas, das die beiden gemein haben: Eine Autobahn, die direkt durch sie hindurch führt. Kriens kämpft derzeit dafür, dass das Luzerner Bypass-Projekt vom Bund angepasst wird. So, dass die Autobahn im Stadtgebiet, vom Sonnenberg bis zum Tunnel Schlund, eingedacht wird (zentralplus berichtete).

Der Bund sieht eine solche Überdachung als städtebauliche Begleitmassnahme an – und somit nicht als seine Aufgabe. Geplant ist lediglich eine kleinere Verlängerung des heutigen Daches beim Tunnelportal. Wie man sich jedoch erfolgreich gegen die Pläne des Bundes wehrt, hat Eich vorgezeigt.

Autobahn auf dem Viadukt

1960 legte die Bundesversammlung die Linienführung der Autobahn A2 fest. 1971 lagen die Detailpläne in den betroffenen Gemeinden auf. Eich war eine davon. Den Eichern konnte nicht gefallen, was die Pläne damals aufzeigten. Vorgesehen war nichts Geringeres, als die Erstellung eines 16 Meter hohen Viaduktes über das Dorf Eich.

Der Widerstand formierte sich umgehend, wie einer Beilage eines 2012 in der «Sempacher Woche» publizierten Artikel zu erfahren ist. Dieser wurde vom kantonalen Staatsarchivar Jürg Schmutz verfasst. Die Befürchtung der Bevölkerung war klar: Das Dorf würde entzweigeschnitten werden und massivem Lärm ausgesetzt sein.

Umgehende Einsprachen-Flut

Zunächst hagelte es Einsprachen: 41 von privater Seite, eine von der Gemeinde Eich selbst (mit 60 Unterzeichnern) und eine weitere eines neu gegründeten Aktionskomitees mit über 100 Unterzeichnern.

Die Einsprecher brachten unter anderem die Idee ins Spiel, die Autobahn auf den Höhenzug weit oberhalb von Eich zu verlegen. Noch beliebter war der Vorschlag, die Strasse entlang der anderen Seeseite zu führen. Dort, wo bereits die Kantonsstrasse und die Eisenbahn durchführten.

Regierung: Änderungen sind nicht mehr möglich

Der damalige Luzerner Baudirektor Felix Wili habe jedoch die Ansicht vertreten, dass bei vom Bund bewilligten Projekten keine Änderungen mehr möglich sind. In der Folge genehmigte die Luzerner Regierung das Projekt, was eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde zur Folge hatte.

In und um Sempach formierte sich zeitgleich ebenfalls Widerstand gegen die Autobahnpläne. Dort setzte man auch auf den Druck der Öffentlichkeit. So erschien 1972 etwa ein viel beachteter Artikel in der Schweizer Illustrierten. Der mehrseitige Bericht wurde vom ansässigen Journalisten Franz Weber unter dem Titel «Die Strassenschlacht bei Sempach» verfasst.

Zuger Bundesrat überzeugt

Als 1973 absehbar wurde, dass die Lobbyarbeit keine Früchte trägt, und auch das Bundesgericht hart blieb, entschieden sich die Eicher für eine neue Taktik. Sie setzten Ihre Hoffnungen in den damals frisch gewählten Bundesrat Hans Hürlimann (CVP) aus Zug.

Der Zentralschweizer Bundesrat, übrigens Vater des Schriftstellers Thomas Hürlimann, empfing noch im selben Jahr eine Luzerner Delegation. Die mitgereisten Eicher nutzten die Gelegenheit, um dem Bundesrat die Idee eines Tunnels, der den Ortskern unterfahren soll, schmackhaft zu machen.

Lärmgutachten spielte wohl zentrale Rolle

Und tatsächlich: Der Kanton erhielt in der Folge grünes Licht für die Planung einer Tunnellösung. Hürlimanns Entscheid dürfte auch durch ein damals neues Lärmgutachten beeinflusst worden sein. Dieses ergab, dass in Eich die Lärmgrenzwerte nur mit unverhältnismässigem Aufwand erreicht werden könnten.

1976 unterzeichnete Bundesrat Hürlimann das Ausführungsprojekt für den Tunnel Eich. Bis 1981 wurde im Tagbau ein rund 900 Meter langer Tunnel durch das Dorf gebaut.

Eich während dem Tunnelbau Ende der 1970er Jahre. (Screenshot: Gemeinde Eich Homepage)

Dorf ist trotzdem zweigeteilt

Mit dem Tunnel wurden nicht alle Probleme Eichs beseitigt. Das Dorf ist heute de facto tatsächlich zweigeteilt. Mit dem Lärm vor und hinter dem Autobahntunnel kämpft die Gemeinde auch heute noch (zentralplus berichtete). Dennoch würde heute niemand den Tunnel gegen das Viadukt tauschen wollen.

Ob die Krienser bei der zuständigen Bundesrätin Simonetta Sommaruga ebenfalls einen solchen direkten Draht und offene Ohren finden, steht heute wohl noch in den Sternen. Klar ist, dass das Anliegen breiten öffentlichen und politischen Rückhalt gewinnen muss, um die Bundesrätin umzustimmen. Das Beispiel Eich zeigt jedoch: Die Pläne des Bundes sind so tief in Stein gemeisselt, wie es den Anschein macht.

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1 Kommentare
  1. sandroluzern, 14.09.2020, 06:41 Uhr

    Ich sehe es als absolut sinnvoll an, eine möglichst städtebaulich verträglie Lösung mit möglichst langer Einhausung zu realisieren. Ich sehe das Problem allerdings an einem anderen Ort als bei der Finanzierung. Autobahn Ein- und Ausfahrten in der Einhausung mit anschliessendem Übergang ins Freie sind wegen der stark wechselnden Lichtverhältnisse sicherheitskrisch. Darum ist auch die Einhausung Horw in den Schlund- und Spiertunnel aufgeteilt. Gibt es diesbezüglich von einer Seite schon Aussagen?

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