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Buslinie 1 wird bis zur Mall verlängert – SVP verzichtet auf Referendum
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Die Linie 1 startet in Kriens Obernau (wie auf dem Bild) und endet heute im Maihof. Künftig soll der Doppelgelenkbus bis zur Mall of Switzerland fahren. (Bild: Facebookseite vbl )

Kanton Luzern investiert 25 Millionen in den öV Buslinie 1 wird bis zur Mall verlängert – SVP verzichtet auf Referendum

5 min Lesezeit 29.01.2018, 14:48 Uhr

Der Kanton Luzern will die Buslinie 1 bis zur Mall of Switzerland verlängern. Zudem soll der Bushub in Ebikon ausgebaut werden. Obwohl die SVP mit einem Referendum liebäugelte, verzichtet sie nun darauf. Auch wenn sie gar keine Freude am Projekt hat.

Der Luzerner Kantonsrat will die Trolleybus-Linie vom Maihof bis zur Mall of Switzerland verlängern. Dies hat er mit 84 zu 28 Stimmen in der Januar-Session diesen Montag beschlossen. Einzig die SVP wehrte sich gegen die Verlängerung.

Somit genehmigt der Kantonsrat zwei Sonderkredite: 14,5 Millionen Franken für die Verlängerung der Trolleybuslinie 1 nach Ebikon und 11,9 Millionen Franken für den Bau eines Bushubs in Ebikon. Der zweite Kredit wurde mit 88 zu 26 Stimmen angenommen.

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Bisher endet die Linie 1 im Maihof, mit der Verlängerung müssen auch neue Fahrleitungen errichtet werden. Eine Technologie, die als nicht mehr besonders zukunftsgerichtet gilt und deshalb für Gesprächsbedarf sorgte. Voraussichtlich im Dezember 2019 soll der «Einer» im 7,5 Minutentakt bis zur Mall fahren. 

«Keine Experimente»

Stefan Roth (CVP) befürwortete die beiden Kredite: «Das Rontal ist ein bedeutender Entwicklungsschwerpunkt. Diese Entwicklung hat der Regierungsrat antizipiert. Nun erwarten die Bürger Tatbeweise.» Der Doppel-Gelenkbus sei das einzige erprobte System mit genügender Kapazität. «Ein Umsteigevorgang im Maihof ist für die CVP ein No-Go. Die Fahrgäste profitieren von der durchgehenden Linie», sagte Roth. Auf der meistfrequentierten Linie 1 dürften keine Experimente gemacht werden.

Anders die Meinung der SVP, welche das Geschäft gerne zurückgewiesen hätte. Kantonsrat Daniel Keller: «Wir sind der Überzeugung, dass die aktuelle Verkehrsanbindung für die nächsten vier bis fünf Jahre ausreichend ist.» Das Projekt sei unausgereift und es sei nicht opportun, wie im letzten Jahrhundert mit Drähten und Masten das Dorfbild zu zerstören.

«Stau und Verkehrschaos sind vorprogrammiert.»

Daniel Keller, SVP-Kantonsrat

Die SVP hätte am liebsten einfach abgewartet. Sie störte sich zudem am fehlenden Wettbewerb, weil quasi zum Vorhinein klar sei, dass nur die VBL als Betreiberin in Frage komme. Keller führte weiter aus: «Die ganze Linienführung ist wenig durchdacht.» Diese endet bei der Mall of Switzerland. Die SVP argumentierte, dass die Mall aus praktischen Gründen grossmehrheitlich mit dem Auto besucht werde. «Warum zieht man die Buslinie nicht durch bis nach Root?», fragte Keller.

Dringlicher Vorstoss fordert behindertengerechten Bushub

SP-Kantonsrat Michael Ledergerber reichte ein dringliches Postulat ein und forderte eine Anpassung des Bushubs Ebikon. So müsste man alle Einsteige-Kanten behindertengerecht ausbauen. Alle Buskanten müssten eine Höhe von 22 Zentimeter aufweisen. Drei von acht Kanten sind jedoch im aktuellen Projekt nur mit 16 Zentimetern eingeplant.

Die Regierung schlug vor, das Postulat abzulehnen, weil es technisch nicht machbar sei. Es seien sogar Hausabrisse notwendig, argumentierte Robert Küng. Es sei ein Kompromiss erforderlich. 

Eine Mehrheit des Kantonsrat votierte für eine teilweise Erheblichkeitserklärung. Der Grossteil der ablehnenden Stimmen stammte aus der SVP.

Als besonders fragwürdig bezeichnet die SVP den Bushub. «Pro Stunde passieren 68 Busse dort den Kreisel und der Verkehr muss mittels Rotlicht gestoppt werden. Stau und Verkehrschaos sind vorprogrammiert.» Im Vorfeld hatte die SVP angekündigt, gegen die Verlängerung der Buslinie, wenn nötig, das Referendum zu ergreifen. Keller erklärte jedoch: «Wir verzichten darauf, weil die Hürde von 3’000 Unterschriften für dieses regionales Projekt zu hoch ist.»

FDP, SP und Grüne fordern «behindertengerechten» Bushub

FDP-Kantonsrat Herbert Widmer unterstützte die Vorlage. «Der drahtgebundene Bus ist heute die bewährte Lösung.» Wenn man auf neue Technologien warten wolle, müsse man letztlich bei jedem Projekt zuwarten. Ein Umsteigen im Maihof sei für die FDP keine Option. Schliesslich erklärte Widmer, man solle doch den Bushub ähnlich wie am Seetalplatz behindertengerecht ausbauen (siehe Box).

Marcel Budmgier sprach sich im Namen der SP für die Busverlängerung zur Mall of Switzerland aus. «Die Verkehrslawine ist eingetroffen. Wir sehen Handlungsbedarf.» Man dürfe die Schuld jedoch nicht nur der Mall geben. «Sie ist ja nicht vom Himmel gefallen», sagte Budmiger. «Es wurde schlicht nicht geplant, wie mit dem Verkehr umgegangen werden soll.»

«Die Gegner sehen in jedem Bus ein Hindernis für Autofahrer.»

Marcel Budmiger, SP-Kantonsrat

Budmiger: «Für den R-Bus nach Ebikon gibt es keine Alternative.» Er richtete happige Vorwürfe an die Adresse der SVP: «Die Gegner sehen in jedem Bus ein Hindernis für Autofahrer. Die wahren Verkehrshindernisse sind jene Autofahrer, die sich weigern, den öV zu nutzen.» 

So sieht die Visualisierung des Bushub in Ebikon aus.

So sieht die Visualisierung des Bushub in Ebikon aus.

(Bild: zvg)

 

Die SP setze sich nebst dem Bushub auch für einen Viertelstundentakt ein. Und die Partei macht klar, dass der Ausbau behindertengerecht erfolgen müsse. «Für die SP ist es unverständlich, dass die Normen des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht eingehalten werden.» 

Grüne und Grünliberale weibeln für öV-Ausbau 

Auch Urban Frye von den Grünen monierte, der Ausbau hätte viel früher stattfinden sollen. «Mehr als 15 Jahre dauerte die Planung der Mall und man hat es verpasst, den öV anzupassen. Diese verpasste Chance ist unverständlich und zeugt nicht von einer weitsichtigen Planungskompetenz des Kantons.» Frye appellierte, Wachstum müsse auch nachhaltig sein.

«Wir müssen den öV ausbauen. Alles andere ist unsinnig», so Frye. Auch er kritisierte, dass die Behindertenorganisationen nicht in die Ausarbeitung der Projekte miteinbezogen wurden. 

«Die Landschaft wird mit Kabeln vollgehängt.»

Marcel Omlin, SVP-Kantonsrat

Die GLP schloss sich den Argumenten von SP, Grünen, CVP und FDP an. «Die Verlängerung ist sinnvoll und zweckmässig», sagte Kantonsrat Markus Hess. Mit der Mall of Switzerland habe das Projekt an Bedeutung gewonnen. «Es wäre nicht vertretbar, auf der Linie 1 Experimente vorzunehmen.»

SVP schiesst gegen Projekt 

Nachdem aus jeder Partei ein Redner gesprochen hatte, wurde das Wort freigegeben. Und die SVP nutzte die Gelegenheit und schoss gegen das Vorhaben. Kantonsrat Marcel Omlin nervte sich: «Die Landschaft wird mit Kabeln vollgehängt.» Und er hatte kein Verständnis, dass man ein Umsteigen im Maihof als unzumutbar bezeichnete. «Was für VBL-Gäste nicht gehen soll, sei für Fahrgäste in Rothenburg längst ‹State of the Art›.»

«Man muss Kröten schlucken, aber wir brauchen die Kapazitäten jetzt.»

Daniel Gasser, CVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident Ebikon

SVP-Fraktionschef Guido Müller legte nach und störte sich insbesondere an linksabbiegenden Bussen, welche die entgegenkommenden Autofahrer aufhalten. Auch die Busse würden in diesen Kolonnen aufgehalten. «Ist es sinnvoll, einen bereits bekannten Fehler doppelt zu wiederholen?», fragt er.

Gemeinderat Ebikon für Verlängerung und Bushub

CVP-Kantonsrat Daniel Gasser sprach als Gemeindepräsident von Ebikon: «Fahrleitungen sind nichts Schönes und niemand freut sich darauf.» Man stehe nun vor der Entscheidung, ob man die Verkehrssituation einfach annehmen wolle oder sie aktiv mit Lösungen zu steuern gedenke. Der Gemeinderat Ebikon sei für die zweite Möglichkeit. «Es ist ein gut austariertes Werk, welches die langjährigen Pläne von Kanton, Gemeinden und Verkehrsverbund berücksichtigt.»

Die Alternativen seien nicht auf die Kapazität ausgelegt. «Man muss Kröten schlucken, aber wir brauchen die Kapazitäten jetzt. Das geplante Vorgehen ist für uns das Richtige», so Gasser.

Regierungsrat verweist auf Kantonsstrategie 

Regierungsrat Robert Küng zeigte schliesslich wenig Verständnis für den Widerstand am Ausbau. Denn das vorgelegte Projekt basiere auf der Kantonsstrategie. «Wir investieren in ein Gebiet, das eine rasante Entwicklung mitmacht», sagte Küng.

Der Kanton rechne mit Steigungsraten von bis zu 40 Prozent beim öffentlichen Verkehr. Für die von der SVP vorgeschlagene Option des Zuwartens zeigte Küng kein Verständnis. «Sonst sind wir immer Vorwürfen ausgesetzt, es werde zu lange gewartet. Ich bitte Sie, jetzt nicht zu warten.»

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