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Bypass: Krienser kämpfen in Bern gegen Windmühlen
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Wird weiterhin für eine gute Lösung für die Anwohner kämpfen: Der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne). (Bild: Benedikt Anderes)

Bund habe «maximalen Spielraum» ausgelotet Bypass: Krienser kämpfen in Bern gegen Windmühlen

3 min Lesezeit 09.05.2018, 11:46 Uhr

Die Stadt Kriens und ein überparteiliches Komitee aus Kriens verlangen vom Bund, bei der neuen Bypass-Autobahn Massnahmen gegen den Lärm umzusetzen. Doch es scheint, als würde man einen fast aussichtslosen Kampf führen. Zu schlecht schneidet die geforderte Überdachung beim Lärmschutz ab.

Die geplante Stadtautobahn «Bypass Luzern» gibt zu reden und wird wohl noch zu vielen emotionalen Debatten führen. Neben dem bestehenden Tunnel sollen zwei zusätzliche Röhren durch den Sonnenberg getrieben werden, durch die der Nord-Süd-Verkehr gelenkt werden soll. 

Dies hat den Bau zusätzlicher Fahrspuren im Bereich des Portals zur Folge, der Verkehr und somit der Lärm werden massiv zunehmen. Der Bund rechnet bis 2030 mit einer Zunahme von knapp 15’000 Fahrzeugen pro Tag. Ein Komitee, bestehend aus sämtlichen Krienser Parteien sowie der Stadt selbst, fordert deshalb vom Bund umfassende Massnahmen, um die Lärmemissionen einzuschränken.

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Kompromiss aus Bundesbern

Der Bund kam den Forderungen teilweise nach, blieb bei seinen Vorschlägen jedoch weit hinter den von Kriens gewünschten Massnahmen zurück. Er hat der Stadt eine Verlängerung der Überdachung beim Tunnelportal und der Grosshofbrücken als komplett lärmgeschützten Neubau in Aussicht gestellt (zentralplus berichtete).

Kriens, das sich eine durch den Bund komplette Überdachung der Autobahn vom Portal des Sonnenbergtunnels bis mindestens zur Arsenalbrücke wünscht, reicht dieser Vorschlag allerdings nicht. Das Komitee zeigte sich deshalb sehr befremdet und macht dem Bund heftige Vorwürfe (zentralplus berichtete).

Überdachung rechtlich unmöglich?

Konfrontiert man das Bundesamt für Strassen (Astra) mit den Anschuldigungen, wird rasch klar, dass eine Überdachung, wie sie sich Kriens wünscht, wohl kaum realisiert wird. Zumindest, wenn sie vom Bund bezahlt werden soll. Das lässt sich jedenfalls aus der knappen Antwort des Astra zusammenreimen.

«Das Astra hat im Rahmen seiner gesetzlichen Möglichkeiten den maximalen Spielraum ausgelotet und der Stadt Kriens einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet», erklärt Esther Widmer, Kommunikationsbeauftragte beim Astra, mit Blick auf die geplanten Bauten. Den Vorwurf, sich aus der Verantwortung zu ziehen, weist sie entschieden zurück.

Laut Astra gilt der Grundsatz, dass Lärmschutzmassnahmen in einem adäquaten Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen müssen. Dafür existiert ein spezieller Index, anhand dessen jedes Projekt beurteilt wird. An diese Werte hat sich der Bund zu halten, er ist also rechtlich daran gebunden. Da die von Kriens geforderten Massnahmen im Index anscheinend schlecht abschneiden, sind Bern die Hände gebunden.

Eingang zum Sonnenbergtunnel zwischen Luzern und Kriens: Diese Ein-/Ausfahrt würde mit dem Bypass doppelt so breit. Das Astra ist bereit, die ersten 100 Meter (rot eingefärbt) zu überdeckeln. Die Krienser verlangen eine viel längere Überdachung.

Eingang zum Sonnenbergtunnel zwischen Luzern und Kriens: Diese Ein-/Ausfahrt würde mit dem Bypass doppelt so breit. Das Astra ist bereit, die ersten 100 Meter (rot eingefärbt) zu überdeckeln. Die Krienser verlangen eine viel längere Überdachung.

(Bild: zvg)

Stadtpräsident bleibt optimistisch

Wie geht die Gemeinde mit der bislang unbefriedigenden Situation um? Trotz der momentan verfahrenen Situation lässt sich der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne) aber nicht entmutigen.

Man befinde sich derzeit in Gesprächen mit verschiedenen Partnern, sagt er. «Zurzeit arbeiten wir in einer Arbeitsgruppe mit dem Astra, der kantonalen Dienststelle für Raum und Wirtschaft, der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur sowie dem Gemeindeverband Luzern Plus zusammen.»

«Da diese Prozesse noch im Gang sind, können noch keine Resultate veröffentlicht werden», so Wiget. Die Resultate werden im Herbst kommuniziert und sollen danach in ein Richtplanverfahren einfliessen, welches zurzeit für das Gebiet Luzern Süd ohnehin am Laufen sei, erklärt er.

Bereits Verbesserungen erreicht?

Wiget zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf der Gespräche einigermassen zufrieden: «Die Potenzialanalyse ergab Optimierungen im gesamten Zwischenraum zwischen Südportal des Sonnenbergtunnels und dem Tunnel Horw», sagt er. Es scheine, dass sich die Hartnäckigkeit des Komitees und der Stadt auszahlt.

Er habe nicht das Gefühl, in Bern auf Granit zu beissen, zeigt sich der Stadtpräsident erfreut. Und weiter: «Das Neue und Positive am laufenden Prozess ist der Versuch, die Planung gemeinsam mit allen Beteiligten zu forcieren.»

Und was passiert, wenn die Ergebnisse der Gespräche unbefriedigend sind? Wird man allenfalls Einsprachen in Betracht ziehen? «Solange wir miteinander im Gespräch sind, bleiben rechtliche Schritte auf jeden Fall aussen vor», sagt Wiget. Was danach geschieht, sei Zukunftsmusik.

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