Bypass Luzern: Stadt und Bund haben keine Lösung für das Dammgärtli
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Anwohner wehren sich gegen die Bypass-Pläne im Dammgärtli. (Bild: ios)

Spielplatz im Schatten des Milliardenprojekts Bypass Luzern: Stadt und Bund haben keine Lösung für das Dammgärtli

5 min Lesezeit 1 Kommentar 09.05.2020, 05:00 Uhr

Als praktisch einzige Grünfläche im Babel-Quartier nimmt das Dammgärtli eine besondere Rolle ein. Für den Bau der Bypass-Tunnelröhren müsste dieser Ort verschwinden. Besonders störend: Ein zugesicherter Ersatz besteht noch nicht mal im Ansatz.

Für die Planer des Luzerner Bypass-Projekts ist es ein kleiner Nebenschauplatz. Die betroffenen Anwohner trifft es aber direkt ins Herz: Mitten im Dammgärtli soll ein Hilfsschacht entstehen. Damit soll das Gestein unter dem Sonnenberg gefestigt werden, um die Bohrungen für die Strassentunnels zu erleichtern.

Was bautechnisch für den Laien Sinn ergibt, ist mit einem  gewaltigen Preis verbunden: dem Dammgärtli selbst. Im «besten Fall» ist die Grünfläche mit Spielplatz über Jahre unbenutzbar, einige der schattenspendenden Bäume wahrscheinlich verschwinden.

Stadtrat will Einsprache erheben

Dagegen wehren sich Anwohner (zentralplus berichtete). Im Grossstadtrat wird nächste Woche über einen entsprechenden Bevölkerungsantrag debattiert. Der Stadtrat wird darin aufgefordert, sich für das Dammgärtli einzusetzen.  Der Stadtrat ist bereit, im Rahmen der Planauflage Einsprache gegen das Nebenprojekt einzureichen.

Wann die Planauflage erfolgen kann, sollte in den nächsten Tagen bekannt werden. Ursprünglich hätte sie Mitte April erfolgen sollen. Wegen der Corona-Pandemie musste sie aber auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Sogar wenn der Hilfsschacht ausserhalb des Dammgärtli erstellt werden könnte – diese Option wurde diskutiert –, wäre der Spielplatz auf dem Dammgärtli wegen der Bauarbeiten unbenutzbar. Nach heutigem Stand der Planung bis mindestens im Jahr 2028. Mit den schon sicheren Einsprachen dürfte eine Wiederherstellung des Dammgärtli sich noch weiter nach hinten verschieben.

Zwei Szenarien präsentiert

Was aber passiert in der Zwischenzeit? Wo sollen die Kinder des Quartiers spielen? Wo die Quartierbewohner sich treffen? Gemäss dem Bund gibt es zwei Optionen:

  • Option 1: Ein temporärer Spielplatz an «geeigneter Stelle» während der Bauzeit. Nach Abschluss der Arbeiten würde der Spielplatz im Dammgärtli wieder hergerichtet.
  • Option 2: Vor Baubeginn wird ein neuer Spielplatz «definitiv an geeigneter Stelle» realisiert. Nach Abschluss der Bauarbeiten würde das Dammgärtli einer anderen Nutzung zugeführt.

Die beiden Varianten wurden interessierten Anwohnern vergangenen November im Rahmen eines Infoanlasses des Bundesamtes für Strassen (Astra) präsentiert.

Was ist eigentlich Plan B?

Für welche der beiden Varianten hat man sich nun entschieden? Eine Anfrage beim Astra ergibt, dass die Kommunikation in Sachen Dammgärtli der Stadt Luzern übertragen wurde. Dort heisst es: «Es ist noch kein Variantenentscheid gefallen. Die Stadt wird informieren, sobald Entscheide zum weiteren Vorgehen vorliegen.»

Das ist bemerkenswert. In einem Postulat wollte Grossstadtrat Christian Hochstrasser (Grüne) bereits im August 2019 erfahren, was bezüglich dem Dammgärtli geplant ist. Der Stellungnahme des Stadtrates ist dazu zu entnehmen, dass für ihn «die Bereitstellung eines mindestens gleichwertigen Ersatzes im Quartier im Vordergrund» stehe. Und weiter: «Entsprechende Abklärungen sind schon weit gediehen.»

Mittlerweile im Mai 2020 angelangt, scheinen diese Abklärungen also doch noch nicht ganz so weit gediehen zu sein.

Kaum Platz für «gleichwertigen» Ersatz

Für Anwohner wie Matthias Leutwyler ist die andauernde Ungewissheit frustrierend. «In den vergangenen Jahren haben sich hier endlich wieder junge Familien angesiedelt. Das Dammgärtli wurde dadurch nicht nur für die Kinder wieder zum wichtigen Treffpunkt. Das man überhaupt in Erwägung zieht, diesen Ort für ein Strassenbauprojekt zu opfern, ist für mich unverständlich.» Leutwyler gehört zu den Initianten des besagten Bevölkerungsantrages.

Dass ein versprochener gleichwertiger  Ersatz im dichtbebauten Quartier realisiert werden kann, bezweifelt er. Es habe Diskussionen gegeben, ob auf dem Parkplatz vor dem nahegelegenen ehemaligen Axa-Gebäude ein Spielplatz entstehen könnte, sagt Leutwyler. «Das Dammgärtli ist aber mehr als bloss ein paar Spielgeräte.»

Dem pflichtet Heidi Rast bei. Die Grossstadträtin (Grüne) ist Koordinatorin im Sentitreff: «Es ist für uns ein enorm wichtiger Ort. Einerseits gehen wir regelmässig mit den Kindern, die am Mittwoch- und Samstagnachmittag bei uns sind, auf den Spielplatz. Andererseits ist es ein Treffpunkt für ganz viele Menschen, gerade auch weil das Dammgärtli zentral ist und wegen der dichten Bäumen, die im Sommer Schatten spenden.»

Wiederholt sich das Fluhmühlepark-Fiasko?

Beide befürchten, dass sich beim Dammgärtli die Geschichte rund um den Fluhmühlepark wiederholen könnte. Eine längst versprochen Grünfläche – als Ersatz für ein Bauvorhaben – ist dort bis heute nicht realisiert worden (zentralplus berichtete).

«Die Stadt müsste für einen Ersatz im Quartier Land mieten oder kaufen. Der Fall des Fluhmühleparks hat gezeigt, wie schwer das ist.»

Heidi Rast, Kordinatorin Sentitreff und Grossstadträtin (Grüne)

«Der Blick auf die Ereignisse um den Fluhmühlepark haben uns extrem skeptisch gemacht, ob das Versprechen eines Ersatzes gehalten werden kann», sagt Leutwyler. Heidi Rast ergänzt: «Die Stadt müsste für einen Ersatz im Quartier Land mieten oder kaufen. Der Fall des Fluhmühleparks hat gezeigt, wie schwer das ist. Am Ende mit dem selben Resultat dazustehen, wäre fatal.»

Mehr Selbstvertrauen gegenüber dem Bund

Für die anstehende Diskussion im Grossen Stadtrat erhofft sich Heidi Rast zwei Dinge: Einerseits dass der Widerstand zugunsten des Dammgärtli über die Parteiengrenzen Rückenwind erhält. «In der Folge wünsche ich mir vom Stadtrat ein selbstsicheres Auftreten gegenüber dem Bund. Die Erhaltung des Dammgärtli im jetzigen Zustand muss einfach möglich sein.»

Vor Ort sind die ungeliebten streitbaren Pläne für das Dammgärtli unübersehbar. Eine grosse Infotafel weisst auf den knapp 10 Meter breiten und rund 30 bis 40 Meter tiefen Schacht hin, der dort entstehen soll. Auch die Flyer der Gegner sind im kleinen Park angebracht. Dazwischen spielen Kinder.

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1 Kommentare
  1. paul, 09.05.2020, 10:18 Uhr

    fluhnülipark …. bahnhofstrasse …. inseli …..
    es braucht einfach alles sehr viel zeit ……. dafür ist das ergebnis sicher sensationell ( werd glaubt ). beim dammgärtli wird es sicher auch eine schnelle gute lösung geben.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.