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Bypass – Kriens kann auf überdachte Autobahn hoffen
  • Gesellschaft
Durch den Bypass würde die Ein-/Ausfahrt zum Sonnenbergtunnel doppelt so breit. Deshalb fordert die Gemeinde Kriens eine Überdeckelung dieses Abschnitts. (Bild: iPhoto)

Kriens, Stadt Luzern, Emmen, Horw, Ebikon Bypass – Kriens kann auf überdachte Autobahn hoffen

7 min Lesezeit 2 Kommentare 16.01.2015, 18:29 Uhr

Vielleicht ein überdachter Tunnel für Kriens, vielleicht Anpassungen am Schlossberg für die Stadt Luzern – Kanton und Bund reagieren auf die massive Kritik am Autobahnprojekt Bypass. Was am Ende aber rauskommt, ist noch völlig offen. Auch ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen.

Das Autobahn-Projekt Bypass ist ein Monster. Sowohl von den Kosten her – 1,6 Milliarden Franken – als auch bezüglich Komplexität. Nebst dem Bundesamt für Strassen (Astra) als Hauptverantwortlichem und dem Kanton Luzern sind ein halbes Dutzend Gemeinden betroffen. An diesem Freitagmorgen nun hat der Kanton die nächste Etappe eingeleitet. «Kanton Luzern unterstützt Gesamtsystem Bypass», schreibt er in einer Medienmitteilung. Darin informiert er über die abgeschlossene Vernehmlassung zuhanden des Astras.  Demnach steht der Kanton zwar hinter dem Projekt. Jedoch müssten einige Anpassungen vorgenommen werden.

Einjährige Verzögerung

Der frühestens auf 2035 terminierte Bypass besteht aus zwei Hauptelementen. Zum einen ein neuer, vier Kilometer langer Autobahntunnel zwischen Rotsee und Kriens durch den Sonnenberg. Dieser soll die bestehende Autobahn vom Transitverkehr entlasten. Financier wäre der Bund. Zum anderen soll dafür der Kanton 150 Millionen Franken die sogenannte Spange Nord realisieren. Diese sieht einen Autobahnzubringer vom Lochhof bis zum Schlossberg vor, inklusive Tunnel. Auch über die Ergebnisse zu dieser Vernehmlassung hat der Kanton nun informiert. Aufgrund der heftigen Kritik wird die Spange Nord nun bis Ende Jahr angepasst – was zu einer rund einjährigen Verzögerung führen wird. Ob diese Verzögerung negative Auswirkungen auf das Gesamtprojekt haben wird, lässt sich laut Astra-Kommunikationschefin Esther Widmer derzeit noch nicht sagen.

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Der Kanton ist überzeugt, dass mit den erwähnten zwei Projekten die grössten Verkehrsprobleme im Raum Luzern gelöst werden können: Weniger Verkehr im verstopften Stadtzentrum, genügend Kapazität auf der immer stärker beanspruchten Autobahn. Die Zahlen dazu: Rund 92’000 Fahrzeuge passieren jährlich den Reussporttunnel. Bis 2030 werden es laut Kanton über 110’000. «Mit den aktuellen Verkehrskapazitäten lässt sich diese Zunahme nicht bewältigen», teilt der Kanton mit. Das Gesamtsystem Bypass Luzern und Spange Nord stelle aus kantonaler Sicht die beste Lösung dar.

Das sind die Elemente des Projekts Bypass Luzern.

Das sind die Elemente des Projekts Bypass Luzern.

(Bild: Kanton Luzern/zentral+)

Grosser Widerstand

Aus den Vernehmlassungsantworten wird ersichtlich, wie viele Probleme noch zu stemmen sind. Denn alle betroffenen Gemeinden sowie diverse Verbände haben teils erhebliche Vorbehalte. Die wichtigsten im Überblick.

Für die Stadt sind die beiden Projekte Bypass Luzern und Spange Nord von zentraler Bedeutung. Die Innenstadt könne so vom Verkehr entlastet und der Verkehr auf die neue Autobahn verlagert werden. Jedoch hat die Stadt den massiven Widerstand von den Schlossberg-Anwohnern aufgenommen. Diese befürchten massiv mehr Lärm, Verkehr und Gestank. Die Spange Nord müsse deshalb stadtverträglicher gestaltet werden, die Lebensqualität der Anwohner dürfe nicht leiden.

Von einer «schweren Beeinträchtigung des Ortsbildes von nationaler Bedeutung» warnen zudem die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) sowie die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). Auch ÖV und Veloverkehr verschlechtern sich laut Stadt durch die Spange Nord. Weiter müsse der Kanton auch besser aufzeigen, wie im Stadtzentrum Fahrspuren für den Autoverkehr dem ÖV zugeteilt werden können. Zweifel hegt die Stadt auch an der Notwendigkeit der geplanten vierspurigen Brücke über die Reuss.

«Wir sind mit unseren Vorbehalten auf offene Ohren gestossen.»

Adrian Borgula, Stadtrat Luzern

Welche der von der Stadt geforderten Anpassungen für die weitere Planung aufgenommen werden, ist unklar. Laut Kanton werden sie «so weit als möglich berücksichtigt». Man werde das Projekt Spange Nord «in gewissen Punkten überarbeiten und vertiefen». Es soll ein Mittelweg zwischen Funktion, Stadtverträglichkeit, Kosten und Machbarkeit gefunden werden.

Der Luzerner Stadtrat Adrian Borgula ist damit fürs erste zufrieden: «Wir sind mit unseren Vorbehalten auf offene Ohren gestossen.» Allerdings werde sich erst später zeigen, ob die Stadt mit dem überarbeiteten Projekt zufrieden sein kann.

Wütende Krienser

Am rabiatesten reagieren die Krienser auf den Bypass. Gemeinderat und Gemeindeparlament haben beschlossen: In dieser Form ist das Projekt inakzeptabel und würde mit allen Mitteln bekämpft. Was kaum verwundert, denn der Ausgang des Sonnenbergtunnels müsste wegen des neuen Tunnels von heute vier auf acht Spuren verbreitert werden. In der eh schon stark staugeplagten Gemeinde mit ihren rund 28’000 Einwohnern befürchtet man noch mehr Lärm, Abgase und stehende Autokolonnen. Deshalb fordert der Gemeinderat umfangreiche Anpassungen. Hauptelement: Der Tunneleingang muss zum Schutz der Anwohner vor Immissionen grossflächig überdacht werden – bis zum Schlund-Tunnel.

Droht Gefahr für die Kirche St. Karli?

Die projektierte Linienführung des Bypass-Tunnels würde unter der Kirche St. Karli in Luzern durchführen. Gar keine gute Idee, findet die kantonale Denkmalpflege. «Eine solche Beeinträchtigung eines Denkmals von nationaler Bedeutung ist aus Sicht unserer Fachstelle nicht statthaft», teilte die Denkmalpflege dem Kanton im Rahmen der Vernehmlassung mit. Der Autobahnausbau dürfe in keiner Weise zu Schädigungen an der Kirche führen.

Doch der Kanton teilt diese Befürchtungen nicht. Die gewählte Linienführung gewähre zwischen Kirche und Tunnel eine über 30 Meter hohe Felsüberdeckung. Die Immissionen auf die Kirche (und weitere untertunnelte Liegenschaften) könnten so «auf ein zulässiges Mass reduziert werden».

Noch bis vor kurzem stiessen die Krienser damit auf taube Ohren. Doch nun teilt der Kanton mit, man nehme das Anliegen ernst, das Astra werde die Abklärungen vornehmen. Aber: «Die Verhältnismässigkeit und Zweckmässigkeit müssen gewahrt werden.» Was heisst das konkret? Esther Widmer vom Astra hält sich bedeckt: «Das Astra ist noch nicht im Besitz der Stellungnahme des Kantons Luzern. Sobald wir diese erhalten haben, werden wir die Anliegen des Kantons und der Gemeinden prüfen. Wenn die Überprüfung abgeschlossen ist, werden die Resultate der Beurteilung den Kantonen und den Gemeinden mitgeteilt.»

Richtig zufrieden ist der Krienser Gemeinderat Cyrill Wiget mit der neusten Entwicklung nicht. Zwar sei es gut, dass man endlich auf die Anliegen der Gemeinde eingehe. «Aber wir hätten uns mehr Unterstützung und konkretere Zusagen durch den Kanton erhofft.» Nun werde man die nächsten Vorschläge des Astra abwarten und dann entscheiden, wie es weiter gehe.

«Wir hätten uns mehr Unterstützung durch den Kanton erhofft.»

Cyrill Wiget, Gemeinderat Kriens

Nicht umsetzbar ist laut Kanton der Krienser Wunsch, die durchgehende Busspur von Kriens in die Stadt bereits vor 2035 in Betrieb zu nehmen.

Finanzierung steht in der Schwebe

Doch selbst wenn sich Astra, Kanton, Gemeinden und Verbände auf eine Lösung einigen könnten – ob und wann der Bund die nötigen 1,6 Milliarden Franken locker machen wird, steht in den Sternen. Denn der Bypass steht im Modul 3 des «Programm Engpassbeseitung» des Bundes. Dieses wird nicht als dringlich angesehen. Erst wenn das Luzerner Projekt ins Modul 1 nachrücken kann, ist die Finanzierung und rasche Umsetzung gesichert. Aber dann muss die Luzerner Bevölkerung auch noch die 150 Millionen für die Spange Nord absegnen.

Der Bypass – ein Monsterprojekt mit vielen Fallstricken. Als Laie kommt man aufgrund der enormen Komplexität schnell ins Zweifeln, ob das Milliardenprojekt jemals realisiert werden kann. Zumal mit dem Tiefbahnhof noch ein anderes, noch teureres Verkehrsprojekt (2,4 Milliarden) auf Grünes Licht aus Bundesbern hofft. Regierungsrat Robert Küng sagt zum Bypass mässig euphorisch: «Der Kanton Luzern ist zuversichtlich, dass durch den Bund die diversen Anliegen soweit möglich aufgenommen und berücksichtigt werden können und ein für die Agglomeration Luzern verträgliches Projekt realisiert werden kann.»

Hinweis: Mehr Infos zum Bypass finden Sie unter www.bypasslu.ch

Kritik auch von weiteren Gemeinden und Verbänden

Aus der Vernehmlassungsantwort des Kantons zuhanden des Bundesamtes für Strassen gehen noch mehr interessante Stellungnahmen von Gemeinden und Verbänden zum Projekt Bypass hervor.

Emmen wehrt sich gegen Riesenstützmauer

Der Emmer Gemeinderat befürwortet grundsätzlich den Bypass. Er äussert jedoch erhebliche Vorbehalte. Insbesondere würden die Auswirkungen auf die Agglomeration Luzern und Emmen unterschätzt. Die Achse Seetalplatz bis Kasernenplatz etwa sei für den Busverkehr die wichtigste Verbindung zwischen Luzern und Emmen. Weil das Gesamtprojekt Bypass auch in diesem Bereich bis zu 30 Prozent Mehrverkehr generieren würden, würde der Busverkehr zu stark beeinträchtigt. Das sei nicht akzeptabel. Doch der Kanton bestreitet dieses Szenario. Emmen sei nur am Seetalplatz von Mehrverkehr betroffen. Für einen funktionierenden Busverkehr auf den Kantonsstrassen sei gesorgt. Aufnehmen will der Kanton jedoch die Emmer Kritik an der geplanten riesigen Stützmauer beim Anschluss Emmen-Süd. Diese sei schlicht nicht landschaftsverträglich. Der Kanton verspricht Optimierungen.

Ebikon befürchtet noch mehr Durchgangsverkehr

Der Gemeinderat begrüsst den Bypass grundsätzlich. Allerdings dürfe dieser nicht zu noch mehr Durchgangsverkehr im Dorf führen. Der Kanton teilt dazu mit: «Der Bypass bewirkt eine Reduktion des Verkehrs durch Ebikon, da Überlastungen in den Spitzenzeiten auf der Autobahn deutlich weniger auftreten.»

Horw fordert Entlastung des Zentrums

Der Gemeindrat befürwortet den Bypass. Er stellt jedoch Forderungen nach verkehrsentlastenden Massnahmen, speziell im Zentrum und beim Kreisel Schlund. Laut Kanton genügen jedoch die im Projekt vorgesehenen Massnahmen. Weitere seien unnötig.

Kanton Nidwalden warnt vor Flaschenhals

Nidwalden sieht vor allem in Fahrtrichtung Norden beim Anschluss Luzern-Horw einen zukünftigen Flaschenhals. Diese Befürchtungen teilt der Kanton Luzern nicht, die Leistungsfähigkeit sei auch langfristig gegeben.

Verkehrsverbund mahnt vor Verschlechterung beim ÖV

Der Verkehrsverbund bezweifelt, ob die von Kanton und Bund vorgesehenen flankierenden Massnahmen für den ÖV auch wirklich umgesetzt werden. Hier fehle es an verbindlichen Zusagen. Dem ÖV drohe, speziell bei der Autobahnausfahrt Kriens, blockierender Mehrverkehr durch Autos. Der Kanton räumt ein, dass viele Massnahmen erst als Konzept bestünden. Man werde diese in der nächsten Projektphase konkretisieren. Der ÖV werde jedoch nicht negativ beeinträchtigt.

Gemeindeverband zweifelt an Nachhaltigkeit

Für den Gemeindeverband LuzernPlus sowie die Stadt Luzern ist die Nachhaltigkeit des Projekts Spange Nord nicht ersichtlich. Sie fordern für die nächste Projektphase eine Nachhaltigkeitsbeurteilung des Gesamtprojekts. Der Kanton jedoch hat dafür kein Gehör. Die Nachhaltigkeit und Zweckmässsigkeit sei nachgewiesen.

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2 Kommentare
  1. Kurt Heller, 18.01.2015, 11:10 Uhr

    Diese lauwarme, unverbindliche und nichts-sagende “(Nicht-)Unterstützung” der Krienser-Anliegen durch den Kanton ist enttäuschend, aber wohl typisch. Politiker wollen sich nicht festlegen, nach allen Seiten offen halten und ja nicht anecken.
    Die eigentliche Aufgabe der Regierung bestünde aber darin, das Wohl der Bürger und der Umwelt ernst zu nehmen und nicht nur auf die Finanzen und die sogenannte “Machbarkeit” zu schielen.
    Deshalb: Klare Unterstützung der rechtfertigen Krienser-Anliegen tut not! Ergo….. ?

  2. Jules Gut, 17.01.2015, 01:48 Uhr

    mal ein ehrlicher artikel zu diesem monsterprojekt

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