«Burglind» stürzt Luzerner Altstadt ins Chaos
  • Regionales Leben
Der Untergang der Krone um 10:53 Uhr: Sturmtief «Burglind» setzt der Weihnachtskrone auf der Reussbrücke ihr Ende. (Bild: ida)

Wie Einheimische und Touristen den Sturm erlebten «Burglind» stürzt Luzerner Altstadt ins Chaos

4 min Lesezeit 03.01.2018, 17:00 Uhr

«Burglind» sorgt in Luzern nicht nur für vom Winde verwehte Föhnfrisuren. In der Altstadt zeugen umgefallene Signaltafeln und Christbäume sowie durch die Luft fliegende Ziegelsteine vom Sturmtief. Kino für die einen, die dem Spektakel von drinnen zusehen. Nicht aber für jene, die bereuen, das schützende Heim verlassen zu haben.

Traumvorstellung: Der Wind bläst einem Frische ins Gesicht, die Haare werden natürlich voluminös, wehen mit dem Takt des Windes, und die Augen glänzen. Das Rauschen des Windes stets in den Ohren.

Die bittere Realität: Die Haare werden in alle Himmelsrichtungen gefegt, verfangen sich zu Knoten und finden den Weg in den Mund. Der Schal schlägt einem um die Ohren – der Hut macht sich durch einen Windstoss selbstständig, mühselig muss man gegen die Stärke des Windes antraben. Sich in der anonymen Menschenmenge einen Weg bahnen. Blätter fliegen umher und es treibt einem Staubkörner in die Augen.

Es regnet, es stürmt und es kracht. Rotweisse Absperrbänder mit der Aufschrift «Feuerwehr-Sperrzone» verweisen auf abgesperrte Wege. Umwege müssen gemacht werden, während der Sekundenzeiger der Uhr unbeirrt weiter voranschreitet, um an den bevorstehenden Termin zu erinnern. Menschen schreien – irgendwo wird wieder eine Signaltafel umgekippt sein. Auch Weihnachtschristbäume sind dem Sturm zum Opfer gefallen – trostlos liegen sie da.

Ein Spektakel für Schaulustige: Feuerwehr und ewl im Einsatz.

Ein Spektakel für Schaulustige: Feuerwehr und ewl im Einsatz.

(Bild: ida)

Die aktuellen Geschehnisse des Sturmtiefs Burglind sind im Liveticker von zentralplus festgehalten. Mit 195 Stundenkilometer sorgt der Sturm auf dem Pilatus bereits für Windstärken-Rekorde. Bis zum Mittag wurden der Polizei über 80 Schadenmeldungen mitgeteilt. Welche Eindrücke lassen sich bei einem Spazierweg durch die Luzerner Altstadt festhalten?

Von Tischen, die in der Reuss baden und weichenden Kronen

«Bei uns ging der Tisch baden», lacht Manuela Conca, Service-Mitarbeiterin bei der «Rathaus Brauerei». Den Mut zusammengefasst, die Tür geöffnet und raus in den Sturm: Mit einem Blick in die Reuss erkennt man den Tisch, der seit einigen Stunden sein Vollbad geniesst. Ansonsten hätte man jedoch vorausgedacht und die Terrasse aufgrund der Sturmwarnung zum Vornherein nicht geöffnet.

In der Altstadt Luzern geht es derweil der Weihnachtsbeleuchtung an den Kragen. Während der Weihnachtszeit hing über der Reussbrücke eine gigantische Krone – mit Tannenzweigen und Lämpchen umgeben – die nun demontiert werden musste. Peter Kreienbühl, Leiter Produktion Elektroninstallation der ewl, erklärt, dass gewisse Weihnachtsdekorationen bereits jetzt schon aufgrund von Sicherheitsvorkehrungen weichen müssen.

Reussbrücke 10:12 Uhr: Die Krone fegt (nocht) im Takt des Windes.

Reussbrücke 10:12 Uhr: Die Krone fegt (noch) im Takt des Windes.

(Bild: ida)

Die Reussbrücke wurde kurze Zeit gesperrt. Passanten sammeln sich an. Schaulustige knipsen Fotos und verfolgen die Aktion, während andere genervte Kommentare von sich geben. «Na super – mein Zahnarzt ist genau gegenüber», so Monika Schulthess, mit einem Blick auf die Uhr. «Muss ich jetzt einen Umweg laufen?» Während ewl-Kreienbühl knapp entgegnet, dass es ein paar zusätzliche Minuten wert sein sollte, um nicht den Fall der Krone auf seinen eigenen Kopf zu richten. 

Das letzte Mal, dass man aufgrund eines Sturmes die Weihnachtsbeleuchtung abnehmen musste, sei schon viele Jahre her, so Kreienbühl und spielt auf den Sturm «Lothar» im Jahre 1999 an. Insgesamt habe die ewl die Altstadt Luzern von vier Kronen befreien müssen, so auch in der Pfistergasse.

 

Mitarbeiter der ewl bei der Demontage der Krone über der Reussbrücke.

Mitarbeiter der ewl bei der Demontage der Krone über der Reussbrücke.

(Bild: ida)

Auch an der Kapellgasse ist man mit dem Absperrband nicht zurückhaltend. Albert Kreienbühl, Leiter Stadtteil Mitte, erklärt, dass vom Gebäude Bruchteile von Ziegelsteinen abfallen würden. Aus Sicherheitsmassnahmen habe man auch hier rund um das Gebäude abgesperrt, bis sich das Sturmtief gelegt habe und Dachdecker für Ordnung sorgen können, so Kreienbühl.

 

Auch hier werden Wege abgesperrt.

Auch hier werden Wege abgesperrt.

(Bild: ida)

Von Touristen in Regenpelerinen und Hunger, der einen in die Kälte treibt

Diana Palermo, wohnhaft in Buchrain, lässt sich vom Sturm nicht unterkriegen: Bei Kälte, Regen und Sturm steht Palermo Schlange vor der Twiny Station in der Rössligasse. «Ich bin süchtig nach den Pommes Frites hier», meint sie mit einem Lachen. «Der Sturm ist nicht weiter tragisch, in anderen Länder fliegen derweil halbe Häuser umher.»

Mit Regenpelerinen oder Regenschirmen gewappnet: Touris lassen sich von «Burglind» nicht unterkriegen lassen.

Mit Regenpelerinen oder Regenschirmen gewappnet: Touris lassen sich von «Burglind» nicht unterkriegen lassen.

(Bild: ida)

«Mich würde eigentlich nichts in die Kälte treiben», meint Sarah Nyffeler aus Rothenburg. «Doch mein Arbeitgeber beglückte mich heute morgen leider nicht mit der Meldung sturmfrei», meint sie mit einem Schmunzeln.

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