Bundespräsidentin Sommaruga ehrt «Heldinnen und Helden» aus Zug und Luzern
  • Gesellschaft
Die Feier auf dem Rütli fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. (Bild: Screenshot Livestream)

Rütli-Feier Bundespräsidentin Sommaruga ehrt «Heldinnen und Helden» aus Zug und Luzern

5 min Lesezeit 12 Kommentare 01.08.2020, 16:01 Uhr

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ehrt heute auf dem Rütli Personen, die sich während der Corona-Sperrung für andere Menschen eingesetzt haben.

Regula Erazo ist eine jener Personen aus dem Raum Luzern und Zug, die an der heutigen Bundesfeier von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga als «Heldinnen» geehrt werden. Zum Begriff «Heldinnen» sagt Regula Erazo bloss: «Das ist halt Journalistenjargon.»

Sie gehe mit einem etwas «zwiespältigen Gefühl» aufs Rütli. Das Feiern eines Nationalfeiertages sei nämlich nicht so ihre Stärke, sagt sie. Dennoch nehme sie an diesem Anlass gerne und mit Überzeugung teil. Denn sie finde es wichtig, dass dank ihrer Nomination auch die Thematik der Sans-Papiers in diese Veranstaltung einfliessen könne. Um ihre eigene Person könne es dabei nicht gehen: «Ich fühle mich da nicht so wichtig.»

Für Sans-Papiers war die Zeit der Sperrung speziell schwierig

Aber sie gehe für das ganze Team der Sans-Papiers-Betreuungsstelle Luzern. Für die von ihrem Team betreuten Sans-Papiers sei die Corona-Zeit besonders schwierig gewesen. Plötzlich seien viele von ihnen ohne Arbeit gewesen, weil die Arbeitgeber in der Zeit der Pandemie das Anstellungsverhältnis nicht mehr weiterführen wollten. Viele Sans-Papiers seien darum auf der Beratungsstelle vorbeigekommen, um dort etwas Unterstützung zu erhalten. Diese Phase habe von etwa Mitte April bis Mitte Juni gedauert. Seither sei die Anzahl Beratungen wieder in etwa auf dem Stand wie vor der Corona-Sperrung.

Arbeit in den untersten Lohnklassen

Regula Erazo wurde von der Beratungsstelle Sans-Papiers Luzern als Vertreterin des Kantons Luzern für die Rütlifeier vorgeschlagen und dann auch ausgewählt. Bis ins Jahr 2017 war Regula Erazo Stellenleiterin der Sans-Papiers-Beratungsstelle in Luzern. Seit sie pensioniert ist, arbeitet sie ehrenamtlich für diese Organisation, die von einem Trägerverein unterstützt wird, dem unter anderem die Katholische Kirchgemeinde Luzern angehört.

Regula Erazo (Bild: Sans-Papier Beratungsstelle Luzern)

Regula Erazo und ihr Team hätten sich in ausserordentlicher Art und Weise für jene Menschen eingesetzt, die ohne Aufenthaltsbewilligung im Kanton Luzern leben und arbeiten, schreibt die Beratungsstelle für Sans-Papiers Luzern in einer Medienmitteilung. Die Organisation weist darauf hin, dass diese sogenannten «primären Sans-Papiers» ihren Lebensunterhalt durch vielfältigste Arbeiten in den untersten Lohnklassen bestreiten.

Von Hunger und Obdachlosigkeit bedroht

«Durch die Corona-Krise wurden sie von heute auf morgen von den Arbeitgeberinnen entlassen – ohne einen Anspruch auf Erwerbsausfallsentschädigung oder Kurzarbeit.» Niemand von ihnen habe eine Krankenkasse, einen Arbeits- oder Mietvertrag. «Alle waren akut sowohl von Obdachlosigkeit als auch von Hunger bedroht. Unter ihnen auch Kinder, schwangere Frauen und kranke Menschen.»

Die meisten Hilfesuchenden stammten aus dem asiatischen Raum. Der Medienmitteilung ist zu entnehmen, dass einige dieser Menschen erzählten, sie seien alleine wegen ihres Aussehens entlassen worden. «Zusätzlich fielen sie im öffentlichen Raum besonders auf und trauten sich deswegen in ihrer Not nicht mehr auf die Strasse.» Die aussergewöhnliche Situation und die materielle Not der Sans-Papiers habe die Beratungsstelle vor grosse Herausforderungen gestellt. Regula Erazo, als ehemalige Leiterin der Beratungsstelle und Pensionierte im Vorstand tätig, habe in dieser herausfordernden Zeit das Team mit ihrem Know-how unterstützt.

Grosse Dankbarkeit

In der Medienmitteilung wird Regula Erazo selber ebenfalls zitiert. Sie sagt: «Es hat mich sehr erschüttert, den grossen Leidensdruck der Menschen in dieser Situation zu spüren. Welche Erleichterung zeigte sich bei jener Frau, die mit ihren Kleinkindern zu uns kam und daraufhin eine Unterstützung erhielt. Ihre Dankbarkeit war sehr gross.» Das Ausgeliefertsein gegenüber Arbeitgebern und Vermietern mache diese Menschen so verletzlich. Regula Erazo hofft, dass diese Menschen auch nach der Corona-Zeit die Beratung der Luzerner Kontaktstelle in Anspruch nehmen. Dies im Blick auf ihre Grundrechte.

Stellvertretende Ehrung

An der heutigen Bundesfeier auf dem Rütli ehrt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga aus jedem der 26 Kantone sowie aus der «Fünften Schweiz» je eine Frau und einen Mann für ihren Einsatz während der Corona-Zeit. Dies geschieht stellvertretend für all jene, die sich in den Wochen der Corona-Sperrung für andere Menschen und für die Gesellschaft eingesetzt haben.

Organisiert wird diese Feier von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG). Lukas Niederberger, Geschäftsleiter der SGG, erklärt auf Anfrage, dass die ursprünglich für dieses Jahr auf dem Rütli geplante Feier mit dem Schwingerverband und rund 2000 Gästen wegen der Corona-Regeln habe abgesagt werden müssen. «Die einzig sinnvolle Art einer Bundesfeier in diesem Jahr schien uns darin zu liegen, dass der Bundesrat im Kontext von Corona auf dem Rütli der Bevölkerung dankt und gleichzeitig zum weiteren Corona-Schutz ermutigt.»

Bundespräsidentin Sommaruga habe die Idee mit der erwähnten Ehrung gehabt. Als Geschäftsleiter der SGG habe er der Bundespräsidentin rund 80 Personen zur Wahl vorgeschlagen. Diese Leute habe er bei gut vernetzten Personen sowie bei kantonalen Ämtern und öffentlichen Institutionen gesucht. Sommaruga habe anschliessend jene 54 Personen ausgewählt, die heute auf dem Rütli stellvertretend für viele andere geehrt werden.

Die drei weiteren Geehrten aus Luzern und Zug

Sandra Weidmann ist im Bereich Gesundheit/Asyl des Kantons Zug tätig. Sie freue sich sehr über ihre Nominierung und fühle sich sehr geehrt, sagt sie auf Anfrage. Die Leiterin des Sozialamtes des Kantons Zug habe sie nominiert. Sie habe davon anfänglich gar nichts gewusst.

Udo Hentschel ist Postbote bei der Post in Baar. Er sei von seinen Vorgesetzten ausgewählt worden, berichtet er. «Ich habe Mitte Juli von meiner Wahl erfahren und mich natürlich sehr gefreut, stellvertretend für alle Pöstlerinnen und Pöstler, die in dieser anspruchsvollen Zeit Grosses geleistet haben, an der Feier teilnehmen zu können.»

Bruno Arnold vertritt wie Regula Erazo an der Feier auf dem Rütli den Kanton Luzern. Er ist als Schreiner im Kantonsspital Wolhusen tätig.

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12 Kommentare
  1. mebinger, 02.08.2020, 12:19 Uhr

    Und wo sind die echten Helden, nämlich diejenigen, die für eine freie demokratische Schweiz einstehen und sich gegen diese verfassungswidrige anmassenden und nutzlosen Massnahmen wehren, die alles zerstören, was die Schweiz ausmacht, ich bin im Moment überhaupt nicht stolz Schweizer zu sein, wir verhalten uns wie ein Volk dummer unterwürfiger Untertanen , die jeden Befehl verfolgen, sei er auch noch so amoralisch und rechtswidrig

    1. CScherrer, 02.08.2020, 14:08 Uhr

      Mit Ihrem Kommentar diffamieren Sie 99% der Schweizer Bevölkerung. Unglaublich.

    2. Billie Holiday, 02.08.2020, 20:57 Uhr

      CScherrer, ich denke, Sie überschätzen etwas die Mehrheit, in der Sie bezeichnenderweise so gerne verschwinden würden. Lassen wir solche Mehrheitsdiktatoren wie Sie am besten einfach niemals auch nur an die kleinste Machtposition.

  2. Andreas Peter, 01.08.2020, 17:44 Uhr

    Euch ist aber schon noch klar, dass die „armen“ Sans Papiers illegale Einwanderer sind? Also, dass die nach unserem demokratischen bestimmten Gesetz nicht hier sein dürften?
    Warum müssen wir uns am Nationalfeiertag „unser“ Illegalen hätscheln?
    Sind wir eigentlich jetzt total durchgedreht?

    1. Billie Holiday, 01.08.2020, 21:29 Uhr

      Ich kann Sie in vielem verstehen, Herr Peter, und sie haben jedes Recht, genau die Auffassungen zu haben, die Sie nun einmal haben. Die Welt hierzulande hat sich geändert, sie hat das sehr schnell und sehr planlos getan, sie ist in einem Stadium der Dummheit und Verlogenheit angelangt, das vor kurzem noch unvorstellbar war, und Prozess wie Resultat werden auf eine Weise verkauft, die nachgerade zum Kotzen ist. Nur, Herr Peter, Ihre Fixierung auf die eine immer gleiche Thematik ist auch nicht gerade appetitanregend, und sie trägt rein gar nichts zur Lösung irgendwelcher Probleme bei.

    2. estermap, 01.08.2020, 22:10 Uhr

      “Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen.
      Er kommt auch nicht auf so eine einfache Weise zustande wie ein Mensch.
      Ein Mensch kann überall zustande kommen,
      auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals.
      Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist,
      während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.”

      Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche

    3. Billie Holiday, 01.08.2020, 23:25 Uhr

      Ach, auch das noch. Auch noch das banale Gewäsch von diesem schmierigen Opportunisten Brecht.
      Wenn einer seinen Pass wegschmeisst oder versteckt, weil er genau weiss, dass es ihm Vorteile bringt, das zu tun, dann hat er nicht keinen Pass und ist auch nicht gut, sondern er hat sich den „Sans-Papier“-Pass erschlichen, um die Gutmenschen abzocken zu können.

    4. Andreas Peter, 02.08.2020, 12:03 Uhr

      @Billie Holiday: > „Nur, Herr Peter, Ihre Fixierung auf die eine immer gleiche Thematik ist auch nicht gerade appetitanregend, und sie trägt rein gar nichts zur Lösung irgendwelcher Probleme bei.“

      Ich denke schon, dass das benennen und diskutieren von Problemen die Voraussetzung zu ihrer Lösung ist.
      Offenbar teilen Sie meine Meinung mehrheitlich, finden diese (und somit Ihre eigene Meinung) dann aber unappetitlich. Muss ich das verstehen?

      Zu viele Menschen – ob in der Schweiz oder auf dem ganzen Planeten – und zu viele, zu schnelle Migration inkl. Tourismus sind nun mal die Mütter aller aktuell relevanten Probleme, inkl. Klima, Ressourcen, Gewalt…
      Wer das nicht wahrhaben oder vertuschen will, verfolgt ein Ziel, welches er bitte auf den Tisch legen und einer demokratischen Legitimation unterziehen möge.

    5. CScherrer, 02.08.2020, 14:09 Uhr

      Hören Sie auf zu Jammern! Schon unglaublich, dass Sie sich von Allem bedroht fühlen. Es gibt professionelle Angebote, welche Ihnen über den Tag helfen können.

  3. igarulo, 01.08.2020, 17:26 Uhr

    Was macht Frau Präsidentin auf dem Rütli? Die gehört in die Agglo. Da wohnen die meisten Einwohner.

  4. Billie Holiday, 01.08.2020, 16:22 Uhr

    Gut, dass der Schreiner des Kantonsspitals Wolhusen auch geehrt wird. Gerade dort war die ganze Zeit gar nichts los. Eine leere Institution mit ganztägig auf dem Parkplatz rauchenden Chirurgen. Auch jetzt tote Hose. Was tut da bloss ein Schreiner?

    1. Der Beobachter, 03.08.2020, 11:59 Uhr

      Der geehrte Schreiner wird wohl ein Verwanter oder Parteigenosse sein ….

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